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Kann ich FFP2-Masken wieder verwenden?

Ein Forscherteam um Professor Martin Kreyenschmidt aus Lohne hat untersucht, ob die Schutzmasken mehrfach genutzt werden können. Derweil läuft die Verteilung von Gutscheinen für Ältere schleppend an.

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Genaue Betrachtung: Professor Dr. Martin Kreyenschmidt aus Lohne nimmt FFP2-Masken in den Blick. Foto: FH Münster / Sturma

Genaue Betrachtung: Professor Dr. Martin Kreyenschmidt aus Lohne nimmt FFP2-Masken in den Blick. Foto: FH Münster / Sturma

FFP2-Masken zum Schutz vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus sind von den Herstellern eigentlich für den Einmalgebrauch gedacht. Doch das kann ins Geld gehen, sofern man täglich auf diese Masken angewiesen ist. Das wirft die Frage auf: Lassen sich die FFP2-Masken nicht doch aufbereiten?

Ja, schreiben Forscher der Fachhochschule (FH) Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, darunter Professor Dr. Martin Kreyenschmidt. Der gebürtige Friesoyther lebt heute mit seiner Familie in Lohne. Vor seiner Berufung an die FH Münster als Professor für Instrumentelle Analytik und Kunststoff-Analytik war er unter anderem bei der Chemiefirma BASF beschäftigt und forschte an der renommierten Stanford-Universität in Kalifornien.

Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Kreyenschmidt 2 Wege gefunden, wie FFP2-Masken mit haushaltsüblichen Mitteln aufbereitet und damit erneut verwendet werden können. Aber: Das sei nur für den privaten Gebrauch zu empfehlen, nicht für den Arbeitsschutz im gewerblichen, industriellen oder medizinischen Bereich, stellt der Wahl-Lohner klar.

Aufheizen: Dieses Verfahren ist laut Studie nur für faltbare FFP2-Masken geeignet. Formstabile Modelle mit Körbchen oder Filter können nur über den zweiten Weg (siehe unten) wiederaufbereitet werden. Bei dieser Methode muss die Maske nach dem Tragen zunächst bis zum nächsten Tag an einem Haken trocknen. Dann kann sie auf einem mit Backpapier ausgelegten Rost in den mit Ober- und Unterhitze auf 80 Grad vorgeheizten Ofen geschoben werden. Weil die tatsächlichen Temperaturen im Ofen von der Anzeige an dem Gerät abweichen können, sollte man sie mit einem Backofenthermometer prüfen, raten die Forscher. Denn ist es zu kalt, bleiben die Viren aktiv, ist es zu warm, kann die Maske Schaden nehmen.

Der Backofenrost mit der Maske solle mindestens 10 Zentimeter Abstand zu Decke und Boden des Ofens haben. Dort bleiben die Masken für eine Stunde. Wer Masken verschiedener Personen aufbereitet, kann die Haltebänder zur Unterscheidung farblich markieren. Aufbereitete Masken sollten immer nur von derselben Person genutzt werden.

Durch die Stunde im Ofen könnten möglicherweise anhaftende Sars-CoV-2-Viren vollständig "inaktiviert" werden, schreiben die Forscher. FFP2-Masken ließen sich durch dieses Verfahren bis zu 5 Mal aufbereiten, spätestens dann müsse man sie im Hausmüll entsorgen.

Lufttrocknung: Beim täglichen Gebrauch der Masken braucht es hierfür mindestens 7 Stück. Sie werden nach der Nutzung an einem Haken aufgehängt und trocknen dort eine Woche lang. Es ist ratsam, diese Haken mit den Wochentagen zu beschriften, damit man nicht durcheinander kommt. Auch diesen Trockenzyklus kann man maximal 5 Mal wiederholen, ehe die Maske in den Müll wandert.

Wichtig: Ist die Maske defekt, wurde sie besonders beansprucht oder wurde man direkt von einem anderen Menschen angehustet, sollte sie nicht noch mal aufbereitet, sondern direkt entsorgt werden.

Was ist nicht geeignet? Kochtopf, Mikrowelle, Waschmaschine, Spülmaschine oder UV-Lampe taugen nach Angaben der Wissenschaftler aus verschiedenen Gründen nicht für die Wiederaufbereitung.

Doch wie verlässlich sind diese Ergebnisse? Dazu sagt Kreyenschmidt, die Abtötung der Viren durch die beiden Methoden sei "wissenschaftlich breit untersucht" - also abgesichert. Zugleich ruft er dazu auf, bei der Wiederaufbereitung der Masken die Eigenverantwortung nicht aus dem Blick zu verlieren. Sprich: zu überprüfen, ob die Maske mechanisch beschädigt sei oder sie lieber wegzuwerfen, wenn man direkt angehustet worden ist.

