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Jürgen Bley gibt nach 26 Jahren das Amt des DCC-Kassenwartes ab

Nur ein einziges Mal gab es in all den Jahren bei der Kassenprüfung einen Fehlbetrag. Der lag bei 14 oder 17 Cent. Doch es wurde nicht lange nachgerechnet, die Lösung ergab sich unbürokratisch.

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Ein höchst penibler Verwalter: Jürgen Bley hat für jedes Geschäftsjahr einen eigenen Aktenordner angelegt. In ihnen finden sich alle Belege, die während seiner Tätigkeit angefallen sind. Foto: Lammert

Ein höchst penibler Verwalter: Jürgen Bley hat für jedes Geschäftsjahr einen eigenen Aktenordner angelegt. In ihnen finden sich alle Belege, die während seiner Tätigkeit angefallen sind. Foto: Lammert

Das Protokoll der Elferratssitzung des Dammer Carnevalsclubs (DCC) von 1991 vom 24. März 1995 verkaufte eine, wie sich später herausstellte, wegweisende Personalie als kleine Sensation. "Richtig überraschend wurde Heinz Specker in das Amt des Kassenwartes gewählt", hielt der damalige Protokollführer Michael Enneking fest.

So weit, so richtig, bis auf eine Kleinigkeit. Nicht Heinz Specker, sondern Jürgen Bley übernahm die Verwaltung des DCC-Geldes. "Heinz Specker" war sein Spitzname, den ihm sein damaliger Elferratskollege Jürgen Kurzer verpasst hatte und dessen Entstehung eine andere Geschichte ist, die etwas mit dem inzwischen verstorbenen Busfahrer Heinz Specker zu tun hat.

Vom "Heinz Specker" ist nur der "Specker" übrig

Im Laufe der Zeit ist beim Spitznamen der "Heinz" entfallen, nur der Specker ist geblieben. Und so ist im DCC häufiger von Jürgen Specker-Bley die Rede.

Zukünftig geschieht das allerdings nicht mehr im Zusammenhang mit dem Amt des Kassenwartes. Denn das hat der Kemphausener nach 26 Jahren abgegeben. Sein Nachfolger ist Bernd Rechtien.

Als der heute 51 Jahre alte Tischler 1995 den höchst verantwortungsvollen Posten annahm, folgte er auf den nach Ostfriesland verzogenen Detlef Nyhuis. "Ich habe bis heute keine Ahnung, wie der DCC darauf gekommen ist, mich zum Kassenwart zu machen", sagt Jürgen Bley. Vielleicht lag es aber einfach daran, dass er, der 1991 DCC- und 1993 Elferratsmitglied geworden war, Detlef Nyhuis bei der Kassenführung unterstützt hatte.

Als der Präsident ein Fehl in der Kasse ausglich

"Die Kasse ist mein Ding", erklärt der 3-fache Vater. Mancher Buchhalter würde ihm wohl ob seines höchst peniblen Umgangs mit den Zahlen, Quittungen und Abrechnungen einen Orden verleihen. Auch privat ist Jürgen Bley da ganz genau. "Er hat noch seine Lohnabrechnungen, die er als Lehrling bekommen hat", berichtet seine Frau Christine. 

Beste Voraussetzungen also, um auch eine närrische Kasse zu verwalten. "Die hat am Jahresende fast immer gestimmt", sagt der dreifache Vater. Nur einmal, da fehlten 14 oder 17 Cent. So genau weiß er das nicht mehr. Aber das Problem war schnell gelöst. Der damalige Präsident Frank Hörnschemeyer beglich den Fehlbetrag aus eigener Tasche. Er hatte wohl keine Lust, stundenlang zu suchen, wo das Minus entstanden war.

Stichwort Lust: Jürgen Bley hätte zwar sowohl sie als auch den Ehrgeiz gehabt, die Kasse weiter zu führen – aber nun habe ein Nachfolger bereitgestanden. Und so sei ihm der Amtsverzicht leicht gefallen.

„Da haben alle mitgezogen. Für mich war das ein Highlight.“Jürgen Bley

Doch so ganz hört er nicht auf. Er bleibt Mitglied des DCC-Elferrates. Aber ohne festen Aufgabenbereich. "Ich übernehme alle Arbeiten, die anfallen."

Doch bereits als Kassenwart war er vielfältig in andere Aufgaben eingespannt. Besonders gerne, aber auch mit etwas Schrecken, erinnert er sich an das Projekt "neuer Hallenboden", in den der DCC-Elferrat viel Arbeitskraft, aber auch Geld investieren musste.

