Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Kein Stubenarrest für Jäger – die Waidmänner sind systemrelevant

Seit 2003 führt Dominik Hempen den Hegering in Bösel. Vor 85 Jahren wurde er gegründet. 177 Mitglieder sind registriert. Was sie und ihren Leiter bewegt, davon erzählt Hempen OM online.

Artikel teilen:
Seit 32 Jahren Jäger: Dominik Hempen, der seit 2003 den Böseler Hegering führt. Foto: Claudia Wimberg

Seit 32 Jahren Jäger: Dominik Hempen, der seit 2003 den Böseler Hegering führt. Foto: Claudia Wimberg

Manchmal steigt er schon morgens um fünf auf den Hochsitz und schaut der Natur beim Erwachen zu. „Wunderschön jetzt“, sagt Dominik Hempen. Wenn er länger bleibt, dann sieht er nicht nur die aufgehende Sonne, Rehe und Hasen, sondern auch „viele Jogger“. In Coronazeiten ist Laufen die Sportart der Stunde und mit Abstand erlaubt. So wie die Jagd. „Wir sind ja systemrelevant“, formuliert es der Böseler Hegeringleiter in Pandemiesprache.

Auch die Gründer des Hegerings erlebten angesichts der Weltkriege Krisen mit globalen Dimensionen. 85 Jahre ist es her, dass sich 20 Männer unter dem Vorsitz von Johann Bley zusammenschlossen. Es folgten Willi Höffmann und Arnold Aumüller sen., bevor Hans Fennen 1969 die Federführung für die nächsten 34 Jahre übernahm. 2003 übergab er den Stab an Dominik Hempen, der seit 1989 Mitglied ist.

Eine familiäre Prägung lasse sich wohl nicht leugnen, verrät der 51-Jährige lächelnd und verweist auf seinen Vater sowie zahlreiche Verwandte, die in den Revieren unterwegs waren und sind. In Bösel sind es  12 Genossenschaftsreviere, hinzu kommen 5 Eigenjagden.

Die gleiche Einstellung und einen Plan haben

177 Mitglieder sind registriert, davon 19 Frauen. „Eine Zunahme, die uns sehr freut.“ Hervorheben möchte der Leiter die Zusammenarbeit mit seinen Vorstandskollegen. Es sei wichtig, grundsätzlich die gleiche Einstellung und einen Plan zu haben, auch wenn Diskussionen ausdrücklich gewünscht sind. „Ein wirklich gutes Team“, dankt er seinem Stellvertreter Jürgen Aumüller, Schriftführer Josef Runden und Kassenwart Dr. Alexander Grafe. Schießobmann ist Christian Hatke, Bläserobmann Arnold Aumüller und Hundeobmann Christoph Bünger. Auch mit ihnen steht er vorwiegend übers Handy in Kontakt und bedauert es ebenso wie alle Mitglieder sehr, dass die Versammlungen, Aktionen, Feiern und Fahrten wegfallen.

Stattdessen besprechen die Waidleute beispielsweise die Novellierung des Bundesjagdgesetzes mit dem angestrebten Ausgleich zwischen Wald und Wild und „kämpfen um jeden Quadratmeter, den wir für die Natur bekommen können“, sagt Hempen.

Der Hasen-Nachwuchs tummelt sich bereits auf den Feldern und der Böseler hofft erneut auf eine stattliche Anzahl. Die Ricken sind dagegen bis auf wenige Ausnahmen noch tragend und werden zum Teil vom Kitz des Vorjahres begleitet. Hochbeschlagen dulden die Mütter das Junge jedoch nicht mehr in ihrer Nähe: „Es wird gnadenlos verjagt“ und muss auf eigenen Beinen stehen. Dass die Geflügelgrippe den Fasanen nicht den Garaus macht, sei wünschenswert und in Sachen Nutria gilt es für die Jäger, „sie immer noch intensiv zu bekämpfen, weil sie hohe Schäden anrichten“, betont der Hegeringleiter, der grundsätzlich für eine klare Meinung steht und „keine Angst vor Konfrontation“ hat.

Hobby ist auch verantwortungsvolle Aufgabe

Schwieriges Thema: der Wolf. „Er polarisiert und die Debatte wird vielfach emotional statt fair geführt“, so Hempen. Die Jägerschaft sei auch nicht grundsätzlich gegen seinen Schutz, aber eine Regulierung sei sinnvoll, um ihn im Einzelfall bejagen zu können.

Wissen, was man tut und worüber man spricht, gehört für den Vertriebsingenieur und verheirateten Vater von 2 Töchtern beruflich wie privat zur Maxime. Bezogen auf sein traditionsreiches Hobby, das er gleichzeitig als verantwortungsvolle Aufgabe einstuft, hält der erfahrene Jäger eine fundierte Ausbildung für unabdingbar. Und sie erfordere Zeit und selbst mit dem Jagdschein in der Tasche zu Beginn einen Mentor. „Gleich drauf los und dabei immer die richtige Entscheidung treffen, funktioniert meiner Ansicht nach nicht, um gewissenhaft zu sein.“

Wenn Dominik Hempen mit Drahthaar-Hündin „Locke“ und einem erlegten Tier nach Hause kommt, kann er es auch komplett selbst zubereiten. Im Sommer gerne auf dem Grill mit Kartoffeln aus dem Backofen „und ein ordentliches Bier dazu“.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Kein Stubenarrest für Jäger – die Waidmänner sind systemrelevant - OM online