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Kein Arbeitseinsatz ohne Klönschnack

Eine Gruppe von knapp 50 Männern kümmert sich darum, dass auf dem Emsteker Friedhof Hecken geschnitten und Laub gefegt wird. Verstärkung ist jederzeit willkommen.

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Goldener Herbst: Noch ein paar Wochen wird das Laubharken die wichtigste Aufgabe auf dem Friedhof sein. Foto: Thomas Vorwerk

Goldener Herbst: Noch ein paar Wochen wird das Laubharken die wichtigste Aufgabe auf dem Friedhof sein. Foto: Thomas Vorwerk

Strahlend in gelb und orange hebt sich der Ahorn vom stahlblauen Himmel ab. Schöner könnte der Herbst seine Farben nicht malen, doch was auf der einen Seite den Menschen erfreut, bedeutet auf der anderen Seite eine Menge Arbeit. Auf dem Friedhof in Emstek wird diese von einer großen Gruppe Freiwilliger erledigt.

"Wir sind circa 45 bis 50 Helfer", sagt Helmut Niemöller, selber erst seit drei Jahren mit dabei. Er ist 59 Jahre alt, das Durchschnittsalter aber liegt deutlich höher. "Eher 80 als 75", sagt er mit einem Lachen. An diesem Nachmittag scheint eine jüngere Truppe aktiv zu sein und eines der Mitglieder ist erst seit wenigen Wochen im Team. Davon wünscht sich Niemöller noch mehr, denn Fakt ist: Niemand wird jünger und die Älteren haben schon den 85. Geburtstag hinter sich. Sie wissen alle, wie man mit einem Reisigbesen umgeht, nur wird der mit den Jahren immer schwerer. 

Niemand wird überfordert. Zwei bis drei Stunden sind es, die freitags anfallen. Aber nicht jeden Freitag. "Anfang des Jahres, meistens im Februar, wird der Einsatzplan ausgegeben. Bei sechs Gruppen ist man alle sechs Wochen an der Reihe", zerstreut Niemöller Befürchtungen, man würde sich zu etwas verpflichten, das man nur schwer einhalten kann. Und von Akkordarbeit ist man ebenfalls weit entfernt. "Für Kaffee und einen Schnack muss immer die Zeit bleiben. Das ist genauso wichtig wie die ganze Arbeit", sagt Franz Büssing. 

Farbenprächtig: Der Ahorn wird noch eine Menge Arbeit bereiten. Foto: Thomas Vorwerk Farbenprächtig: Der Ahorn wird noch eine Menge Arbeit bereiten. Foto: Thomas Vorwerk 

Sein ganzes Berufsleben hatte er mit Maschinen vorwiegend aus der Landwirtschaft zu tun. Entsprechend kümmert Büssing sich auch um die Gerätschaften und sorgt dafür, dass es dem Spaten nicht an Schärfe mangelt. Andere bringen Rechen und Besen lieber von zu Hause mit. Mit vertrautem Werkzeug arbeitet es sich leichter.

Manchmal ist es aber mit Schippe und Schubkarre nicht getan. Wenn schwereres Gerät benötigt wird, dann finden sich auch dafür im Kreis der "Friedhofsrentner" Lösungen. Mit einem Frontlader ausgestattet rollt am Nachmittag noch ein Trecker heran, um den Grünschnitt in den Buchten zusammenzuschieben und Platz zu schaffen. Außer Laub und Unkraut finden sich dort allerdings auch komplette Grabgestecke und sogar Baumstubben wieder, die dort entsorgt werden, anstatt sie richtig zu sortieren. Früher gab es Landwirte, die den Grünabfall abgenommen haben und ihn auf ihren Feldern ausbrachten. Wenn Plastik und Drähte dazwischen sind, will das aber kein Bauer haben und so ist eine kostenpflichtige Abfuhr nötig.

Nicht verlängert: Die Grabnutzungszeit ist abgelaufen. Bis die Einheiten neu vergeben werden, kümmern sich die Freidhofsrentner um die Flächen. Foto: Thomas VorwerkNicht verlängert: Die Grabnutzungszeit ist abgelaufen. Bis die Einheiten neu vergeben werden, kümmern sich die "Freidhofsrentner" um die Flächen. Foto: Thomas Vorwerk

Doch nicht nur im Herbst sind die fleißigen Helfer im Einsatz. Schon im April geht es los und zu tun ist immer. Das liegt auch daran, dass sie sich um aufgelassene Gräber kümmern. Mittlerweile gibt es zahlreiche ehemalige Familiengrabstätten, die für sechs oder sogar acht Bestattungen ausgelegt sind und deren Nutzungsrecht nach Ablauf von 25 Jahren nicht weiter verlängert wird. Die Nachfrage ist nicht mehr so groß, zumal es in Emstek seit einiger Zeit auch Urnenbestattungen gibt. Der Minibagger kommt zum Einsatz, um die Sträucher zu entfernen und wenn nötig, wird Mutterboden aufgefüllt. Damit dort das Unkraut nicht sprießt, muss regelmäßig durchgeharkt werden.

Johannes ist der Stichtag, ab dem die Hecken gestutzt werden. Radikale Schnitte sind dann nicht erlaubt, doch der Formschnitt muss sein. "Dafür hat sich ein Trupp mit Gartenarbeitern aus allen sechs Gruppen zusammengefunden und wenn der 24. Juni naht, dann wissen sie um ihren Einsatz", berichtet Helmut Niemöller. Vier bis sechs Vormittage sind sie dann im Einsatz und haben viele Meter Gehölz vor sich.

Seit 20 Jahren geschieht diese Arbeit auf freiwilliger Basis. Pfarrer Aloys Hülsmann war es seinerzeit, der einen Aufruf startete und Gehör fand. Von den "Gründungsmitgliedern" sind heute noch einige Männer aktiv. Wer neu dazustoßen möchte, der kann sich an Helmut Niemöller unter 01749758249 wenden. Neben guter Gesellschaft und ein wenig Arbeit an der frischen Luft erwartet einen dort einmal im Jahr auch ein gemeinsames Grillen. Der Termin steht noch nicht und auch ein Grillmeister ist noch nicht gefunden. Niemöller: "Der wäre aber schön. Wir wollen ja Zeit zum Klönen haben." 

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