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Kein einheitliches Bild bei Luftfiltern in Schulen und Kitas

Zustimmung, Ablehnung, abwarten – die Kommunen im Landkreis Vechta gehen unterschiedlich vor. Eltern und der Lehrerverband VBE drängen derweil weiter auf Filter – zumindest auf mobile Geräte.

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Alternative zur fest eingebauten Anlage: der mobile Luftfilter im Klassenraum.    Foto: dpa

Alternative zur fest eingebauten Anlage: der mobile Luftfilter im Klassenraum.    Foto: dpa

Sie sorgen für einen besseren Schutz in Schulen und Kitas vor einem Corona-Ausbruch: Luftfilter. Um sie zu beschaffen, gibt es eine satte staatliche Förderung von 80 Prozent der Kosten für Räume mit Kindern im Alter bis zu 12 Jahren. Die Höchstförderung liegt bei 500.000 Euro. Elternvertreter sowie Lehrerverbände hatten schon zu Beginn der Pandemie darauf gedrängt, Luftfilter gegen das Virus einzusetzen.

Sah es im Frühsommer danach aus, dass auch die Kommunen vor Ort insbesondere auf den Einbau Raumlufttechnischer Anlagen (RLT-Anlagen) setzen, zeigt sich nun ein anderes Bild. Statt der gewohnten Einheitlichkeit gibt es ein Mosaik bei dem Thema. Nur manche der Städte und Gemeinden lassen als Träger RLT-Anlagen einbauen, andere zum Teil oder gar nicht.

Kehrtwende beim Landkreis Vechta

Eine deutliche Kehrtwende gab es beim Landkreis Vechta, in dessen Trägerschaft die Gymnasien in Vechta (Antonianum), Lohne und Damme sowie die Elisabethschule (Förderschule) mit ihren zwei Standorten in Vechta und Lohne sind. Für jedes der Schulgebäude lag zwar schon eine Förderzusage von bis zu 2,5 Millionen Euro vor, wobei der Eigenanteil des Kreises auf weitere 1,4 Millionen Euro wegen der Planungskosten beziffert wurde, aber der Schulausschuss sagte in seiner jüngsten Sitzung „Nein“.

Das Verhältnis von Kosten und Nutzen stimme nicht – so der Tenor. Auch diese Argumente wurden geäußert: Die Lautstärke der Anlagen sei problematisch oder ungewiss. Es gebe Folgekosten, etwa für die Wartung. Handwerker seien aktuell schwer verfügbar. Und bis alles installiert sei, seien die meisten Kinder und Jugendlichen ohnehin schon geimpft. Außerdem: Die Anordnung des Kultusministeriums, alle 20 Minuten im Klassenzimmer die Fenster für 5 Minuten zu öffnen, gelte ja auch bei vorhandenen Luftfiltern.

Sehr ähnlich lauteten kürzlich im Rat der Stadt Damme die Gründe für die Absage an Luftfilteranlagen. Auch, dass einige Räume wohl ungeeignet für den Einbau von RLT-Anlagen seien, wurde angeführt. Damme will aber CO2-Ampeln in Klassenräumen einführen.

Kreiselternratsvorsitzende fordert mobile Geräte

Was sagen die Elternvertreter zu dieser Entwicklung? Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Entscheidung des Schulausschusses des Kreistags nachvollziehbar, erklärte Gerald Eisenkopf, Vorsitzender des Schulelternrats am Gymnasium Antonianum (GAV). Er monierte aber, dass die Politik im Bund sehr spät reagiert und den Kommunen Fördermittel bereitgestellt habe.

Bereits vor einem Jahr hätte sich die Regierung in Berlin bewegen müssen, sagte Eisenkopf. Der GAV-Förderverein habe schon sehr früh die Idee gehabt, Filtergeräte anzuschaffen und Gespräche mit dem Landkreis geführt. Mobile Gräte habe die Verwaltung abgelehnt.

Melanie Schockemöhle, Kreiselternratsvorsitzende, führt ebenso an, dass es inzwischen eine arge Verzögerung beim Thema Luftfilterung in Schulen gebe. Deshalb sagte sie mit Blick auf die Maskenpflicht in Schulen sowie die Teststrategie: „Seitens der Elternschaft ist das abgefrühstückt.“

Trennwände aus Glas sollen Schutz erhöhen

Sie verstehe auch nicht, warum die RLT-Anlagen so sehr im Fokus seien. Sie selbst sei „eine Fürsprecherin für mobile Geräte“. Sie plädiert zusätzlich für Trennwände aus Glas zwischen Schülern als zusätzlichen Schutz vor dem Coronavirus.

Kritisch sieht sie auf das Ausweichen auf CO2-Ampeln. Die würden nämlich nur anzeigen, dass der Kohlendioxid-Gehalt im Raum zu hoch sei – und nichts über die Virenlast aussagen. Außerdem würden diese CO2-Ampeln die Schüler ablenken und für Verunsicherung sorgen.

Auf die Anschaffung von Luftfiltern drängt derweil der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Franz-Josef Meyer aus Langförden. Schulen seien bei Lockerungen von Corona-Maßnahmen immer erst am Ende dran, stellte er heraus. Und: Auf Masken im Unterricht zu setzen, sei nur eine „Scheinsicherheit“. Wenn schon keine RLT-Anlage eingebaut werde, dann seien mobile Geräte durchaus eine Alternative.

