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Kartoffeltag in Goldenstedt: Alles rund um die Knolle

Mehr als 120 Besucher kamen. Die Referenten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen präsentierten ihnen die Ergebnisse ihrer Feldversuche.

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Mit Propangas gegen das oberirdische Kraut der Kartoffel. Mit einer Spannweite von neun Metern ist die Maschine von Alfred Luhmann breiter als andere Geräte. Foto: Heinzel

Mit Propangas gegen das oberirdische Kraut der Kartoffel. Mit einer Spannweite von neun Metern ist die Maschine von Alfred Luhmann breiter als andere Geräte. Foto: Heinzel

Fontane, Prince, Napoleon, Verdi, Poseidon, Ikarus oder Beyonce: Das sind nicht nur die Namen von Persönlichkeiten oder Sagenfiguren, sondern auch die von Kartoffelsorten. Genauer gesagt heißen so "Veredlungskartoffeln", welche zu Pommes, Chips oder Salaten verarbeitet werden. Und um diese ging es beim Kartoffeltag 2021 der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung von den Bezirksstellen Oldenburg-Süd und Nienburg. Über 120 Besucher – zumeist selbst Agrarexperten – zog es zu dem knapp 4-stündigen Event auf ein 4 Hektar großes Gelände in der Gemeinde Goldenstedt.

An 5 Stationen konnten sich Besucher wie Heinrich Heimsoth aus Hassel informieren. Der Landwirt schätzt die Veranstaltung, die sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt habe, erzählt er. Man könne prima von den Erfahrungen der Landwirtschaftskammer profitieren und gleichzeitig mit anderen Vertretern der Branche schnacken, denn die „Kartoffelindustrie ist in Südoldenburg zu Hause“.

Das Prinzip des Events: Heimsoth und die anderen Gäste bekamen einen Hefter ausgehändigt, in welchem die Versuche dokumentiert sind. Die einzelnen Erkenntnisse und Ergebnisse trugen die Referenten der Landwirtschaftskammer zusätzlich an 5 einzelnen Stationen vor.

„Es ist interessant, was bereits durch Züchtung alles möglich ist.“Tobias Jöring, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

An Station 1 etwa drehte sich alles um die Bekämpfung von Pilzkrankheiten wie etwa der Krautfäule und um dem Einsatz von Fungiziden. Denn: Die Krautfäule sei die „wirtschaftlich bedeutendste Krankheit“, sagte Dr. Josef Kuhlmann, der Leiter der Fachgruppe Pflanzen bei der Bezirksstelle Oldenburg-Süd. 

Die Referenten von Station 1: Tobias Jöring und Dirk Mußmann. Sie teilten sich hier den Vortrag. "Es ist interessant, was bereits durch Züchtung alles möglich ist“, betonte Jöring.

Erklärt wurden unter anderem Methoden zur Bekämpfung der Blattkrankheit Alternaria. Anschließend erläuterte Dirk Mußmann Versuche mit Mitteln gegen Krautfäule. Das Ergebnis bei einem der Versuche sei enttäuschend gewesen. Das Mittel sei nicht regenfest. Sicher, der Versuchsaufbau komme so auf dem Feld nicht vor. Aber: Die Erfahrungswerte seien wichtig, versicherten die Experten.

Klaus Sandbrink erläutert die Versuchsergebnisse.
Foto: Heinzel
Einfärbungen im Knollenfleisch lassen nichts gutes ahnen.
Foto: Heinzel
Über 120 Besucher zog es auf das vier Hektar große Versuchsfeld in Goldenstedt.
Foto: Heinzel
Insgesamt an fünf Stationen wurden die Ergebnisse auf dem Gelände in Goldenstedt erklärt.
Foto: Heinzel
Mit entzündetem Propangas wird dem Kraut auf den Leib gerückt.
Foto: Heinzel
Maschinenvorführung im Versuchsfeld.
Foto: Heinzel
Noch ist nicht viel zu sehen.
Foto: Heinzel
Bereits nach wenigen Minuten sind die ersten Auswirkungen zu sehen. Den vollen Effekt sehe man nach drei bis vier Tagen meint Klaus Sandbrink.
Foto: Heinzel
Die Instrumente des Krautschlegels.
Foto: Heinzel
Mit bis zu 1000 Umdrehungen pro Minute rotieren die Schlegel während der Fahrt.
Foto: Heinzel
20 Zentimeter über dem Boden wird das Kraut abgeschnitten. 
Foto: Heinzel
Das abgeschnittene Kraut landet zwischen den Kartoffeldämmen.
Foto: Heinzel

Station 2 beschäftigte sich mit der Schale der Kartoffel, während sich bei der 3. Station alles um die Unterbrechung der sogenannten „Grünen Brücke“ drehte. Sprich: Die auf einem geernteten Feld liegen gebliebene Kartoffeln können später zum Problem werden. Sie werden zum Unkraut oder zur Nahrungskonkurrenz für die Folgepflanze, lernte der Laie. Daneben könnten diese Kartoffeln Krankheiten übertragen. Daher sollten auf einem Feld nicht zweimal hintereinander Kartoffeln angepflanzt werden, sondern stets eine Pause dazwischen liegen.

Die folgenden Stationen 4 und 5 informierten über die einzelnen Sorten, ihre Resistenzen und Eigenschaften sowie die Düngung der Pflanze. Klaus Sandbrink trug hier die Ergebnisse vor, die den Laien stauen lassen. Die Sorte „Prince“ etwa sei wunderbar weiß. „Für McDonalds-Kunden ein Traum.“ „Pallace“ indes weise „Einfärbungen im Knollenfleisch“ auf. Das, erfuhr der unkundige Konsument, sei nicht gut. Auch bei den Sorten für die Chipsproduktion gab es Ausreißer. Bei der „Lady Rosetta“ zum Beispiel deuteten sich Qualitätsprobleme an. Allerdings habe man in feuchten Jahren immer ein gewisses Problem mit der Hohlherzigkeit der Kartoffel.

Die hohlherzige Lady Rosetta. Foto: HeinzelDie hohlherzige "Lady Rosetta". Foto: Heinzel

Knapp eine halbe Stunde Zeit war pro Station eingeplant. Nachdem alle Besucher die 5 Stationen durchlaufen hatten, folgten 2 Maschinenvorführungen. Zunächst kam die Maschine von Alfred Luhmann zum Einsatz. Der 82-Jährige hat nach eigenen Angaben 2 Jahre an seiner Erfindung gebastelt: Die Neuheit seines thermischen Krautvernichters ist die Breite von knapp 9 Metern. Das Gerät zerstört mittels entzündetem Propangas das Kraut der Kartoffel.

Eine andere Möglichkeit ist der Krautschlegel. Er funktioniert mechanisch. Mit bis zu 1000 Umdrehungen pro Minute bearbeitet er das Kraut oberirdisch und schneidet die Reste etwa 20 Zentimeter über dem Boden ab.

Doch wozu der Aufwand, fragt der Laie. Hintergrund ist das Verbot des Mittels Reglone; es war lange das gängige Produkt, um das Kartoffelkraut absterben zu lassen. Das erleichtert die Ernte und macht die Schale um die Knolle fester. Nun sei die Landwirtschaft auf der Suche nach Alternativen. Die Untersuchungen laufen; nicht nur in Goldenstedt.

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