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Kinder nehmen sogar eigene Hörbücher auf

Im Löninger Kindergarten St. Elisabeth spielt die Sprachbildung eine besondere Rolle. Mit der Aufnahme in ein Bundesprogramm ist jetzt auch finanziell einiges möglich.

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Achtung Aufnahme: Die kleine Sofiia ist voll konzentriert. Erzieherin Louisa Parske spricht den Text vor. Foto: Kindergarten St. Elisabeth

Achtung Aufnahme: Die kleine Sofiia ist voll konzentriert. Erzieherin Louisa Parske spricht den Text vor. Foto: Kindergarten St. Elisabeth

Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Wer wüsste das besser, als die Erzieherinnen im St.-Elisabeth-Kindergarten. Trotzdem lernen sie jetzt täglich Neues hinzu, denn ihre Einrichtung ist im vergangenen Herbst ins Bundesprogramm "Sprachkitas" aufgenommen worden.

Den neuen Status verkörpert niemand besser als Michaela Schäpker. Als Sprach-Fachkraft schult sie ihre Kolleginnen und übernimmt auch die Förderung der Kinder. Nicht wenige haben einen Migrationshintergrund. "Der richtige Umgang mit der deutschen Sprache ist deshalb besonders wichtig", betont Schäpker. Sie sensibilisiert vor allem für Kleinigkeiten. "Wenn ich einem Kind etwas zu trinken anbiete, halte ich ihm nicht einfach 2 Gläser hin, sondern frage deutlich, was es möchte." Auf den ersten Blick erscheine das banal. "Solche Dinge werden im Alltag aber schnell vergessen".  Schäpker hat jedoch Glück: Das junge Team macht ihr die Arbeit denkbar leicht. "Alle sind aufgeschlossen und kommen mit ihren Fragen zu mir". Schäpkers Chefin Klaudia Hake ist ebenfalls zufrieden. Sprachkitas stehen Fördermittel zu. Die kann sie jetzt abrufen.

Kinder hören zu und sprechen nach

Eines ihrer Lieblingsprojekte steckt in einem grünen Rucksack. Hake greift hinein und holt einzelne Gegenstände heraus. Ein Mikrofon, ein klappbares Stativ und ein Aufnahmegerät. Auch ein Laptop gehört zur Ausrüstung des mobilen Tonstudios, mit dem die Kindergartenkinder seit Kurzem eigene Hörbücher aufnehmen. Lesen können sie zwar noch nicht, dafür aber sehr gut zuhören. "Wir sprechen ihnen die Texte vor", erklärt Michaela Schäpker. Auch das Schneiden der Aufnahmen übernehmen die pfiffigen Vorschüler inzwischen selbst – und lernen ganz nebenbei, dass Computer nicht nur zur eigenen Unterhaltung erfunden wurden. Klaudia Hake möchte demnächst auch mehrere Tablets anschaffen, mit deren Hilfe sich kurze Stop-Motion-Filme produzieren lassen. Ihren Zöglingen traut sie das ohne Weiteres zu.

Neben der gesprochenen Sprache bringt die Einrichtung den Kindern auch die Schrift näher. Das Lesen und Schreiben sollen sie zwar nach wie vor in der Grundschule lernen. Früh einzelne Buchstaben und Wörter zu erkennen, dürfte ihnen den Start dort aber erleichtern, finden die Erzieherinnen. Der Speisenplan wird deshalb nicht nur schön bebildert, sondern zugleich immer auch beschriftet. Die Kinder sind an seiner Zusammenstellung beteiligt. Das Wort "Pommes" dürften die meisten am Ende ihrer Kindergartenzeit auf Anhieb flüssig lesen können.

Alles im Griff: Der 5-jährige Toni schneidet die Sequenzen am Laptop. Foto: Kindergarten St. Elisabeth.Alles im Griff: Der 5-jährige Toni schneidet die Sequenzen am Laptop. Foto: Kindergarten St. Elisabeth.

Das Leben an der Bunner Straße hat sich inzwischen weitgehend normalisiert. Die coronabedingten Einschränkungen wurden größtenteils aufgehoben, trotzdem bleiben die Erzieherinnen weiter vorsichtig und testen sich regelmäßig. Die Pandemie schränkte die Planungen monatelang stark ein. Der Nachholbedarf ist groß. Insbesondere soll jetzt das schon seit Längerem geplante teiloffene Konzept ausprobiert werden. Es sieht einen weitgehenden Verzicht auf die übliche Gruppenstruktur vor. "Die Kinder können sich frei aussuchen, ob sie in einer Gruppe basteln oder in einer anderen Sport treiben wollen", erklärt Hake. Im kommenden Monat soll es damit losgehen. Die Leiterin hält viel von dem Ansatz: "Er macht jedem Kind die individuellen Stärken im Team zugänglich". Hake ist trotzdem gespannt, wie das Konzept in der Praxis funktioniert. Im besten Fall wird es weiter ausgebaut. Auch dabei bleibt Corona ein Unsicherheitsfaktor. Sollte das Virus im Herbst mit Wucht zurückkehren, wäre es mit der Offenheit wohl wieder vorbei. Hake hofft, dass es nicht soweit kommt.

Neues Schild: Leiterin Klaudia Hake (links) und Sprachförderkraft Michaela Schäpker freuen sich über die Aufnahme ins Bundesprogramm. Foto: Georg MeyerNeues Schild: Leiterin Klaudia Hake (links) und Sprachförderkraft Michaela Schäpker freuen sich über die Aufnahme ins Bundesprogramm. Foto: Georg Meyer
  • Info: Dozent für das Tonstudioprojekt ist Mirco Dalos. Bei Interesse vermittelt der Kindergarten den Kontakt zu ihm (Telefon 05432/596541).

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