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Keinen Führerschein, aber einen Porsche

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt. In diesem Fall kämpft ein 37-Jähriger mit dem Strafgericht. Er hatte sich ohne Fahrerlaubnis hinters Steuer gesetzt. Auch Drogen und eine Waffe sind im Spiel.

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Warum fahren Leute ohne eine Fahrerlaubnis eigentlich auffällige Autos, bei denen die Polizei gar nicht anders kann, als misstrauisch zu werden? Ein Beispiel aus Lohne: Jahrelang fuhr ein Mann mit einem VW-Pritschenwagen (das Modell heißt anders), und die örtlichen Beamten wussten, wer am Steuer saß. Sie wussten auch, dass der Fahrer keinen Führerschein hatte. Es folgte Anzeige auf Anzeige. Schließlich auch Verurteilungen in Vechta und Oldenburg.

Unerlaubt mit dem Golf der Mutter unterwegs

Einen erneuten Fall aus Lohne, viel schlimmer, hatte jetzt das Strafgericht zu verhandeln. Ein 37-Jähriger hatte einen Termin bei Gericht, aber er kam nicht. Also wurde Haftbefehl erlassen und nach ein paar Monaten durfte der Angeklagte in der Justizvollzugsanstalt in Meppen auf seinen Termin warten. Er wurde zum Gericht gebracht. Ihm wurde vorgeworfen, am 28. September um 1.50 Uhr in Lohne mit einem Porsche Cayenne ohne Fahrerlaubnis gefahren zu sein; am 5. August ebenso. Am 6. Dezember war er mit dem Golf seiner Mutter unterwegs. Ohne Führerschein, klar.

Bevor die Polizei den Porsche beschlagnahmen wollte, hatte der Mann ihn verkauft. Einmal hatte er im Kofferraum in einer Werkzeugkiste eine Luftdruckpistole dabei. Für eine solche "Waffe" benötigt man einen "kleinen Waffenschein" und muss 18 Jahre alt sein. Den Vorwurf des Verstoßes gegen das Waffengesetz stellte das Gericht ein. Der Angeklagte räumte die Vorwürfe ein und erzählte, die Pistole sei ein Spielzeug und ungefährlich. Er habe immer harte und leichte Drogen genommen, sei ein "Autoschrauber" und habe in einer Garage in Dinklage mit anderen gern an Autos gewerkelt. Auf die Frage, warum man sich einen Porsche für 14.000 Euro kaufe, obwohl man keine Fahrerlaubnis habe und auch nie hatte, konnte der 37-Jährige nicht schlüssig antworten. Er habe Drogen genommen und nicht immer alles mitbekommen.

"Der Strafrichter erklärte, derartig viele Einträge wegen Fahrens ohne Führerschein habe er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt.“Klaus Esslinger

Im Bundeszentralregister belegte der Angeklagte einige Seiten. Der Strafrichter erklärte, derartig viele Einträge wegen Fahrens ohne Führerschein habe er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt. 3-mal war der 37-Jährige für 6 Monate und 2-mal für 8 Monate auf Bewährung verurteilt worden. Jedes Mal seien die Bewährungen wegen weiterer Straftaten widerrufen worden und der Angeklagte habe die Strafen verbüßen müssen. Derzeit stehe er unter Führungsaufsicht und die Aufhebung des Haftbefehls, der nötig war, um den Angeklagten überhaupt vor Gericht zu sehen zu bekommen, könne aufgehoben werden, denn er habe sofort noch eine 6-monatige Strafe zu verbüßen.

Der Staatsanwalt hielt eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten für angemessen. Dem müsse eine stationäre Drogentherapie vorausgehen, die in der Regel 2 Jahre lang dauere. Dann könne die Strafe auch auf Bewährung umgewandelt werden. Der Verteidiger dagegen beantragte 9 Monate, auch auf Bewährung, das sei angemessen. Der Angeklagte sei eigentlich kein schlechter Mensch, einmal sei er mit seiner Reisetasche vor der Justizanstalt in Meppen aufgetaucht, um eine Strafe anzutreten, zu der er aber gar nicht geladen gewesen sei, das habe der 37-Jährige dann wohl nicht richtig voreinander bekommen.

Bewährung sah der Strafrichter überhaupt nicht. Er verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr. 6 Monate trete er jetzt an, dann ein Jahr weiter bleibe er im Gefängnis und dann könne er entscheiden, ob er eine Drogentherapie mache.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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