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Kinder sind "stark, auch ohne Muckis"

Ein Präventionsprojekt in Bunnen soll Schülerinnen und Schüler selbstbewusster im Umgang mit Mobbing machen. Die Pandemie wirkt sich inzwischen auch auf ihr Verhalten aus.

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Provokativ: In Rollenspielen übt Heidi Höweler mit den Bunner Schülern, wie sie sich bei Mobbing verhalten sollten.    Foto: G. Meyer

Provokativ: In Rollenspielen übt Heidi Höweler mit den Bunner Schülern, wie sie sich bei Mobbing verhalten sollten.    Foto: G. Meyer

Heidi Höweler kann manchmal richtig fies sein. "Hey, was hast du denn für hässliche Schuhe", fragt sie frech und schaut eine Schülerin herausfordernd an. Doch das Mädchen bleibt unbeeindruckt, dreht sich um und lässt Höweler einfach links liegen. Diese lächelt zufrieden hinter ihrer Maske. Lektion gelernt. Genauso soll es sein.

In der Grundschule Bunnen ist die Selbstbehauptungstrainerin in diesem Monat regelmäßig zu Gast. Sie bringt den Schülerinnen und Schülern bei, mit Situationen, in denen sie gemobbt, beleidigt oder ausgegrenzt werden, angemessen umzugehen. Das bedeute vor allem, die Provokationen nicht an sich heranzulassen, darüber zu stehen, betont die Quakenbrückerin. Weil das aber einfacher klingt, als es ist, liefert sie den nötigen "Werkzeugkasten" gleich mit.  Den Störenfried auflaufen zu lassen, sei ein wirksames Mittel, um sich selbst vor Angriffen zu schützen, weiß sie.

Heidi Höweler hat sich dem Projekt „Stark auch ohne Muckis“ angeschlossen. Dessen Initiator, Daniel Duddek, coacht neben den Kindern auch deren Eltern. Gern bedient sich Höweler der Tier-Allegorie des Buchautors. Und die geht so: Eine Mücke versucht, einen Löwen zu nerven, doch der nimmt sie gar nicht wahr. Ein Schaf dagegen lässt sich sofort provozieren. "Zu wem fliegt die Mücke beim nächsten Mal wohl wieder?", fragt die Trainerin die Kinder. Die Antwort ist klar. In ihren Kursen gehe es aber nicht darum, Einzelne an den Pranger zu stellen. "Jeder von uns ist mal die Mücke", sagt die zweifache Mutter und warnt vor Schubladendenken. Was Kindern wie Erwachsenen dagegen oft fehle, sei die Fähigkeit, sich selbst zu lieben. Das sei aber nötig, um – wie der Löwe – bei Stress in sich zu ruhen.

Eltern spielen entscheidende Rolle

Die Schule ist allerdings nicht der einzige Ort, an dem Kinder ihr Selbstbewusstsein entwickeln. Vieles entscheide sich bereits in den Elternhäusern, wo Verhaltensweisen vorgelebt und Denkmuster übernommen würden, erklärt Heidi Höweler. „Die Eltern müssen den Fokus deshalb stets auf das Gute richten und ihrem Nachwuchs mit Empathie, Respekt und Wertschätzung begegnen“, rät sie. Heißt im Klartext: Mama und Papa sollten nicht ständig an Kleinigkeiten herummäkeln, sondern ihrem Kind das Gefühl geben, dass mit ihm alles in Ordnung ist. Dazu gehöre auch, ihm etwas zuzutrauen, statt vor allem die Gefahren zu sehen. „Denn Kinder brauchen Herausforderungen und haben alle Ressourcen dafür, sie zu meistern."

Die Pandemie hat es den Familien nicht gerade leichter gemacht. Auch in Bunnen war die Welt schon besser in Ordnung, bestätigt Schulleiterin Marion Feye. Zwar spiele das Thema Mobbing bislang eigentlich keine Rolle. Veränderungen an ihren Schülern hat Feye dennoch festgestellt. "Sie gehen stärker auf Distanz und lassen Berührungen nicht mehr so gern zu." Das habe wohl mit dem Gefühl zu tun, eine potenzielle Gefahr für andere zu sein.

"Man merkt auch, dass hier ein tolles pädagogisches Team wirkt."Heidi Höweler

Auch die Eltern ständen seit 2 Jahren unter einem starken Druck. Die Folgen der langen Coronazeit kämen womöglich jedoch erst viel später voll zum Tragen. Das Land Niedersachsen habe dies jedoch erkannt und fördere Präventationsprojekte inzwischen mit Nachdruck. "Die Mittel können relativ unkompliziert abgerufen werden", betont Feye. Die Rektorin möchte das Training nach Möglichkeit fest in den Jahreskalender aufnehmen. Es würde sich neben weiteren schulische Angeboten zur Gesundheits- und Gewaltprävention einreihen.

Die Arbeit mit den Bunner Kindern macht Heidi Höweler viel Spaß. „Man merkt auch, dass hier ein tolles pädagogisches Team wirkt“, lobt sie. Zwischen Osnabrück und Oldenburg besucht die Trainerin derzeit viele Schulen und Sportvereine. Die Nachfrage sei hoch. Für neue Anfragen bleibe sie aber offen.

  • Info: Erreichbar ist Heidi Höweler unter Telefon 0172/3606257 oder unter hoeweler@stark-auch-ohne-muckis.de.

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