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Kennen wir uns?

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Kennen Sie den schon? Trifft man jemanden, den man kennt und erkennt ihn nicht. Keine Seltenheit in Zeiten von Masken und es kann trotzdem peinlich werden.

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„Kennen wir uns?“ Was für den einen ein schlechter Anmachspruch ist, ist für den anderen eine peinliche Situation. Denn spätestens seit der Pandemie ist es jedem von uns schon mal passiert, Bekannte nicht erkannt zu haben. Wenn ich im Winter mit Mütze, Maske und beschlagener Brille unterwegs war, hätte ich mich selbst kaum erkannt.

Sich jemandem vorzustellen, der erwidert, dass man sich bereits kennt, kann unangenehm werden. Eine Situation, in der man sich wünscht, Brad Pitt zu sein. Nicht, weil er einer der erfolgreichsten Schauspieler Hollywoods ist, sondern weil er bekannterweise unter Prosapagnosie leidet, der sogenannten Gesichtsblindheit. Okay, und wegen seines millionenschweren Vermögens. Ich würde von mir selbst aber behaupten, mir ganz gut Gesichter und Namen merken zu können. Deswegen ist mir die Situation, in der ich an dieser Fähigkeit zweifelte, besonders im Gedächtnis geblieben:

„Wie in einem Minenfeld stand ich dazwischen, darauf bedacht, aus den Früchten keine Farbbomben zu machen.“Fenja Hahn

Es war Sommer, das perfekte Wetter für einen Obstsalat. Auf zum Supermarkt um die Ecke, man kannte sich dort, der Filialleiter grüßte immer. Dann an der Kasse passierte es: Gerade abkassiert, rutschte mir die Plastikpackung der Blaubeeren aus den Händen und der komplette Inhalt verteilte sich auf dem Boden.

Wie in einem Minenfeld stand ich dazwischen, darauf bedacht, aus den Früchten keine Farbbomben zu machen. Eine Mitarbeiterin befreite mich aus dem blauen Bällebad, währenddessen bildete sich hinter mir eine immer längere Schlange. Da sich der Boden leider nicht vor mir aufgetan hatte, musste ich noch bezahlen. In der Zwischenzeit kam der Filialleiter mit einer neuen Packung Blaubeeren auf mich zu. Ich lehnte dankend ab, doch er bestand darauf und sagte: „Für jemanden, der mal auf meine Kinder aufgepasst hat, mache ich das doch gerne."

„Langsam dämmerte mir, dass der Filialleiter nicht immer so nett gegrüßt hat, weil ich Stammkundin war.“Fenja Hahn

Zu Hause hörte es nicht auf zu rattern. Langsam dämmerte mir, dass der Filialleiter nicht immer so nett gegrüßt hat, weil ich Stammkundin war. Aber wer waren der Mann und seine Kinder? An meine Babysitter-Jobs in meiner Jugend konnte ich mich noch erinnern. Vielleicht hatte er mich mit meiner Schwester verwechselt? Wäre nicht das erste Mal.

Wochen vergingen, bis ich bei einem meiner Einkäufe, bei denen ich die Blaubeer-Schachteln immer mit beiden Händen transportierte, auf den Namen des Filialleiters stieß. Mir kam die Eingebung: Seine Töchter waren in einem Zeltlager dabei, bei dem ich Betreuerin war. Die Namen der 80 Kinder waren noch in meinem Kopf, dass ich nicht alle Elternteile kannte, war wohl keine Schande.

Aber falls Sie auf peinliche Situationen stehen, hier noch ein Tipp für den nächsten Supermarkt-Besuch: An der Kasse einfach jemanden vor sich fragen: „Kennen wir uns?“ Ist die Antwort "Nein", fragen Sie: „Kann ich mich vorstellen?“ Und schon ist ein Platz in der Schlange gutgemacht.


Zur Person:

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