Bildungsverband: Politiker sollen nicht Gerüchten nachlaufen

Er empfehle Politikern, sich einen Eindruck in Schulen zu verschaffen, die diesen Weg gehen. Das Argument einer zu hohen Lautstärke könne er nicht nachvollziehen. Das sei eine Frage des Modells. Er kenne Schulen, die sehr zufrieden mit den mobilen Lüftern seien. Es dürfe nicht sein, dass Entscheidungsträger „Gerüchten nachlaufen“. Das Geld für Lüfter – ob fest oder mobil – stehe bereit, aber die Kommunen würden zögern, monierte Meyer. Dabei sei der Nutzen anerkannt – beim Schutz vor Viren jeglicher Art. Der nächste Winter stehe vor der Tür, mahnte Meyer.

Ein „Ja“ zu fest installierten Luftfiltern gibt es derweil in Dinklage, Holdorf, Steinfeld und Vechta. In anderen Kommunen läuft noch die Prüfungsphase. Dazu gehört Bakum. Doch sagt Bürgermeister Tobias Averbeck auch: Man sei „eher zurückhaltend“, was den Einbau von RLT-Anlagen angeht, weil es „ausreichend Lüftungsmöglichkeiten“ gebe – per Fenster.

Außerdem sei die Grundschule Lüsche schon vor der Corona-Pandemie „durchsaniert“ worden. Da sei es nun schwierig, RLT-Anlagen einzubauen, und zwar wegen des Brandschutzes. Denn das zusätzliche Geschoss sei in Holzrahmenbauweise aufgesetzt worden.

Goldenstedt will erst Kostenübersicht

Fördermittel seien deshalb auch noch nicht beantragt und keine Ratsbeschlüsse herbeigeführt worden, sagte Averbeck. Er verwies auch darauf, dass der Architekt der Gemeindeverwaltung vom Einbau von RLT-Anlagen grundsätzlich wegen des Brandschutzes und zur Sicherheit bei der Statik abgeraten habe. Allerdings sei denkbar, mobile Filteranlagen anzuschaffen, etwa in 2 Gruppenräumen der Grundschule Bakum.

Die Oberschule wiederum verfüge über sehr große Fensterflächen. Mit Blick auf die Kitas erklärte Averbeck, dass er hier „wenig Sinn“ im Einbau von RLT-Anlagen sehe, da die Kinder viel agiler seien, sich nicht wie Schüler an einem Sitzplatz befinden würden.

Die Gemeinde Goldenstedt hat einen Planer beauftragt, um Schulen und Kitas darauf zu prüfen, inwieweit die Anbringung von RLT-Anlagen aufgrund der Bausubstanz möglich ist. Dann folge eine Abwägung zwischen Kosten und Nutzen, sagte Gemeindesprecher Steffen Boning. Die werde den Einrichtungen vorgelegt und der Politik.

Die Gemeinde habe sich allerdings entschlossen, „nicht ins Blaue hinein“ Anträge auf Förderung zu stellen. Erst, wenn die Ausgaben festsehen und Beschlüsse vorliegen, soll das geschehen. Bis Jahresende sei das möglich.

Visbek hält Luftfilter für eine gute Sache

Visbeks Bürgermeister Gerd Meyer sagte: „Wir sind grundsätzlich der Auffassung, dass eine Luftfilteranlage eine gute Sache ist“. Das sage er auch mit Blick auf die Vorteile, die es zusätzlich zum Schutz vor dem Corona-Virus gebe. Dazu gehört die Luftqualität im Raum.

Die Gemeinde Visbek war die schnellste im gesamten Landkreis bei der Beantragung von Fördermitteln – und hatte sehr zügig Bewilligungsbescheide vom Bund für eine 80-prozentige Förderung beim Einbau von RLT-Anlagen erhalten. Das Gesamtvolumen der Zuwendungen beläuft sich auf 724.000 Euro. Bürgermeister Meyer erklärte, ein Planer sei derzeit dabei, die Gebäude zu prüfen, um herauszufinden, was genau möglich sei, wenn es mit den RLT-Anlagen auch Zu- und Abluft geben soll.

Bürgermeister Meyer will Bund zu Fristverlängerung bewegen

Meyer hofft auf erste Ergebnisse in der übernächsten Woche. Dann befasse sich der Gemeinderat mit den Vorschlägen des Planers. Deshalb sei derzeit der Umfang der Installation von Filtern und auch inwieweit die vorab sichergestellten Fördermittel verwendet werden, noch unklar.

Rathauschef Meyer betonte auch: Es stelle sich die Frage, ob auf dem Markt derzeit genügend Geräte verfügbar seien. Der Bund aber habe eine Frist gesetzt, bis zu der die Installation der Anlagen vorgenommen sein muss, damit die Fördermittel tatsächlich genutzt werden können. Und zwar 12 Monate nach der Antragstellung. Meyer regte an, dass sich die Kommunen vor Ort, die sich für RLT-Anlagen entschieden haben, noch einmal an den Bund wenden sollte, um eine Verlängerung der Frist zu erreichen.

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