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Khalid Bakr möchte nicht einfach als Ausländer abgestempelt werden

Sehr persönliche Ansichten, immer dieselben 10 Fragen. In dieser Woche stellen wir sie Khalid Bakr. Er kam als Flüchtling nach Vechta.

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Wünscht sich einen Arbeitgeber, der ihm Perspektive bietet: Khalid Bakr. Foto: M. Niehues

Wünscht sich einen Arbeitgeber, der ihm Perspektive bietet: Khalid Bakr. Foto: M. Niehues

Und? Wie ging es in letzter Zeit?
Gut, ich freue mich, dass meine Tochter und meine Pflegetochter jetzt aufs Gymnasium in Vechta gekommen sind. Beide sind glücklich und zufrieden in der Schule. Das zeigt mir und meiner Frau, dass wir als Flüchtlinge aus dem Irak gut in Deutschland angekommen und integriert sind. Ich lebe seit 2013 im Landkreis Vechta, habe seit 2014 bis heute immer Arbeit gefunden. In meinem Leben war ich schon als Sanitäter im Kriegsgebiet tätig, als Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts im Irak, hier als Geflügelverlader, in der Autopflege, in der Kunststoffproduktion und auch als Versandmitarbeiter. Bis jetzt war ich im Kreis Vechta über Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Ich wünsche mir für mich und meine Frau eine gute Perspektive und möchte direkt bei einem Unternehmen beschäftigt sein. Ich habe schon vor 6 Jahren meinen Sprachkurs abgeschlossen, kann mich also gut verständigen. 

Was haben Sie sich einmal so richtig gegönnt?
Ich brauche keine Urlaubsreisen oder ähnliches. Ich freue mich, wenn ich Besuch bekomme. Ein gemeinsames Grillen mit der Familie und Verwandten, das ist das, worüber ich mich freue.

Wenn Sie König von Deutschland wären: Was gehört als erstes abgeschafft?
Dieses Wort Ausländer. Ja es stimmt, ich bin ein Ausländer. Aber ich möchte nicht als solcher einfach abgestempelt werden. Wir Menschen sind doch alle gleich.

Welchen Traum werden Sie sich als nächsten erfüllen (können)?
Papa und Mama fehlen mir. Die Familie ist in Deutschland, nur meine Eltern nicht. Mein größter Traum wäre es, wenn sie bei uns sein könnten.

Was tun Sie am liebsten?
Ich begeistere mich in meiner Freizeit fürs Schwimmen und für Fußball. Manchmal spiele ich auch mit Freunden selbst Fußball. Oft verfolge ich Spiele am TV. Ich bin Hoffenheim-Fan. Bei den Nationalmannschaften gefallen mir Deutschland und Argentinien.

Welche Eigenschaften mögen Sie an sich selbst? Und welche nicht?
Ich glaube, ich bin sehr hilfsbereit. In den letzten Jahren habe ich vielen Flüchtlingen bei ihrer Ankunft in Deutschland geholfen, weil ich bei Behördengängen übersetzen konnte. Manchmal bin ich aber etwas ungeduldig. Ich kann schlecht warten. Bei mir muss alles schnell gehen.

Welche TV-Sendung mögen Sie am liebsten?
Deutsche Krimis und Fußball.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal treffen? 
Ich hatte tolle Arbeitskollegen, als ich als Geflügelverlader in Goldenstedt gearbeitet habe. Sie leben heute in Rumänien und Österreich. Ich würde sie gerne einmal wieder treffen.

Was würden Sie gerne einmal wieder essen?
Mitte Dezember fasten wir Jesiden 3 Tage lang. Meine Mutter hat dann immer eine besondere Suppe gekocht. Die würde ich mal wieder gerne essen.

Welches Thema der OM-Medien hat Sie am meisten beschäftigt?
Ich lese gerne Beiträge über Personen. Mich interessieren Lebensgeschichten. Politik finde ich auch interessant. Zuletzt hat mich das Gruppenfoto der SPD-Fraktion ohne Maske sehr beschäftigt.


Zur Person:

  • Khalid Bakr ist 35 Jahre alt, verheiratet und Vater von 3 Kindern im Alter von 3 bis 12 Jahren. Sein Pflegekind ist auch 12 Jahre alt.
  • Er ist 2013 nach Deutschland gekommen. Im Irak war er bei der Armee im Sanitätsdienst tätig.

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