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Karla aus Damme tanzt um den Titel bei der Hip-Hop-Weltmeisterschaft

Die 16 Jahre alte Schülerin mit Trisomie 21 reist nach Österreich, wo sich über 4000 Tänzer zu den Titelkämpfen treffen. Karla startet solo und im inklusiven Formationstanz.

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Alles klar für die Titelkämpfe: Karla Zobel tritt am Wochenende bei der Hip-Hop-Weltmeisterschaft im österreichischen Graz an. Seit 2 Jahren tanzt sie in Osnabrück.  Foto: Zobel

Alles klar für die Titelkämpfe: Karla Zobel tritt am Wochenende bei der Hip-Hop-Weltmeisterschaft im österreichischen Graz an. Seit 2 Jahren tanzt sie in Osnabrück.  Foto: Zobel

Gut 1000 Kilometer liegen noch zwischen Karla Zobel und einem möglichen Weltmeistertitel im Hip-Hop. Die 16 Jahre alte Dammerin, eine Jugendliche mit Trisomie 21 (Betroffene haben eine Chromosomenstörung, die durch ein zusätzliches Chromosom 21 hervorgerufen wird), gehört zu einer inklusiven Hip-Hop-Gruppe der Osnabrücker Tanzschule "Hull", die die früheren Profitänzer Patsy Hull und Michael Hull betreiben. Die meisten Mitglieder dieser Gruppe, die sich üblicherweise einmal in der Woche freitags für eine Stunde in den Hull-Räumen in Osnabrück treffen, nehmen an der Weltmeisterschaft im österreichischen Graz teil.

Mutter Stefanie drückt vor Ort die Daumen

Karla Zobel tritt bei den "IDO World-Hip-Hop Popping Championships" sowohl im Formationstanz als auch in der Einzelwertung auf. Ganz kräftig die Daumen drücken werden ihr dabei vor Ort ihre Mutter Stefanie, die ihre Tochter zu den Wettkämpfen begleitet, und zu Hause Vater Andreas und ihr Bruder Jarne.

Mutter und Tochter werden mit einem von Hull organisierten Bus nach Graz reisen. Mehr als 4000 Tänzerinnen und Tänzer, mit und ohne Handycap, gehen in Graz an den Start, darunter eben auch die inklusiven Gruppen.

Nach den Sommerferien standen 4 Trainingsstunden pro Woche an

Damit Karla und ihre anderen Mittänzerinnen und -tänzer sich in Österreich in Bestform präsentieren, haben sie sich seit dem Ende der Sommerferien intensiv auf den Auftritt vorbereitet. Statt einer Stunde standen insgesamt 4 Stunden Training pro Woche auf dem Programm. Karla machte das nichts aus. "Sie hat Power", betont ihr Vater Andreas.

Die Power wird am Freitag auch unbedingt notwendig sein, denn an dem Tag startet sie zunächst ab 8.30 Uhr im Solo. Nachmittags steht sie dann mit ihrer Formation im Blickfeld der wahrscheinlich höchst kritischen Juroren. Zugute kommt ihr, dass sie sich die Reihenfolge der Schritte bei den Tänzen gut merken kann. "Außerdem hat Karla ein gutes Rhythmusgefühl“, lobt sie Stefanie Zobel.

Auch für Karla gilt: Übung macht den Meister

Trotzdem, auch für Karla gilt: Übung macht den Meister beziehungsweise in diesem Fall die Meisterin. Die Formations-Choreographie, aber auch für ihr Solo hat die 16-Jährige mit den Trainerinnen in Osnabrück immer und immer wieder geprobt. Für ihren Einzelauftritt durfte sie ihnen auch sagen, was sie gerne tanzen möchte. "Wir sind gut vorbereitet", sagt Karla mit Blick auf die Titelkämpfe.

Dass sie vorher und nachher zwei lange Busfahrten absolvieren muss, stört sie nicht. Und für sie ist auch klar: Nach Graz geht es mit dem Tanzen weiter.

Weltmeisterschaft ist das Tüpfelchen auf dem i

Unterdessen sind die Titelkämpfe in Graz auch nicht die ersten Meisterschaften, an denen Karla und ihre Gruppe teilnehmen. Im Frühjahr gingen sie in Emsdetten bei den Deutschen Meisterschaften an den Start. Danach entschied sich, dass es auch mit der Reise nach Österreich klappen würde. Für Karla Zobel dürfte das das Tüpfelchen auf dem i ihrer bisherigen Tanzkarriere sein.

"Karla wollte schon immer tanzen", erzählt Stefanie Zobel. In ganz jungen Jahren begann sie bei der Tanzschule Wienholt in Damme. "Dort hat sie sich immer sehr wohl gefühlt und ist richtig gut aufgenommen worden", sagt ihre Mutter weiter. Auf die Tanzschule Hull stieß sie, weil dort eine ihrer Freundinnen und Mitschüler aus der Johanneschule in Evinghausen, eine nach dem Waldorfkonzept arbeitende Förderschule, tanzten.

Zehntklässlerin fühlte sich auch in Tanzschule Wienholt immer wohl

Irgendwann wurde Karla die Doppelbelastung Tanzen in Damme und in Osnabrück zu viel. Schließlich hat die Zehntklässlerin noch weitere Hobbys, wie zum Beispiel das Reiten. Sie entschied sich, in Osnabrück weiterzumachen und verabschiedete sich schweren Herzens von Wienholt.

Mit Blick auf Graz hat sich das wohl als richtiger Schritt herausgestellt. Denn sonst wäre sie wohl kaum zur Teilnehmerin an einer Hip-Hop-Weltmeisterschaft geworden.

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