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Kaffee und Klönschnack auf dem Böseler Friedhof

Das Team um Pastoralreferentin und Initiatorin Ursula Klüsener lädt ab sofort wieder zum "Treffpunkt" ein. Die Böseler St-Cäcilia-Gemeinde organisiert die Aktion im 4. Jahr.

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Freuen sich auf Gesprächspartner: Pastoralreferentin Ursula Klüsener, Katrin Rickwärts, Anja Südbeck, Bernharda Röttgers und Annelies Stuckenberg (von links) auf dem Böseler Friedhofsgelände. Foto: Claudia Wimberg

Freuen sich auf Gesprächspartner: Pastoralreferentin Ursula Klüsener, Katrin Rickwärts, Anja Südbeck, Bernharda Röttgers und Annelies Stuckenberg (von links) auf dem Böseler Friedhofsgelände. Foto: Claudia Wimberg

Anja Südbeck hat ihren Nachbarn entdeckt und lädt ihn nach getaner Arbeit zu einer Tasse Kaffee ein. Der Böseler leert noch eben den Eimer mit Unkraut auf dem Kompost und gesellt sich dann gerne an den mobilen Tisch vor der Friedhofskapelle. Dort findet ab sofort wieder an jedem ersten Freitag im Monat der „Treffpunkt Friedhof“ statt. Mittlerweile im 4. Jahr. „Beim ersten Mal wurden wir noch angeschaut, wie von einem anderen Stern“, erinnert sich das Team um Pastoralferentin Ursula Klüsener, die das Projekt für die St.-Cäcilia-Pfarrgemeinde initiierte.

Kaffeetrinken und Klönschnack auf dem Friedhof? Für die einen gewöhnungsbedürftig, für die anderen eine willkommene Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Der Friedhof ist ohnehin ein Ort der Kommunikation und nun auch mal gezielt eine Anlaufstelle zu haben, „wird von Jung und Alt dankend angenommen“.

Die Themen sind genauso unterschiedlich wie die Besucher. Es geht um Gott, aber natürlich auch um die Welt. „Das ganz normale Leben“, sagt Katrin Rickwärts. Kritik an der Kirche insgesamt wird geäußert und Anregungen für die eigene Pfarrei werden formuliert. „Ihr sitzt ja an der Quelle“, heißt es dann häufig „und die Ideen und Vorschläge geben wir selbstverständlich weiter“, betont Anja Südbeck.

Viele Formen der Trauerbewältigung fehlten

Corona mit all seinen Auswirkungen „war ein sehr großes Thema“, ergänzt Bernharda Röttgers. Beim Tod eines guten Freundes oder sogar Familienmitgliedes nicht in der Art und Weise Abschied nehmen zu können, wie man möchte, das habe vielen wehgetan und sei sehr schwergefallen. Die Nachricht wurde bekannt gegeben, „und dann war derjenige einfach nicht mehr da. Da fehlt die Trauerfeier, die Beisetzung und so vieles mehr als Formen der Trauerbewältigung“, unterstreicht Anja Südbeck auch aus eigener Erfahrung. In Erinnerung bleibt auch die Seniorin, die sich schon auf das Fest ihrer Goldenen Hochzeit freute, die pandemiebedingt abgesagt werden musste. Wird es noch ein gemeinsames Fest geben können?

Doch es sind auch erfreuliche Ereignisse, über die gesprochen wird. Das 4. Enkelkind oder der Urlaub, der endlich angetreten werden kann. Und vor Wahlen „wird es auch gerne mal politisch.“ Zwischen 15.30 und 17 Uhr sind Ursula Klüsener, Anja Südbeck, Katrin Rickwärts, Bernharda Röttgers und Annelies Stuckenberg immer paarweise in der Sommersaison und bei gutem Wetter mit Kaffee, Tee und Wasser anzutreffen.

Eine Stechuhr gibt es allerdings nicht. Manchmal dauert es länger, weil sie auf Wunsch auch noch mal mit zum Grab gehen, ein ganz persönliches Gespräch führen oder Tipps für Blumen und Pflanzen austauschen. Auf Hochdeutsch und häufig „uk up Platt.“

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