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Kardinal-von-Galen-Haus setzt auf Tiere im Schulalltag

Die Dinklager Förderschule hat ein entsprechendes Konzept erarbeitet. Dieses werde eine Bereicherung für den Unterricht sein, versichern Rektor und Lehrer.

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Werben für die Tiergestützte Pädagogik: (von links) Schulleiter Guido Venth sowie die Lehrer Christiane Meier, Annemarie Rottinghaus, Stephan Bannas, Kathrin Lampe und Christina Günther vom zuständigen Arbeitskreis auf dem ehemaligen Tennisplatz des Kardinal-von-Galen-Hauses, wo zwei Gehege und ein Pflanzenbeet entstehen sollen.. Foto: Böckmann

Werben für die Tiergestützte Pädagogik: (von links) Schulleiter Guido Venth sowie die Lehrer Christiane Meier, Annemarie Rottinghaus, Stephan Bannas, Kathrin Lampe und Christina Günther vom zuständigen Arbeitskreis auf dem ehemaligen Tennisplatz des Kardinal-von-Galen-Hauses, wo zwei Gehege und ein Pflanzenbeet entstehen sollen.. Foto: Böckmann

Es ist jetzt einige Zeit her, da sah Guido Venth einen TV-Beitrag über die Wartbergschule Osterode. Der Unterricht in Mathe oder Deutsch stand dabei indes nicht im Fokus. In der Reportage über die Förderschule im Harz ging es um tiergestützte Pädagogik im schulischen Alltag. Guido Venth als Schulleiter des Kardinal-von-Galen-Hauses in Dinklage war von dem Konzept begeistert. Der Einsatz von Hunden, Hühnern oder Ziegen im Unterrichtsalltag der Dinklager Förderschule wurde Venths Traum.

Bewegung in die Idee kam schließlich, als mit Stephan Bannas ein Diplom-Biologe zum Lehrerkollegium stieß. Bannas erarbeitete schließlich mit weiteren Pädagogen wie Christiane Meier, Annemarie Rottinghaus, Kathrin Lampe und Christina Günther entsprechende Ideen und Pläne für Tiergestützte Pädagogik im schulischen Alltag des Kardinal-von-Galen-Hauses. Das war im Februar 2019. Jetzt, etwas mehr als eineinhalb Jahre später, ist das Konzept fertig. Das heißt: Nach Möglichkeit im zweiten Schulhalbjahr 2020/2021, spätestens zu den Sommerferien 2021, soll das Projekt starten. 

"Tiere regen die menschlichen Sinne an"

Tiergestützte Pädagogik – was heißt das überhaupt? Der Umgang mit Tieren soll nach und nach im Kardinal-von-Galen-Haus eine größere pädagogische Rolle einnehmen. Auf der ehemaligen Tennisanlage, die in den vergangenen Jahren nicht mehr genutzt wurde, haben Schüler und Lehrer in AGs – auch dank der vielfältigen Unterstützung vom Dinklager Gärtner Ludger Gröne – bereits ein Pflanzenbeet, ein Kaninchen- und ein Hühnergehege angelegt. Dort soll sich der Schulunterricht abspielen.

Den Schülern soll in ihren Klassen oder in ihren Arbeitsgemeinschaften der Umgang mit Tieren beigebracht werden. Sie sollen Ziegen füttern und pflegen, sie sollen Kaninchen heranwachsen sehen und ihre Ställe säubern. Kurzum: Sie sollen Verantwortung für die Tiere übernehmen, wie es Stephan Bannas ausdrückt. Denn: "Tiere regen die menschlichen Sinne an, wecken Gefühle und Empfindungen." Im Konzept heißt es: "Studien haben ergeben, dass Kinder und Jugendliche, die einen Zugang zu Tieren hatten, eine insgesamt besseres sozial wirksameres Verhaltensrepertoire aufwiesen, als Heranwachsende ohne Tiere innerhalb ihres Milieus."

Nicht nur in Biologie, sondern in praktisch allen Fächern sei es möglich, Tiere in den Unterrichtsalltag einzubauen. Ganz praktisch im Werkunterricht zum Beispiel, in dem die Schüler die Gehege bauen oder reparieren. Bannas sagt: "Wichtig ist, dass man sieht, dass hier Schüler arbeiten."

Das Projekt startet mit 4 Kaninchen und 6 Hühnern

Schulleiter Venth und der Arbeitskreis sind fest davon überzeugt: Tiergestützte Pädagogik kann eine wichtige Rolle und eine Bereicherung des Schulalltags sein. Vor allem verhaltensauffällige Schüler würden von dem Konzept profitieren, meint Venth und spricht noch einmal über den Fernsehbeitrag: Dieser habe auch gezeigt, wie ein Autist sich zunächst nur zaghaft an den Zaun zum Gehege herantraute, später dann aber problemlos Tiere auf seinen Schoss nahm.

Ähnliche Erfolge erhofft sich Venth auch bei seinen Schülern. Angst abbauen und Regeln einhalten, Koordination und Motorik verbessern, Empathie und Wahrnehmung erweitern – das sind weitere Ziele, die sich der Arbeitskreis langfristig gesteckt hat. Dabei möchte das Kardinal-von-Galen-Haus nicht nur alle eigenen Einrichtungen, sondern auch andere in Dinklage – wie zum Beispiel die drei nur wenige Hundert Meter entfernten Kindergärten – einbinden. Geschehen soll das  "inklusiv und kooperativ", wie es Venth ausdrückt. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

In der Budget-Planung klafft noch ein Loch

Kurzfristig geht es eher darum, das Projekt weiter anzuschieben. Die ehemalige Tennisanlage weiter umgestalten, die Gehege aufbereiten und Gartenhäuser aufbauen – das sind einige der Punkte, die als Nächstes auf der Agenda stehen. Die ersten tierischen Bewohner sollen 4 Kaninchen und 6 Hühner sein. Am Wochenende kümmert sich die Heimgruppe; in den Ferien pflegt sie Lehrer Bannas.

Das Projekt kostet natürlich auch Geld. Der Eigenanteil des Kardinal-von-Galen-Hauses war groß, es gab auch Unterstützung von Landwirten und einer Tierärztin. Doch es fehlen noch 5.000 Euro im Etat. Über (Sach-)Spenden würde sich die Förderschule daher freuen. Denn Schulleiter Venth ist überzeugt: "Hier entsteht etwas richtig Gutes."

  • Info: Interessierte Sponsoren melden sich bei Schulleiter Guido Venth telefonisch unter 04443/979124 oder per E-Mail an venth@kv-galen-haus.de und g-venth@t-online.de. Es gibt eine Spendenbescheinigung.

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