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Kämpft für Inklusion: Nils Röbke-Stadtsholte ist der erste Rollstuhlfahrer im Dinklager Rat

Der 38-Jährige möchte eine neue Sicht in die Kommunalpolitik einbringen und den anderen Ratsmitgliedern die Augen öffnen. Er weiß aus eigenen Erfahrungen, wie barrierefrei die Stadt ist.

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Familienzuwachs: Rocky und Nils Röbke-Stadtsholte freuen sich über das neueste Mitglied, den Zwergdackel Anton. Foto: Hahn

Familienzuwachs: Rocky und Nils Röbke-Stadtsholte freuen sich über das neueste Mitglied, den Zwergdackel Anton. Foto: Hahn

Nils Röbke-Stadtsholte hat Grund zur Freude. Vor einigen Tagen begrüßte der 38-Jährige ein neues Familienmitglied bei sich zu Hause in Dinklage. Der 2 Monate alte Zwergdackel Anton stieß zu dem weißen Schäferhund Rocky. Doch um die Fellnasen ging es nicht bei dem Besuch von OM Online. Schließlich fängt für den Hundebesitzer bald die Arbeit als Ratsherr an. Dann ist das CDU-Mitglied der erste Rollstuhlfahrer im Dinklager Stadtrat.

Freude kam auch bei der Wahl auf, denn 282 Stimmen brachten Röbke-Stadtsholte direkt in den Rat. "Ich war schon immer politisch interessiert", erklärt der gebürtige Dinklager. Jetzt wagte er erfolgreich den ersten Versuch. "Es ist immer noch eher eine Seltenheit, dass sich jemand mit Körperbehinderung zur Wahl stellt", betont er. Deswegen möchte er sich im Stadtrat unter anderem für Barrierefreiheit und Inklusion einsetzen.

Barrierefreiheit betrifft nicht nur Rollstuhlfahrer

Das sei in seiner Heimatstadt bereits Thema: "Das Kardinal-von-Galen-Haus ist ein Aushängeschild." Aber trotzdem sehe Röbke-Stadtsholte bei der Barrierefreiheit noch großes Potenzial. "Viele Ecken sind barrierefrei und viele sind es nicht." Ein gut funktionierendes Beispiel sei der neue Mini-Kreisel am Kösters Gang/Schulstraße. Der Dinklager begrüße auch die laufende Verkehrsentwicklungsplanung inklusive Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt.

Dabei zählt Barrierefreiheit zu den Zielen. Als Schlüsselmaßnahme soll für den Fußverkehr ein Vorrangwegnetz barrierefrei ausgebaut werden. "Das Thema darf man nicht unterschätzen", meint Röbke-Stadtsholte. Denn Barrierefreiheit bräuchten nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern unter anderem auch Eltern mit Kinderwagen, Senioren mit Rollatoren oder Sehbehinderte.

Aber: "100 Prozent Barrierefreiheit wird man niemals irgendwo erreichen", vermutet Röbke-Stadtsholte. Als Rollstuhlfahrer müsse man immer offen sein, Kompromisse einzugehen. "Ich möchte aber trotzdem für Mittel und Wege kämpfen, das ist mir eine Herzensangelegenheit." 

Inklusion ist nicht Röbke-Stadtholtes einziges Thema

Ein Mittel sei, dass das Thema Inklusion in der neuen Ratsperiode eine größere Bedeutung zugeschrieben bekommen soll. Deswegen möchte die Dinklager CDU, den Ausschuss für Jugend, Familie und Senioren um den Bereich Inklusion ergänzen.

In der Ratsarbeit möchte Nils Röbke-Stadtsholte weitere Akzente setzen. Als Sohn eines Maurers habe er sich für den Bauausschuss gemeldet, neben der Verkehrssicherheit sei ihm energietechnisches Bauen ein Anliegen. Auch die Digitalisierung empfindet der CDU-Ratsherr als wichtig, vor allem in den Schulen.

Seine Leidenschaft hat er im Rollstuhlbasketball gefunden

Selbst habe er auch eine Ausbildung zum Maurer gemacht, erzählt Nils Röbke-Stadtsholte. Dann sei er 2 Wochen vor der Prüfung mit 19 Jahren vom Gerüst gefallen und seitdem querschnittsgelähmt. Der 15. Juli, der Tag des Unfalls, habe für ihn immer noch eine große Bedeutung. "Meine Freunde haben ihn 'Happy Rolliday' getauft. Mittlerweile sitze ich länger im Rollstuhl, als dass ich laufen konnte."

Nach dem Unfall habe er in der Reha in Hamburg nur ein Ziel gehabt: möglichst schnell mit dem Rollstuhl klarzukommen, um nach Hause zu können. Denn: "Einmal Dinklager, immer Dinklager", lacht der 38-Jährige.

Danach habe er im Rollstuhlbasketball eine Leidenschaft gefunden. Mit dem Rollstuhl-Sport-Club (RSC) Oldenburg spiele er mittlerweile nur noch in der Regionalliga, berichtet Röbke-Stadtsholte, der sich dort auch im Vorstand engagiert. Es habe Zeiten gegeben, in denen das Team 3 bis 4 mal die Woche trainiert habe.

„Ich glaube, der Rat profitiert von meiner Sicht.“Nils Röbke-Stadtsholte

In der Reha habe er außerdem eine wichtige Lektion gelernt: "Man muss sich Gehör verschaffen, sonst geht man unter." Das versuche er - nun auch in der Politik. "Ich glaube, der Rat profitiert von meiner Sicht." Es sei eine neue Sicht. Schließlich bemerke er als Rollstuhlfahrer Dinge, über die sich andere keine Gedanken machten.  

Als Beispiel aus dem Alltag nennt Röbke-Stadtsholte Behindertenparkplätze. "Die sind ein großes Manko in Dinklage: Entweder die Größe stimmt nicht oder sie sind gar nicht da." Auch bei Ladesäulen für E-Autos werde Barrierefreiheit nicht mitgedacht.

Der Sitzungssaal im Rathaus ist nicht barrierefrei

Seitdem er sich für den Rat engagiere, stehe er auch in engem Kontakt mit dem Projekt Dinklusiv, berichtet Röbke-Stadtsholte. „Ich sehe mich auch als Stimme der Behinderten.“ Aber trotzdem mahnt der 38-Jährige, nicht alle Menschen mit Behinderungen über einen Kamm zu scheren. Es gebe sehr viele Unterschiede, je nach Art und Grad der Behinderung.

"Ich werde den anderen Ratsmitgliedern das eine oder andere Mal die Augen öffnen", ist sich Nils Röbke-Stadtsholte sicher. Fest steht, dass sein Ratssitz zu Veränderungen führen soll. Beispiel: Der Sitzungssaal im Rathaus ist nicht barrierefrei. „Eine Sitzung ist nicht öffentlich, wenn sie nicht für jeden zugänglich ist“, betont Röbke-Stadtsholte die Dringlichkeit, das zu ändern.

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