Aufbereitung von Schutzkleidung war die Grundlage für Forschung

Kurios ist derweil der Ursprung des Forschungsprojektes, wie Kreyenschmidt gegenüber OM online berichtet. Demnach habe der Gesundheitswissenschaftler Professor Dr. Christopher Niehues im Jahr 2019 mit seinen Studenten die Benutzung von Schutzkleidung ausprobieren wollen. Als diese dann mit der heraufziehenden Pandemie in den ersten Monaten des vergangenen Jahres knapp geworden sei, sei die Frage aufgekommen, ob Schutzkleidung nicht in Eigenregie aufbereitet werden könne. Über diese Frage entstand der Kontakt zwischen Niehues und dem Materialwissenschaftler und Analytiker Kreyenschmidt.

Mit zunehmender Bedeutung von Masken im Verlaufe der Pandemie sei dann die Frage in den Fokus gerückt, wie FFP2-Masken wieder aufbereitet werden könnten, wenn ihre Filterleistung erhalten und die Belastung mit dem Coronavirus und anderen Keimen und Körperpartikeln so sehr abgebaut werden könne, dass die Maske wiederverwendet werden könne. Bei der Erforschung dieser Fragen kamen Wissenschaftler aus ganz verschiedenen Disziplinen zusammen: Virologen, Mikrobiologen, Materialwissenschaftler, Analytiker, Toxikologen, Mediziner und Experten aus dem Gesundheitsmanagement sowie immer wieder Praktiker etwa aus der Maskenfertigung.

Anfang Dezember erhielten die Forscher dann einen Auftrag vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, in dem es darum ging, herauszufinden, ob und wie FFP2-Masken auch mit haushaltsüblichen Mitteln aufbereitet werden könnten. Das Ergebnis liegt nun, etwa 6 Wochen später vor. So schnell solche guten Ergebnisse zu erzielen, dass wäre nicht möglich gewesen ohne das große Engagement und den guten Teamgeist unter allen Beteiligten, lobt Kreyenschmidt.

Praktische Forschung: Martin Kreyenschmidt. Foto: FH Münster  SturmaPraktische Forschung: Martin Kreyenschmidt. Foto: FH Münster / Sturma

Aber egal ob luftgetrocknet oder aufgeheizt - damit die Maske wiederverwendet werden kann, muss sie zunächst gekauft werden. Um insbesondere alle Bundesbürger jenseits des 60. Lebensjahres sowie Risikopatienten mit FFP2-Masken zu versorgen, läuft seit Januar eine große Aktion von Krankenkassen und  Bundesgesundheitsministerium. Ziel ist es, den durch Covid-19 besonders Gefährdeten kostengünstig Zugang zu FFP2-Masken zu verschaffen. Dafür erhalten alle, die in die Kategorie der Berechtigten fallen, Gutscheine für zwei Pakete mit jeweils 6 Atemmasken. Die Zuzahlung dafür liegt bei nur 2 Euro, die Krankenkasse übernimmt die restlichen Kosten in Höhe von 34 Euro.

Allerdings läuft der Versand der Berechtigungsscheine schleppend. Grund dafür sind offenbar Verzögerungen bei der Bundesdruckerei, welche die Dokumente herstellt. Die Folge: Bei der AOK, die 38 Prozent aller Menschen in Niedersachsen versichert, konnten erst 301.000 Menschen mit den Gutscheinen beliefert werden - von insgesamt gut 1 .100.000 Berechtigten unter den AOK-Mitgliedern, wie Pressesprecherin Ulrike Serbent sagt. Die Kasse geht demnach aber davon aus, dass die letzten Gutscheine ab Mitte Februar versendet werden können.

Dass es mit der flächendeckenden Verteilung von FFP2-Masken schleppend läuft, bemerkt auch Susanne Willen. Sie leitet die Hase-Apotheke in Löningen. Bisher habe sie „nur einzelne Kunden“ mit einem Berechtigungsschein gehabt. Zugleich betont sie, dass sie und ihre Kollegen „kräftig investiert“ hätten in die Anschaffung der Masken – häufig einige Tausend Euro. Auf der Ware hingegen blieben sie derzeit noch sitzen, weil die Kundschaft offenbar auf die Gutscheine wartet.

Die Preise für die Schutzmasken variieren stark

Bei Uta Jatzwauk, Leiterin der Guten-Tag-Apotheke in Vechta, ist die Nachfrage hingegen „nach wie vor groß“, wie sie erklärt. Auch sie hat aber den Eindruck, dass viele nicht wüssten, dass sie einen Berechtigungsschein für die vergünstigte Abgabe brauchen.

Unterdessen kann man natürlich jederzeit Masken zu Marktpreisen kaufen. Die Preise lagen bei verschiedenen Apotheken im Oldenburger Münsterland einer telefonischen Umfrage zufolge am Montag zwischen 2,50 und 4,50 Euro pro Stück.

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