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Keine gute Kombi: Der Silberne und mein linkes Bein

Meine Woche: Meinen Führerschein habe ich schon lange, das eigene Auto vor Jahren abgestoßen. Ab und zu muss statt Bus und Bahn dann doch ein Leihwagen her – Flops sind da mit eingeschlossen.

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In 35 Jahren nur ein paar kleinere Blechschäden verursacht, kilometermäßig ein paar Mal um die Welt gekurvt und immer wieder gerne spontan auch einen fremden Wagen gesteuert – sei er noch so klein oder groß. Schnee und Eisregen, Schotterpisten und Serpentinen – an meinen Fahrkünsten habe ich nie gezweifelt, mich immer zu den vorausschauenden, zu den versierten Autofahrern gezählt.

Pure Überheblichkeit? Vielleicht, denn seit Anfang der Woche ist diese Selbsteinschätzung etwas erschüttert. Ich war auf einen Leihwagen angewiesen. Nicht das erste Mal. Mit unterschiedlichen Modellen des Autoverleihers meines Vertrauens habe ich bereits Bekanntschaft gemacht – und nach einigen Kilometern klopfe ich den geborgten Vehikeln immer freundschaftlich aufs Armaturenbrett: „Du bist ein Guter.“

"Der Kleine sei dieses Mal leider vergeben. Aber der Silberne sei ein Traum, super bequem zu fahren."Kerstin Köhne

Dass es dieses Mal anders werden würde, ahnte ich bereits, als ich auf dem Garagenhof einen großen silbernen Wagen sah. Eine überdimensionierte Familienkutsche, dabei hatte ich einen kleinen Flitzer reserviert.

Der Kleine sei dieses Mal leider vergeben. Aber der Silberne sei ein Traum, super bequem zu fahren – weil ein Automatikwagen, versuchte der Autovermieter meine Skepsis einzulullen.

Neben einer ausführlichen Aufzählung der Vorzüge des Automatikgetriebes gab es eine Minimaleinweisung in die Handhabung desselbigen. Von diesem und jenem Knopf sollte ich die Finger lassen und das linke Bein vergessen.

Es fauchte und jaulte

Das echote mir noch im Kopf, als ich davonrollte und flott Fahrt aufnahm. Ich sammelte noch einen Mitfahrer ein, startete den Wagen erneut, wendete – alles ohne Probleme. Auf einem Parkplatz endete die Fahrt, wie geplant. Doch mein Beifahrer monierte, der Wagen rage zu weit aus der Parklücke hinaus. Ich stieg aus. Sah, er hatte Recht. Setzte mich wieder ans Steuer – und plötzlich war alles anders. 

Das Auto fuhr nur in kurzen Stößen zurück. Wenn es sich überhaupt bewegte. Es fauchte und jaulte. Verschiedene Tasten leuchteten auf, die mir vorher nicht aufgefallen waren. Ich drückte sie. Dem Auto war es egal. Es dauerte gefühlt Jahre, um aus der Parklücke zu holpern. Dann stand der Wagen quer. Für andere kein Durchkommen. Mein führerscheinloser Beifahrer war keine Hilfe und hatte Wichtigeres zu erledigen.

Ich wählte die Nummer des Autoverleihers. Der mutmaßte, ich hätte einen entscheidenden Knopf gedrückt und damit die segensreiche Automatik völlig auf den Kopf gestellt. Per Ferndiagnose könne er da nichts machen. Während ich über den Parkplatz ruckelte und hopste, hörte ich, wie seine Stimme immer verzweifelter wurde: „Sie fahren mir die ganzen Reifen kaputt.“ Das ist nichts gegen mein Schleudertrauma, dachte ich und hielt, um durchzuschnaufen und die Beine zu sortieren: das linke Bein 'runter von der Bremse, ich hatte es schlicht vergessen. Jaha, dann ist Automatikfahren wirklich einfach. Trotzdem: Der Silberne und ich werden keine Freunde.


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