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"Karl das Korn" ist gut durch den Winter gekommen und hat gekeimt

"Vom Weizenkorn zum Brot" heißt die Serie, bei der OM-Online in Friesoythe die Entwicklung eines Weizenkorns von der Saat bis in den Backofen begleitet.

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Treffen nach der Winterpause: Pflanzenbauberater Frank Pelk, Landwirtschaftsmeister Elmar Preut und Sohn Josef (von links) besprechen die jetzt anstehende Düngung nach detaillierter Berechnung. Foto: Wimberg

Treffen nach der Winterpause: Pflanzenbauberater Frank Pelk, Landwirtschaftsmeister Elmar Preut und Sohn Josef (von links) besprechen die jetzt anstehende Düngung nach detaillierter Berechnung. Foto: Wimberg

Karl ist gut durch den Winter gekommen und hat gekeimt. Sein erster Trieb produzierte drei Blätter, dann folgte der zweite. Die meisten seiner Kollegen können zurzeit ebenfalls nicht klagen, doch einige müssen noch einen längeren Atem beweisen: Sie sind unfreiwillig auf Tauchstation gegangen und warten nun darauf, dass die Sonne die kleine Seenlandschaft im hinteren Teil des Ackers schnell zieht und sie nicht mehr mit allen Wassern gewaschen sind.

„Etwas zu viel Regen in letzter Zeit“, verweisen Landwirtschaftsmeister Elmar Preut aus Friesoythe und Gs-agri-Pflanzenbauberater und Diplom-Agraringenieur Frank Pelk aus Löningen auf die widrigen Wetterbedingungen der vergangenen Wochen.

Für die Serie von OM-Online „Vom Weizenkorn bis zum Brot“ erläutern die beiden Experten die Entwicklungen und einzelnen Arbeitsschritte anschaulich, informativ, aber auch unterhaltsam in Theorie und Praxis. Das Finale findet dann quasi im Backofen statt, wenn aus „Karl dem Korn“ ein leckeres Brot geworden ist.

Blätter und Korn: Der erste Trieb produziert drei Blätter, dann folgt der nächste. Foto: WimbergBlätter und Korn: Der erste Trieb produziert drei Blätter, dann folgt der nächste. Foto: Wimberg

Im November fand Karl mit 5.249.000 weiteren Körnern über die Sämaschine auf der von Preut bewirtschafteten Fläche im Ortsteil Pehmertange ein Zuhause. Um Unkraut zu bekämpfen, wurden die 1,4 Hektar mit einem leichten Schutzfilm belegt. Der darüber hinaus erforderliche „Kältereiz“ mit 40 bis 50 zusammenhängenden Tagen zwischen 0 und 10 Grad hat stattgefunden. Auch Karl hat ihn somit an der Spitze des Sprosses wahrgenommen. Er kann dadurch blühen und wird drei oder sogar vier Ähren produzieren.

Die älteren Blätter der Pflanzen, die nah am Wasser gebaut sind, haben sich zum Teil gelb/violett verfärbt, die jüngsten bestechen allerdings durch ein sattes Grün. Insgesamt ist in diesem Bereich nicht so viel Ertrag zu erwarten, aber im Gegensatz zur Gerste zeigt sich Weizen weitaus wasserbeständiger, kapituliert beim Tauchgang nicht so schnell, sondern kämpft sich durch.

Fakt ist: Nährstoffmängel müssen nun verhindert werden. „Mitte März darf der Weizen nicht hungern“, bringt es Pelk auf den Punkt. Eigentlich hätte die erste Düngung schon seit 4 Wochen durch sein müssen, doch angesichts des Wetters und der relativ späten Einsaat steht sie nun erst an. Mit schwerem Gerät ist die Fläche noch nicht passierbar und wo Wasser steht, darf ohnehin keine Gülle gefahren werden. Elmar Preut wartet deshalb noch ein bisschen ab und zeigt sich entspannt, da weitere Wolkenbrüche nicht zu erwarten sind.

Fläche befindet sich in einem wassersensiblen Gebiet

Abgeschlossen hat der Friesoyther jedoch bereits die Bedarfsermittlung und darauf aufbauend einen Düngeplan erstellt. Bei einem Ertrag von 8 Tonnen melden Karl und Co einen Bedarf von 230 Kilo Stickstoff an. Da sie in einem „roten“ und somit wassersensiblen Gebiet gedeihen, ist eine sogenannte Nmin-Probe vorzunehmen, die den noch im Boden befindlichen Stickstoff misst. Abzüglich dieser NMin-Menge, eines Sicherheitsabschlages sowie weiterer einzurechnender Faktoren bleibt auf diesem Areal letztlich ein Gesamtbedarf von 112 Kilo.

Stehendes Gewässer: Hier wird der Ertrag nicht immens sein, doch Weizen kapituliert beim Tauchgang nicht so schnell wie Gerste. Foto: WimbergStehendes Gewässer: Hier wird der Ertrag nicht immens sein, doch Weizen kapituliert beim Tauchgang nicht so schnell wie Gerste. Foto: Wimberg

Der 21. März ist nicht nur Stichtag für den Frühlingsanfang, sondern auch für das Weizenkorn. „Karl weiß, wenn die Tage länger werden, muss er in die Länge wachsen und legt die Ähren an“, informiert Pelk und wirft noch mal einen prüfenden Blick auf den Boden. „Viele Regenwürmer, das ist gut“, betont er und bringt den Getreidelaufkäfer ins Spiel, dessen gefräßige Larven der Fläche unbedingt fernbleiben mögen. Vielmehr geht es jetzt darum, Karl zu versorgen. Das wird dann im nächsten Schritt das Lohnunternehmen übernehmen und den Dünger bodennah ausbringen.

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