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Karpfen ziehen ins Winterquartier um

20 bis 30 Tonnen Fische werden in diesen Tagen aus den Ahlhorner Fischteichen geholt. Einige gehen in den Verkauf, andere überwintern bei der Teichwirtschaft.

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Viele Zuschauer haben die Mitarbeiter der Teichwirtschaft während der beiden geführten Touren. Für Erwachsene wie Kinder ist es ein eindrucksvolles Erlebnis. Foto: Vorwerk

Viele Zuschauer haben die Mitarbeiter der Teichwirtschaft während der beiden geführten Touren. Für Erwachsene wie Kinder ist es ein eindrucksvolles Erlebnis. Foto: Vorwerk

Für Grau- und Silberreiher sind diese Tage wie Weihnachten und Ostern zusammen. Wenn die Mitarbeiter der Teichwirtschaft in Halen zum Abfischen anrücken, dann bleibt auch für die gefiederten Kameraden ein reich gedecktes Büfett an den abgelassenen Teichen übrig. Die meisten Karpfen aber werden mit den Netzen gefischt, in große Wasserbottiche verfrachtet und in ihr Winterquartier gebracht. Ein großes Spektakel, das bei den Gästeführern stets für schnell ausgebuchte Touren sorgt.

2 Termine gibt es in jedem Jahr für Besucher, am Dienstag blickte Gästeführerin Christa Thöle einmal mehr in erwartungsvolle Gesichter. Viele Erwachsene waren gekommen, aber auch einige Kinder, die sehen wollten, wie die bis zu 4 Jahre alten Tiere aus den Teichen geholt werden, damit sie in dem flachen Gewässer nicht erfrieren. 20 bis 30 Tonnen sind es, die den Umzug mitmachen. Viele gehen in den Verkauf, die kleineren landen in den Winterbecken. Besonders gut geratene Exemplare werden für die Nachzucht auserkoren. "Wir haben hier annähernd ein geschlossenes System", informierte Forstamtsleiterin Regina Dörrie, die zufällig zur Gruppe gestoßen war. 

Mahlzeit: Der Graureiher hat einen Fang gemacht und schluckt ihn am Stück herunter. Foto: VorwerkMahlzeit: Der Graureiher hat einen Fang gemacht und schluckt ihn am Stück herunter. Foto: Vorwerk

Nicht alle Tiere sind unmittelbar für den Verzehr bestimmt. "50 Prozent gehen an Angel- und Fischereivereine", wusste Gästeführerin Thöle zu berichten. Sie erklärte auch, warum es überhaupt die Teichwirtschaft an der Grenze zwischen den Landkreises Oldenburg und Cloppenburg gibt. Der Großherzog von Oldenburg hatte die Idee für eine Teichwirtschaft, die heute die einzige staatliche ihrer Art in Niedersachsen ist. Sein Sohn war es aber erst, der sich an die Verwirklichung machte. Und so wurden zwischen den Jahren 1906 und 1929 mit einer Wasserfläche von 200 Hektar 54 Teiche angelegt. Sie sind somit zwar nicht natürlich entstanden, stehen aber dennoch seit 1993 unter Naturschutz.

Elegant landet der Silberreiher am Ufer. Foto: VorwerkElegant landet der Silberreiher am Ufer. Foto: Vorwerk

Viel Handarbeit war nötig, um die einzelnen Becken anzulegen. Neben Tagelöhnern griff man dabei auch auf Gefangene aus Vechta zurück und es kamen auch Kriegsgefangene aus dem Ersten Weltkrieg zum Einsatz. Das Areal erwies sich als ideal, denn zum einen gab es die Lethe als Zufluss, zum anderen hat das Gebiet ein natürliches Gefälle von 15 Metern zwischen Ein- und Auslauf. Über 4 Staustufen wird der Zufluss zu den einzelnen Reservoirs geregelt. Von den ehemals 54 Teichen sind heute noch 32 übrig geblieben. Hinzu kommt die Forellenzucht, die in eigenen Becken erfolgt.

Dafür werden die Eier eingekauft, die Karpfen hingegen stammen aus der eigenen Vermehrung. Sie laichen nur unter besonderen Bedingungen, was Wassertiefe und -temperatur sowie die Bodenbeschaffenheit mit Gras betrifft. Dann aber ist jeder Fisch für mehrere Hunderttausend Eier verantwortlich, die nach dem Schlupf abgefischt und in die Teiche gesetzt werden.

Nitratbelastung der Lethe ist ein Problem

Die Nitratbelastung des Wassers durch den Zufluss stellt auch die Teichwirtschaft vor Probleme. Hinzu kommt, dass besonders in trockenen Jahren die Wassermenge kaum ausreicht und für die Forellananlage vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband in nicht unerheblicher Menge Wasser zugekauft werden muss. Wenn die Fische in den großen Teichen zugefüttert werden müssen, geschieht das von flachen Booten aus per Handarbeit. Genauso wie der herbstliche Umzug mit Muskelkraft erfolgt. "Bevor ein Fisch mit 4 Jahren in den Verkauf geht, ist er 3-mal von Hand umgesetzt worden", erklärte die Forstamtsleiterin.

Die Karpfen aus der eigenen Zucht bieten auch einen gewissen Schutz vor Krankheiten, da keine Tiere von außen eingetragen werden. Das ist auch ein Grund, warum im Baumweg das Angeln verboten ist. Mit den Ködern könnten Parasiten und andere nicht willkommene Gäste eingeschleppt werden. Ganz vermeiden lässt sich der Zuzug von außen allerdings nicht. Wasservögel transportieren Laiche an Beinen und Gefieder über größere Distanzen und so gibt es neben den Karpfen auch viele weitere Fische bis hin zum Hecht, der, wie die Reiher, einen reich gedeckten Tisch im Baumweg vorfindet.

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