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Kartz von Kameke züchtet Kartoffel-Juwel und gründet Moorgut Kartzfehn

In den 20er Jahren gelang dem Gutsbesitzer mit der Sorte "Parnassia" der Durchbruch. Die Knolle war widerstandsfähig gegen die Kartoffelfäule. 1921 gründete er zudem das Moorgut Kartzfehn.

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Benannt nach dem Firmengründer: die Kartz-von-Kameke-Allee. Foto: Martin Pille

Benannt nach dem Firmengründer: die Kartz-von-Kameke-Allee. Foto: Martin Pille

Durch das Moorgut Kartzfehn in Norden Bösels verläuft eine Allee quer durch das Betriebs-Anwesen. Sie ist benannt nach Kartz von Kameke (1866 - 1942) aus Streckenthin (heute Strzekęcino, Kreis Köslin in Pommern), dem Familien-Stammsitz, ein Besitz von rund 6.000 Hektar, davon zwei Drittel landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Kartz von Kameke entstammte dem uralten pommerschen Adelsgeschlecht von Kameke. 1921 erwarb Kartz von Kameke im Böseler Moor 650 Hektar Moorfläche, dort, wo sich heute das Moorgut erstreckt. Als 31-jähriger übernahm er bereits bei mehreren Familiengütern die Betriebsführung. Er begründete die Kartoffelzucht in Hinterpommern, die er systematisch betrieb und machte diese Region zum "gelobten Land" der Kartoffelzüchtung.

Er erlangte bald nationale Bedeutung, denn auf ihn geht die Zucht der Kartoffelsorte "Parnassia" zurück, die zeitweilig 30 Prozent der Kartoffelanbaufläche in Deutschland einnahm. Der Durchbruch zum „Kartoffel-Juwel“ war der sogenannte "Steckrübenwinter" im Ersten Weltkrieg, als andere Kartoffelsorten der Kartoffelfäule zum Opfer fielen, während seine Sorte eine besonders hohe Kartoffelfäuleresistenz und einen extrem hohen Stärkegehalt aufwies. Der Betrieb Kartz von Kameke-Streckenthin belieferte in den 1920er Jahren etwa 56 Prozent der Kartoffelanbauflächen des Deutschen Reichs mit seinem Saatgut.

Kartz von Kameke. Foto: Archiv PilleKartz von Kameke. Foto: Archiv Pille

Die Moorflächen in der Gemeinde Bösel kaufte Kartz von Kameke, weil Fachleute damals der Ansicht waren, dass sich Moorböden besonders für den Kartoffelbau eignen. In der Folge prägte das Moorgut Kartzfehn die Gemeinde Bösel und nachhaltig bis heute deren Ortschaft Peterdorf. Kurz nach dem Erwerb begann man damit, die Vorfluter zu bauen um Flächen trocken zu legen. Das lag in den Händen von Christian Lanwer aus Scharrel. Bereits 1924 entstanden die ersten Nutzflächen. Nach 10 Jahren standen 270 Hektar zu Verfügung. Neben Milchvieh- und Rinderhaltung begann man auch hier mit dem Kartoffelanbau.

An seinem 70. Geburtstag übergab der Seniorchef 1936 die Geschäfte an Dobimar, den jüngsten seiner 4 Söhne. Mitten im Krieg, 1942, starb Kartz von Kameke. Mit Pferd und Wagen zog die Familie samt vielen Betriebsangehörigen gen Westen. Ziel des Trecks war das Moorgut Kartzfehn in Bösel.

1949 hatte Dobimar von Kameke in Amerika die Putenzucht kennengelernt. 8 Jahre später begann unter der Federführung von Mortimer von Kessel die Erfolgsgeschichte der Kartz­fehner Putenzucht. Späterer Betriebsleiter war Peter von Kameke, der 2019 starb. Die Familie von Kameke übertrug 2020 ihre Aktivitäten im Bereich der Putenvermehrung und verkaufte ihre Anteile an der Moorgut Kartzfehn von Kameke GmbH & Co. KG an die Unternehmerfamilie Storck aus Garrel.

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