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Kinder in der Krise: "Ich würd' Corona auf den Mond schießen"

Die Pandemie gräbt sich auch in die Psyche von Kindern ein. In Lastrup durften sie ihren Gedanken freien Lauf lassen. Und die sehen durchaus rabiate Methoden gegen das Virus vor.

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Sorgenfresser: Die Kinder malten ihre Ängste und Wünsche auf und steckten sie anschließend in die Kuschelmonster. Foto: Koopmann

Sorgenfresser: Die Kinder malten ihre Ängste und Wünsche auf und steckten sie anschließend in die Kuschelmonster. Foto: Koopmann

Sie gelten bereits als Generation Corona. Doch was macht die Pandemie mit den Kindern? Die Mitarbeiterinnen der "Kita für alle - Birkenweg" wollten es herausfinden und erteilten Fünf- und Sechsjährigen bei einer Kinderkonferenz das Wort. Die Ergebnisse waren bedrückend. "Es ist traurig zu sehen, wie belastend die Zeit für die Kleinen ist", sagt Erzieherin Dorothee Koopmann.

Über die Gefahr, die von Covid-19 ausgeht, sind sich die Kinder offenbar ziemlich im Bilde. "Corona, das sind kleine Bakterien und Viren. Die machen uns krank, man kann nicht mehr gut atmen", erklärt zum Beispiel die fünfjährige Julia. „Manchmal sterben auch Menschen daran“, weiß Maria (6 Jahre). "Die Kinder hören mit, wenn Eltern über das Thema sprechen oder im Fernsehen diskutiert wird", sagt Koopmann. „Auch bei uns in der Kindertagesstätte sehen, hören und spüren sie die Veränderungen, die das Virus hervorgerufen hat.“ Immerhin: Dass sie über die Krankheit aufgeklärt wurden und wissen, wie sie sich schützen können,  klang in den Gesprächen ebenfalls durch. Hände waschen, Mundschutz tragen und seine Freunde nicht treffen, dazu sich immer wieder testen lassen - nur so lasse sich die Ausbreitung stoppen, glauben die Kinder.

Dazu lassen sie ihrer Phantasie freien Lauf- auch das gehört dazu. Impfen? "Ich würde allen einen 'Piks' geben", erklärt Manuel (4). Aerosole? Die sollen bitte schön von den Vögeln aufgefressen werden. In einem sind sich die Vorschulkinder einig: Corona ist doof. "Ich würde es weg boxen", behauptet Bjarne (6). Piet dagegen möchte die Viren am liebsten in eine Rakete stecken und "zum Mond schießen".

Pandemie unterbricht kindliche Routinen 

Die Auswirkungen der langen Alltagsbeschränkungen auf die kindliche Psyche sind inzwischen Gegenstand der Forschung. Kinder und Jugendliche würden in der Corona-Pandemie wie die Erwachsenen auch mit psychischer Belastung reagieren, sagt Silvia Schneider, Professorin für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie hat die Situation bei Kleinkindern zwischen null und 2 Jahren untersucht. "Eltern beschreiben hier, dass Kinder teilweise unruhiger und emotional labiler sind." Sie kennt auch Berichte über körperliche Beschwerden, wie Bauchschmerzen. „Bei kleinen Kindern erleben wir, dass manche wieder mehr Ängste haben, sich von der Mutter oder dem Vater zu trennen. Dies hängt zum Teil damit zusammen, dass der Wechsel von Kita-Besuch und dann wieder zu Hause bleiben müssen, Routinen unterbricht und die Eingewöhnung wieder neu erarbeitet werden muss.“ Wiederum andere Kinder seien psychisch erstaunlich gesund und managten die Belastung zusammen mit ihren Eltern gut. Schneiders Fazit: Die psychische Befindlichkeit von Kindern und Jugendlichen muss immer im familiären Kontext gesehen werden. "Geht es den Eltern gut, geht es den Kindern gut und umgekehrt."

Auch bei der Kinderkonferenz in Lastrup war die Trennung von Verwandten und Freunden ein großes Thema. Die Situation mache einigen richtig Angst, berichtet Dorothee Koopmann. Der sechsjährige Eddy  etwa erzählte, dass er inzwischen davon träume, "dass Corona in meinem Bett ist". Die Solidarität, die Psychologin Schneider unter Schülern feststellte, gibt es aber auch im Kindergarten: "Alle waren sich darin einig, dass wir gemeinsam stärker sind als Corona", betont Koopmann.

Damit sie ihre Ängste nicht länger mit sich herumtragen müssen, hatte die Erzieherin  den Kindern sogenannte „Sorgenfresser“ mitgebracht. Auf Zetteln malten   sie  ihre Nöte  und Wünsche auf und steckten sie in den bunten Kuschelmonstern in die Mäuler. Ganz so einfach wird sich das Virus zwar nicht aus der Welt schaffen lassen. Den Kindern tat die Aktion trotzdem gut.

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