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Keine Corona-Bremse mehr: Akademie Stapelfeld legt mit vollem Tempo los

Dieser Re-Start hat keinen doppelten Boden: Mit 210 Veranstaltungen in 6 Monaten geht die katholische Einrichtung ins wirtschaftliche Risiko. Ungeduldige Anrufer nähren die Zuversicht auf Zulauf.

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Voller Vorfreude nach sechs Monaten Stillstand: (von links) Dr. Marc  Röbel, Willi Rolfes und Dr. Martin Feltes. Foto: Kreke

Voller Vorfreude nach sechs Monaten Stillstand: (von links) Dr. Marc  Röbel, Willi Rolfes und Dr. Martin Feltes. Foto: Kreke

Die Vorsicht bleibt, aber die Vorfreude siegt: Mit einem vollen Programm ohne Corona-Vorbehalte kehrt die katholische Akademie Stapelfeld in den Normalbetrieb zurück. Ab sofort ist ein neues Halbjahresprogramm mit 210 Veranstaltungen buchbar – so viel Angebote wie vor der Pandemie. Die Zuversicht des 3-köpfigen Direktoriums ist so groß wie die Erwartung.

„Wir spüren im Haus eine Stimmung aus Aufbruch und Sehnsucht nach den schmerzlich vermissten Gästen“, meinte der Pädagogische Direktor, Dr. Martin Feltes, während der Neustart-Pressekonferenz am Dienstag. Den Stammgästen geht‘s offensichtlich genauso: Sogar mitten im 6-monatigen  Lockdown buchten sie sehenden Auges reihenweise Seminare, die erwartungsgemäß abgesagt werden mussten, obwohl sie „randvoll“ waren. „Die Sehnsucht nach Begegnung und kulturellem Austausch ist riesig“, folgert Verwaltungsdirektor Willi Rolfes daraus. Jetzt platzt der Knoten, wenn auch kontrolliert.

Service: Gäste können sich vor der Tür testen lassen

Denn die Sicherheitsauflagen bleiben bestehen. Die Akademie macht es ihren Gästen allerdings leicht: Wer zuhause den verpflichtenden Corona-Test vor der Anreise verpasst hat, wird in Stapelfeld an einem separaten Eingang empfangen und kann die Prozedur unter Aufsicht nachholen. Das Ergebnis bescheinigt das Service-Team schriftlich, so dass auch Ausflüge kein Problem sind. Alle 2 Tage wird der Test wiederholt. Die Gäste zahlen nur den Selbstkostenpreis der Sets.

„Wir werden mit einem blauen Auge durchkommen.“Willi Rolfes, geschäftsführender Direktor

Obwohl keine Belegungsquote mehr gilt, wird das Haus wegen der weiter gültigen Abstandsregelungen nur zu rund 60 Prozent belegt werden können. In guten Jahren erreichte die Akademie rund 76 Prozent, im "Seuchenjahr" 2020 waren es klägliche 26 Prozent. Auch 2021 wird "nicht unser bestes Jahr", sagt Rolfes, aber: "Wir werden mit einem blauen Auge durchkommen." Das liegt vor allem an der Beständigkeit der Geldgeber: Landkreis und Stadt Cloppenburg hielten in voller Höhe an ihren Zuschüssen fest, das Bischöflich-Münstersche Offizialat ebenso.

Für das Team gab das Direktorium 2 Leitgedanken vor: "Alle bleiben im Boot und am Ende gibt es ein Boot", so Rolfes. Beide Ziele sind erreicht worden. "Uns gibt es noch", sagt der Geschäftsführer. Andere Einrichtungen schalteten in der Krise auf den Anrufbeantworter um, die Akademie nicht. Etwa ein Viertel der Stammbelegschaft hielt die Verbindung zu anfragenden Gästen. Diese Beständigkeit soll sich nun auszahlen. Noch mehr Lust aufs neue Programm unter dem Leitthema "überLeben" sollen ab Donnerstag kleine Video-Podcasts aus den Fachbereichen machen. Die Serie auf Facebook und der eigenen Website trägt den Titel "Vorfreude". Grüne Naturfotos von Willi Rolfes illustrieren die Hoffnung auf den Aufbruch.

Von Beuys bis Bundestag: Die Akademie holt auf

Den Belastungen der Pandemie-Isolation stellt das neue Programm  das Grün der Hoffnung entgegen, gemischt mit Musik, Kultur und Treffen, aber auch mit Fragen: Gibt es eine "Lektion", die Corona lehrt? Vielleicht sogar ein "Post-Corona-Zeitalter"? In der Sommerakademie zum Thema "Richtig Leben" sucht die Akademie philosophisch, ökologisch und kulturell nach Antworten.

Für Dr. habil. Marc Röbel liegt die Antwort auf der Hand. "Ein Rückfall in die sogenannte ‚Normalität‘ wäre keine Option", glaubt der geistliche Direktor der Einrichtung. Die allseits geforderte Digitalisierung könne den "Hunger nach Begegnungen" nicht stillen. ("Richtig leben", 19. bis 22. Juli).

Dennoch tobt trennender Hass in den sozialen Medien, um und wegen Corona. Spaltet die enthemmte, digitale Kommunikation diese Gesellschaft? Diese Frage hat das Team in einen Themenblock zum „Superwahljahr 2021“ eingebunden. Ex-Bundestagspräsident Prof. Norbert Lammert spricht am 20. September über den "Kitt, der uns zusammenhält". Einen Tag zuvor untersucht Dozent Alexander Rolfes die schreiende Auseinandersetzung in den "sozialen" Medien.

Zur Wahl: Ratsherren plaudern aus dem Nähkästchen

Zur praktischen Vorbereitung auf die Kommunalwahl lädt die Akademie am 4. Juni Kandidaten aller Couleur ein. Erfahrene Ratsmitglieder plaudern aus ihrem Erfahrungsschatz. Der Autor Torsten Körner vergleicht die Politik mit einer Manege und ihre schrillsten Akteure mit Clowns (14. September). Versöhnung, Trost und Anregungen suchen nicht nur Corona-Geschädigte in der Natur und der Kunst: Beiden Gebieten widmet das Haus eine große Seminar-Palette: "Zurück zur Natur" und die "Generation Greta", eine Debatte um die Landwirtschaft mit der niedersächsischen Ministerin Barbara Otte-Kinast stehen auf dem Programm.

Zum 100. Geburtstag schlägt die Akdemie die mystische Seite des Künstlers Joseph Beuys auf (30. Oktober). Im Schwerpunkt "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" geht‘s vor allem um den künstlerischen und wissenschaftlichen Einfluss der Juden.

Mehr Infos und Kontakt: www.ka-stapelfeld.de, Telefon: 04471-1880, E-Mail: info@ka-stapelfeld.de

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