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Kahlschlag im Moor: Naturschützer fordern hohes Bußgeld

Der Streit um die gekappten Bäume im Dammer Windpark dauert an. Antonius Viefhues von der Dammer Nabu-Ortsgruppe attackiert die Windparkbetreiber heftig. Deren Geschäftsführer weist die Kritik zurück.

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Naturschützer gehen davon aus, dass ein Großteil der abgekniffenen Bäume im Windparkgebiet in den kommenden Jahren sterben werden. Foto: Schmutte

Naturschützer gehen davon aus, dass ein Großteil der abgekniffenen Bäume im Windparkgebiet in den kommenden Jahren sterben werden. Foto: Schmutte

Der Kahlschlag auf dem Gebiet der Gesellschaft Windpark Damme (WPD) im Borringhauser Moor erzürnt weiter viele Menschen. Im Zuge von Pflegemaßnahmen hatte ein Unternehmen zahlreiche Bäume – die Dammer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) schätzt deren Zahl auf annähernd 1.000 – sowie Feldhecken und Sträucher gekappt. Das Areal selbst ist eine Kompensationsfläche, die einst angelegt worden war, um andere Eingriffe in die Natur auszugleichen. 

Kritiker sprechen nun von einem ökologischen Desaster.
Antonius Viefhues, einer der beiden Nabu-Ortsgruppenvorsitzenden, fordert den Landkreis Vechta auf, ein hohes Bußgeld zu verhängen.

Berthold Klatte, WPD-Geschäftsführer, sieht die Sachlage anders. Er spricht von notwendigen und längst fälligen Rückschnitten, um nachhaltige Sichtschutzstreifen für die Zukunft zu erhalten. Er verweist in dem Zusammenhang darauf, bereits im vergangenen Jahr habe die Gesellschaft bei einigen Sichtschutzstreifen einen Rückschnitt vornehmen lassen. Es sei nicht gegen bestehende Vorschrift verstoßen worden.

Landkreis hält Durchforstungen nicht für fachgerecht

Dass zumindest die jüngst erfolgten Durchforstungen nicht fachgerecht erfolgt sind, steht dagegen für den Landkreis Vechta als Untere Naturschutzbehörde außer Frage. Das teilt ein Sprecher der Behörde mit. 

Weiter heißt es aus dem Kreishaus in Vechta, der Landkreis prüfe derzeit die Einleitung eines Bußgeldverfahrens gegen die Person, die den Auftrag für die Arbeiten erteilt habe. Die Grundlage liefere Paragraf 213 des Baugesetzbuches in Verbindung mit den Regelungen des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten. Nach Angaben des Kreissprechers droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 10.000 Euro.

Ferner teilt die Behörde mit: Die Kompensation müsse fachgerecht wieder hergestellt werden. Dass sie dabei innerhalb kürzester Zeit den Wert von vor dem Kahlschlag erreiche, sei nicht realistisch. Vielmehr sei es das Ziel, die Schäden so gut wie möglich auszugleichen. Dabei gehe es neben Wiederanpflanzungen von Gehölzen auch darum, Stammverletzungen und Astabbrüche zu versorgen. Bei den verletzten Gehölzen drohe andernfalls beispielsweise Pilzbefall. Entscheidend sei, dass das ursprüngliche Kompensationsziel „Hecke mit Bäumen“ wieder erreicht werde. Die Natur brauche aber Zeit.

Stadt lässt sich nun von einem Anwalt beraten

Dammes Bürgermeister Gerd Muhle sagt, wie die Stadt auf den „fachlich nicht einwandfreien Rückschnitt“ reagieren werde, sei noch nicht abschließend geklärt. Sie lasse sich anwaltlich beraten und prüfe ihr weiteres Vorgehen auf Basis der mit der WPD und den betroffenen Flächeneigentümern abgeschlossenen Verträge. Außerdem werde sie sich mit dem Landkreis Vechta in der Angelegenheit abstimmen.

