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Kampf gegen Automatensprenger: Die LzO will in mehr Sicherheit investieren

Die Landessparkasse stellt nun vor, wie sie auf die Geldautomatensprengungen in der Region reagieren wird. Erst Mitte November war ein Automat in Steinfeld in die Luft geflogen.

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Zuletzt haben die Automatensprenger am 8. November in Steinfeld zugeschlagen. Foto: Timphaus

Zuletzt haben die Automatensprenger am 8. November in Steinfeld zugeschlagen. Foto: Timphaus

Die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) hat jetzt konkretisiert, welche Konsequenzen sie aus den letzten Automatensprengungen ziehen wird. So sollen unter anderem die Zugänge zu den SB-Foyers nachts eingeschränkt werden; sprich: Bargeld kann bis auf Weiteres nach 23 und vor 6 Uhr nicht mehr gezogen werden. Zuletzt haben die Automatensprenger in Steinfeld ein regelrechtes Trümmerfeld hinterlassen. Weil auch tragende Wände durch die Explosion beschädigt wurden, musste das gesamte Gebäude abgesichert werden.

Auch in die Technik solle investiert werden; in welcher Form, werde nicht weiter erklärt, um es den Sprengern nicht unnötig leicht zu machen, heißt es in einer Mail der Landessparkasse. An vielen Filialstandorten seien Baumaßnahmen nötig. Bis Mitte 2023 werde das dauern. Hierfür sei es in Einzelfällen nötig, die Geldautomaten vorübergehend vom Netz zu nehmen. Sie sollen aber nach und nach wieder in Betrieb genommen werden, versichert die LzO. Und: Alle anderen in den SB-Foyers und SB-Filialen vorhandenen Geräte wie Kontoauszugsdrucker und Selbstbedienungsterminals bleiben in Betrieb.

Geldhäuser reagieren auf Einigung der Kreditwirtschaft und des Bundesinnenministeriums

"Wir haben in den vergangenen Jahren erhebliche Beträge in die Sicherheit, den Betrieb und die Zuverlässigkeit unserer Geldautomaten-Standorte investiert", wird Michael Thanheiser, Vorsitzender des Vorstandes der LzO, zitiert: "Wir müssen leider feststellen, dass professionell agierende Tätergruppen zunehmend rücksichtsloser vorgehen." Die Schäden an den Gebäuden seien immens; das Gefährdungspotenzial für Menschen sei hoch. Daher müsse reagiert werden. 

Bereits Mitte November hatte die Volksbank Vechta ein ähnliches Konzept vorgestellt. Die VR-Bank Dinklage-Steinfeld schließt vom 1. Dezember an den SB-Bereich zwischen 23 und 5.30 Uhr, teilte sie ihren Kunden mit. Hintergrund ist eine Einigung der Kreditwirtschaft und des Bundesinnenministeriums, denn die häufiger werdenden Automatensprengungen sind bundesweit ein großes Problem: Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei insgesamt 392 Sprengungen in Deutschland.

Daher hatte Niedersachsens Justizministerin Kathrin Wahlmann unlängst Banken zur Nachrüstung ihrer Geldautomaten aufgefordert. Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ) sagte sie: "Das ist ein Kriminalitätsphänomen, das es in anderen Ländern fast gar nicht mehr gibt, weil die Geldautomaten entsprechend präpariert sind: Versucht jemand den Automaten zu sprengen, verklebt das Geld und wird damit unbrauchbar."

Solche Schutzmechanismen gebe es in Deutschland kaum. Das sei "unverantwortlich". Denn: Bei den Sprengungen durch Kriminelle würden auch Anwohner von Banken gefährdet. "Ich erwarte von den Banken, dass sie ihre Automaten entsprechend nachrüsten", forderte Wahlmann. Sie werde das Thema als Ministerin aufgreifen. Wahlmann war zuletzt als Richterin am Landgericht Osnabrück tätig. Ihr letztes Verfahren als Richterin richtete sich gegen Hintermänner von Automatensprengungen.

Den Sprengern den Prozess zu machen, das scheint derzeit schwierig. Denn die Polizei fühlt sich nur unzureichend auf die Jagd auf Automatensprenger vorbereitet. Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, sagte in einem NOZ-Interview: "Die Polizei ist den Geldautomatensprengern technisch unterlegen, hier muss dringend nachgerüstet werden. Bei der Flucht der Täter beispielsweise kommen wir oft schlicht nicht hinterher." Die Ganoven nutzten hochmotorisierte Sportwagen, mit denen sie jeden Streifenwagen abhängen können. Selbst die teils veralteten Polizeihubschrauber hätten es schwer.

Auch die Fortbildung der Beamten müsse gestärkt werden. "Viele Polizisten fühlen sich auf Einsätze im Zusammenhang mit Geldautomatensprengungen schlecht vorbereitet. Wir haben es auf der Gegenseite mit skrupellosen Gangstern zu tun: Profi-Fluchtfahrer, Profi-Sprenger und so weiter", wurde Kopelke zitiert und warnte: "Das ist ein hochgefährliches Verbrechen, bei dem die Täter sowohl das Leben von Bank-Anwohnern als auch Polizisten aufs Spiel setzen, um an ihre Beute zu gelangen."

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