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Kein Geld mehr für Sprach-Kitas: So reagiert Leiterin Monika Nienaber auf den Ampel-Entscheid

Die Leiterin des Garreler Barbara-Kindergartens hat kein Verständnis für das Ende des Bundesprogramms "Sprach-Kitas". Vor allem kritisiert sie den jetzt gewählten Zeitpunkt.

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"Wir legen gerade eine Vollbremsung hin", sagt Monika Nienaber über das Aus für "Sprach-Kitas". Foto: Barbara Kindergarten Garrel

"Wir legen gerade eine Vollbremsung hin", sagt Monika Nienaber über das Aus für "Sprach-Kitas". Foto: Barbara Kindergarten Garrel

"Wir legen gerade eine Vollbremsung hin", sagt Monika Nienaber, Leiterin des Garreler Barbara-Kindergartens. Hintergrund ihrer Aussage: Die Ampel-Koalition hat klargestellt, dass der aktuelle Entwurf des Bundeshaushalts 2023 keine weiteren Mittel für das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ bereitstellt.

Seit 2016 konnten Kitas mit einem hohen Anteil an förderbedürftigen Kindern daraus bislang 25.000 Euro pro Jahr für eine zusätzliche halbe Fachkraft beantragen, die dabei hilft, die „alltagsintegrierte sprachliche Bildung“ in der Kindertagesbetreuung zu etablieren. Jetzt läuft das Programm zum Ende des Jahres aus. Die Regierung verweist auf das sogenannte Gute-Kita-Gesetz; die Zuständigkeit im Bereich der Kindertagesbetreuung liege demnach jetzt bei den Ländern. Von dieser Entscheidung betroffen ist auch der Barbara-Kindergarten.

Jede Sprach-Kita büßt eine halbe Fachkraft ein

"Das passiert zu einem Zeitpunkt, der schlechter nicht hätte gewählt sein können. Es kommen ukrainische Kinder in unsere Einrichtung, die beim Erlernen der deutschen Sprache entsprechend betreut werden müssen. Hinzu kommt, dass die langen Schließungszeiten während des Corona-Lockdowns auch nicht förderlich für die Sprachbildung und -förderung der Kinder war. Wir haben einen sehr hohen Nachholbedarf", betont Nienaber. Das Bundesprogramm sei zudem so wichtig und wertvoll, weil es inhaltliche Schwerpunkte verbinde: alltagsintegrierte sprachliche Bildung, inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit Familien.

"Jede Sprach-Kita büßt nun eine halbe Fachkraft ein", erklärt Nienaber. Viele Sprachfachkräfte hätten sich jetzt schon im Sommer nach einer anderen Stelle umgesehen, weil die Planungssicherheit bereits seit Dezember gefehlt habe. "Ich bedauere dies sehr", sagt die Kita-Leiterin und ergänzt: "Wir haben von dem Programm sehr profitiert. Sprache ist tatsächlich der Schlüssel zur Welt. Und deshalb ist es wichtig, dass die Kinder schon in der Kita ermutigt werden, viel zu sprechen und sich mithilfe der Sprache eine neue Welt zu eröffnen.“

"Ohne gute Deutschkenntnisse haben Kinder schon bei ihrer Einschulung Nachteile, die sie später nur schwer aufholen können."Monika Nienaber

Ulla Hilgefort, Fachberaterin der Sprach-Kitas beim Bildungswerk, appelliert an alle Träger, dauerhaft eine Sprachfachkraft einzustellen. "Die Stellen dürfen nicht wegfallen. Die frühe Förderung und das gründliche Erlernen der deutschen Sprache sind für Kinder absolut notwendige Voraussetzungen für den späteren Bildungserfolg. Aus diesem Grund müssen wir so früh wie möglich in den Kitas ansetzen und das richtige Sprachbildungszeitfenster nutzen", sagt Hilgefort. "Ein gutes Fundament sorgt für den nötigen Halt, den Kinder für ihre Zukunft brauchen, ohne gute Deutschkenntnisse haben Kinder schon bei ihrer Einschulung Nachteile, die sie später nur schwer aufholen können", ist sich auch Nienaber sicher.

Der Barbara-Kindergarten biete den Kindern zahlreiche Möglichkeiten, alltagsintegriert und spielerisch die deutsche Sprache zu lernen. Eine große Bücherei mit Vorlese-Ecken, ein Kaufmannsladen, eine Apotheke, eine Arztpraxis, eine Küche, Tische wie in einem Restaurant: In der Einrichtung wurden vielseitige Räume konzipiert, die zur Kommunikation motivieren. "Wir nutzen Alltagssituationen, um die Jungen und Mädchen zum Sprechen zu animieren, etwa wenn im Kaufmannsladen Lebensmittel verkauft werden oder Stofftiere mit einer gebrochenen Pfote in die Tierarztpraxis kommen. Eine individuelle Beobachtung und Dokumentation sind die Basis", erklärt Monika Nienaber.

Alltagssituation: Während des Einkaufens kommen die Kinder ins Gespräch. Foto: HoffAlltagssituation: Während des "Einkaufens" kommen die Kinder ins Gespräch. Foto: Hoff

Kinder wissen nicht, dass sie gefördert werden

Jedes Kind werde ermutigt, sich mitzuteilen und bekomme vielfältig die Gelegenheit, sich sprachlich auszuprobieren, seine Bedürfnisse zu äußern, Beziehungen aufzubauen und das Miteinander zu gestalten.  "Bei diesem spielerischen Lernen merken die Jungen und Mädchen gar nicht, ob sie von uns sprachlich gefördert oder nur begleitet werden. So vermeiden wir auch Stigmatisierungen", so Nienaber.

Eine große Rolle spielten auch die inklusive Pädagogik und die Zusammenarbeit mit den Eltern: "Unsere Kita ist bunt mit unterschiedlichen Sprachen, Kulturen, Interessen und Begabungen." Die Vielfalt und die Verschiedenheit seien eine Bereicherung, ebenso die Zusammenarbeit mit den Eltern, weswegen gegenseitiges Vertrauen und ein wertschätzender Umgang besonders wichtig seien, um Kinder ganzheitlich in ihrer Sprachentwicklung abzuholen, zu begleiten und zu fördern.

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