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Kein wirklicher Ersatz: Aufbackbrötchen helfen über die kommenden Tage

Kolumne: Emma, Omega, Körner oder Mehrkorn, Roggen oder Mohn, Käse und Rosinen, Pinkantje oder Dinkel... Wer soll morgens im Halbschlaf durch die ganzen Namen der verschiedenen Brötchen durchsteigen?

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„Zwei Mohn, ein Roggen“, heißt es so oder ähnlich morgens ab fünf Uhr an der Bäckertheke. Es ist eine Welt für sich in dieser frühen Stunde. Die Kommunikation folgt einem klaren Code. Der Grundsatz gilt: Für den Wiederholungstäter reicht ein kurzes „Wie immer“. Und beim Manchem wird die Tüte schon gepackt, wenn die Tür aufgeht. Ohne Worte.

Dabei ist Bäcker nicht gleich Bäcker. An den Ausfallstraßen Cloppenburgs gleicht die Theke der eines Metzgers. Bergeweise liegen die belegten Brötchen an der Emsteker Straße, der Bether Straße oder Richtung Molbergen bereit. Körner mit gekochtem Schinken, Mohn mit Salami oder Rosinen mit Käse.

Hunderte von Beschäftigten machen hier jeden Morgen Halt. Die Verkäuferinnen, seit mindestens vier Uhr auf den Beinen, kennen ihre Pappenheimer. Die Mischung ist das Ergebnis jahrelanger Erfahrung. Und wenn der Kaffee nicht in der Thermoskanne mit sich geführt wird, kommt ein Cappuccino noch dazu.

„Fünf Brötchen“, hieß es einst und es gab fünf Brötchen. Heute lautet es bei Uneingeweihten: „Einfache?“ und die Antwort kommt prompt: „Nein, Durcheinander.” Dass Brötchen anderswo anders heißen, haben wir im Lauf der Jahre gelernt. „Schrippe“ in Berlin, „Semmel“ in Bayern und so weiter.

Aber wer soll durch die ganzen Namen der verschiedenen Brötchen durchsteigen, die einem früh morgens noch im Halbschlaf befindlich fordernd aus der Theke fixieren. Emma, Omega, Körner oder Mehrkorn, Roggen oder Mohn, Käse und Rosinen, Pinkantje oder Dinkel. Möglicherweise hat das Namenswirrwarr zur Folge, dass viele sich auf ein oder zwei konzentrieren. So sind sie auch leichter zu identifizieren. 

"Was war für ein Durcheinander, als sich die Politik wieder etwas Überflüssiges ausdachte, nämlichen die Sache mit der Quittung." Otto Höffmann

Was war für ein Durcheinander, als sich die Politik wieder etwas Überflüssiges ausdachte, nämlichen die Sache mit der Quittung. Nach jedem Kauf die Frage „Beleg?“ oder „Quittung?“. Das nervte und störte den bisherigen harmonischen Verlauf der morgendlichen Kommunikation. Jedes überflüssige Wort ist da nämlich vergebens. Und so kam es folgerichtig ja auch. Der Beleg starb eines sanften stillen Todes. Erst quoll er noch monatelang aus der Kasse und wurde mit keinem Wort mehr erwähnt. Jetzt ist es so, als sei er nie da gewesen.

Nun ist es endlich soweit für die sympathischen Damen an den Cloppenburger Bäckertheken. In den nächsten Tagen kann endlich mal wieder ausgeschlafen werden, da die meisten Bäckereien in unserer Kreisstadt geschlossen haben. Wir behelfen uns dann mit Aufbackbrötchen. Ist natürlich kein Vergleich. Aber es gibt nicht einmal eine Zwergentüte im Angebot.

Da haben wir heute Morgen vorgesorgt, wie üblich mit frischem Backwerk und der Zeitung: „Morgen“ „Morgen“ „Zwei Mehrkorn, eine Pinkantje und die Zeitung“ „Zwei Mehrkorn, ein Pinkantje und einmal die Bildung. Macht 3,05 Euro“ „Danke“ „Bitte“ „Wiedersehen und frohe Weihnachten.“ „Das wünsche ich euch auch. Frohe Weihnachten.“


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in 
Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen 
Sie unter der E-Mail-
Adresse redaktion@
om-medien.de.

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