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Kinder-Fragen

Kolumne: Auf ein Wort – Die Bundeskanzler-Kandidaten Armin Laschet und Olaf Scholz sind von 2 Kindern nach allen Regeln der Interview-Kunst "gegrillt" worden. Dabei fing alles so harmlos an.

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Wieso, weshalb, warum? Kinderfragen können witzig sein. Aber sie können auch gefährlich sein. Fragen Sie einmal Armin Laschet und Olaf Scholz. Die härtesten Fragen, die den beiden genannten Wahlkämpfern bisher in einem Fernsehformat gestellt wurden, kamen von 2 Kindern: von Romeo und Pauline. Beide sind etwa 10 Jahre alt. In einem Beitrag betritt Scholz, in dem anderen Laschet ein buntes Zirkuszelt. Sie halten das Ganze zunächst offenbar für einen netten Kindergeburtstag. Aber dann werden sie von Pauline und Romeo nach allen Regeln der Kunst "gegrillt".

Es fängt alles harmlos an: "Welche Pokémon-Figur wärst du gerne?" Etwas härter klangen schon Fragen wie diese: "Herr Laschet, stimmt es, dass Sie Zigarillos rauchen?" Oder aber: "Herr Scholz, wieso nennt man Sie eigentlich Scholzomat?" Aber dann zeigt sich, dass auch kleine Leute große Fragen haben können: Ist Putin ein Mörder? Wie ist das mit den Flüchtlingen, die im Mittelmeer ertrinken? Sterben da auch Kinder?  Die beiden Berufspolitiker kamen ganz schön ins Schwitzen.

"Wir Erwachsenen sollten die Stimme des Kindes im Ohr behalten."Dr. Marc Röbel

Manche haben kritisiert, dass hier Kinder womöglich instrumentalisiert worden sind. Ich persönlich schließe auch nicht aus, dass sie einen kleinen Sender im Ohr hatten und eine erwachsene Stimme sie durch die Fragen hindurchgeführt hat. Das lasse ich an dieser Stelle offen. Aber eines lässt unsere christliche Tradition nicht offen: Wir Erwachsenen sollten die Stimme des Kindes im Ohr behalten. Darum war es ein wichtiges Zeichen, dass die beiden Wahlkämpfer sich auf diese Fragen eingelassen haben. Menschen, die nach höheren Ämtern und Aufgaben streben, sollte nicht aufhören, von den Kleinen her zu denken; mit ihnen im Kontakt zu bleiben.

Das macht Jesus von Nazareth auf eindrucksvolle Weise deutlich. Einmal streiten seine Jünger darüber, wer unter ihnen der Größte sei. Auf diese Frage gibt Jesus eine paradoxe Antwort. Er stellt ein Kind in die Mitte. Damit vollzieht er eine kulturgeschichtliche Revolution. In der antiken Welt hatten Kinder eigentlich so gut wie keine Rechte. Sie hatten nichts zu sagen. Jesus bringt die Jünger dazu, ihre Perspektive zu wechseln. Sie sollen vom Kind her denken.

Das könnte ein Impuls für alle politischen Wahlen sein, ein geistlicher "Wahl-o-Mat". Fragen Sie sich doch einmal vor der Wahl: Haben die Kinder, die Kleinen, vielleicht sogar die Ungeborenen in den Wahlprogrammen eine Stimme? Wie sehr hat eine Partei die Kinder, die kommenden Generationen im Blick? Welchen Stellenwert haben Schule und Erziehung? Welche Wertangebote macht die Politik der Generation unserer Kinder?

Vor etlichen Jahren hat Herbert Grönemeyer gesungen: Gebt den Kindern das Kommando. Soweit sollten wir nicht gehen. Aber die Fragen und Anliegen der Kinder sollten wir nicht überhören. Kinder-Fragen haben es in sich.


Zur Person:

  • Pfarrer Dr. Marc Röbel ist Geistlicher Direktor der Katholischen Akademie in Stapelfeld.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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