Antonius Viefhues kritisiert unterdessen den Landkreis. Die Nabu-Ortsgruppe habe auf Schreiben hin keine Antwort erhalten: „Das finde ich schon schade.“ Eine Rückmeldung wäre angemessen.

Noch nicht gestellt haben die Naturschützer nach Worten ihres Vorsitzenden eine Strafanzeige. „Wir warten jetzt die Reaktionen ab.“ Der Landkreis müsse als Untere Naturschutzbehörde handeln.

"Mit ein paar hundert Euro ist es nicht getan."Antonius Viefhues, Dammer Nabu-Vorsitzender

Mit Blick auf seine Bußgeldforderung sagt er: "Mit ein paar hundert Euro ist es nicht getan." Und außerdem: Die WPD müsse die Auflage bekommen, nicht nur auf den gerodeten Flächen wieder aufzuforsten, sondern auf zusätzlichen Flächen, um die Kompensation im geeigneten Rahmen sicherzustellen.

Das dürften die Naturschützer wohl auch bei einem Gespräch am kommenden Dienstag im Rathaus mit Nachdruck fordern, zu dem die Stadtverwaltung sie eingeladen hat. Antonius Viefhues wertet das als ein Zeichen der guten Zusammenarbeit beider Seiten in dieser Angelegenheit.

In dem Zusammenhang würdigt er auch den Planungs- und Umweltausschuss, der das Ergebnis der Durchforstungsarbeiten auf dem Windparkgebiet bei seiner jüngsten Sitzung scharf verurteilt hatte.

Geschäftsführer Klatte sagt dagegen, im Zuge des längst überfälligen Rückschnitts habe das mit den Arbeiten beauftragte Unternehmen auch bereits abgestorbene Sträucher und Bäume entfernt. Nun werde es in den vorhandenen Lücken Nachpflanzungen geben.

Die Folge: Der Sichtschutzstreifen werde verbuschen, was zu einer höheren Biodiversität führe. Ebenso werde der Sichtschutz verbessert. Eine Nachbesichtigung in der nächsten Vegetationsperiode werde das bestätigen, ist sich Berthold Klatte sicher.

Klatte: Abkneifen von Bäumen ist Stand der Technik

Zum Abkneifen der Bäume und Sträucher, was die Naturschützer heftig kritisiert haben, erklärt der Geschäftsführer, das sei heute Stand der Technik. Den im vergangenen Jahr vom selben Unternehmen vorgenommenen Rückschnitt habe niemand beanstandet.

Und: Die WPD habe keine konkreten Vorgaben zum Rückschnitt bekommen. In Zukunft wolle die Gesellschaft aber Durchforstungs- und Pflegemaßnahmen mit der Stadt beziehungsweise dem Landkreis absprechen. Das gelte auch für die jetzt vorhandenen Lücken mit Bäumen und Sträuchern. Diese Aufforstung sei von Beginn an vorgesehen gewesen.

Viefhues: WPD ist Klimaschutz besonders verpflichtet

Antonius Viefhues dagegen stellt die Windparkbetreiber an den Pranger. Die WPD sei dem Klimaschutz in besonderer Weise verpflichtet. Sie erhalte Mittel nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Dem widerspreche es krass, intakte Biotope abzuholzen beziehungsweise zu verstümmeln. Die Sträucher und Bäume speicherten in erheblichem Maße das klimaschädliche Kohlendioxid.

Für den Naturschützer ist klar: Ein Großteil der abgekniffenen Bäume und Sträucher wird in kommenden Jahren absterben. An dieser Sicht ändert auch die Ankündigung Berthold Klattes nichts, die beanstandeten zurückgeschnittenen Bäume würden im Nachgang nochmal manuell nachgeschnitten. Ebenso werde die WPD restliche abgestorbene Bäume und Sträucher aus den Sichtstreifen manuell entfernen lassen.

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