Nach Investitionen kamen die Finanzsorgen

Der neue Boden war notwendig, als der DCC 2015 seine Sitzungen von der Sporthalle in Osterfeine in die Sporthalle der Dammer Hauptschule verlagerte. "Da haben alle mitgezogen. Für mich war das ein Highlight", erinnert sich Jürgen Bley. 

Als Kassenwart allerdings sorgte er sich wegen der hohen Investition in der Zeit um die Vereinsfinanzen. Kurze Zeit war es vorbei mit lustig.  "Da ging der Kassenstand nach unten." Das einzige Mal überlegte der Kassenwart Bley damals, die Mitgliedsbeiträge bereits im Januar und nicht im April einzuziehen. Das tat er nicht, es war letztlich auch nicht notwendig.

4 Prinzen hat der Kassenwart mit gekürt

Aber nicht nur die praktischen Fähigkeiten Jürgen Bleys waren und sind immer wieder gefragt. Er ist bislang auch 4 Mal als Kürvater an der erfolgreichen Suche eines DCC-Prinzen beteiligt gewesen: 1995 fand er gemeinsam mit Sascha von Wahlde die Tollität Matthias Theilmann, 1999 mit Jürgen Kurzer Detlef Stöppelmann, 2003 mit Florian Runden Hartwig gr. Hackmann geborener Enneking und schließlich 2015 zusammen mit Markus Hackstette Timo Wempe.

„Jeder einzelne Beleg wurde bei jeder Kassenprüfung angesehen und abgesegnet.“Jürgen Bley

Selber ist er nie Prinz gewesen. Jedenfalls bis jetzt nicht. "Da ist wohl niemand auf die Idee gekommen, mich zu fragen", sagt Jürgen Bley, der als Kassenwart unter 3 Präsidenten – Frank Duffe, Frank Hörnschemeyer und Felix Meyer – gedient hat. 

Nicht nur mit den Präsidenten, auch mit den Kassenprüfern hat Jürgen Bley stets gut zusammengearbeitet. Der erste war Thorsten Diekmann, die beiden letzten sind Jan Martens und Christian Wehming gewesen. Auf eines hat der Chef des DCC-Finanzen bei den Prüfungen immer Wert gelegt: nicht husch husch, sondern sorgfältig und genau. "Jeder einzelne Beleg wurde bei jeder Kassenprüfung angesehen und abgesegnet." 

Das Kassenbuch gibt es erst seit 1996

Allerdings war im Jahr 2012 die Kassenprüfung nach nur einer Stunde erledigt. Damals war Franz Goda nicht nur Kassenprüfer, sondern auch Dammer Carnevalsprinz. Dringende anderweitige Amtsgeschäfte hatten ihm für die Prüfung nur ein Zeitfenster von 17 bis 18 Uhr eingeräumt. 

Kontoauszüge kontrollieren die Kassenprüfer übrigens erst seit 29 Jahren. Davor hatte der DCC eine Barkasse. Erst am 29. Januar 1992 eröffnete er sein Konto. Ein Kassenbuch gibt es erst seit 1996. Das legte Jürgen Bley seinerzeit mit Zustimmung des Finanzamtes Vechta rückwirkend für 5 Jahre an. Sonst wäre der DCC nicht gemeinnützig gewesen. Auf EDV stellte er die Buchführung 1997 um.

Trotzdem hat er für jedes Haushaltsjahr einen Ordner angelegt. Akribisch hat er alles gesammmelt und aufbewahrt, was kassenrelevant gewesen ist. Da kennt der närrische Kassenwart keinen Spaß. So gibt es auch noch die erste für den DCC ausgestellte Quittung. Die lautet über eine Summe von 25 Deutschen Mark und stammt vom damaligen Geschäft Buschatz. Die Summe hatte Johannes Buschatz unter dem Stichwort "Kinowerbung" in Rechnung gestellt.

Jüngere Elferräte sollen mehr Verantwortung tragen

Ein bisschen Wehmut kommt bei Jürgen Bley schon auf, als er die Buschatz-Quittung in der Hand hält. Aber, sagt er, die Älteren im DCC-Elferrat, zu denen er gehört, versuchten, den Jüngeren mehr Verantwortung zu übertragen. Das aber klappe nur, wenn die Älteren sich von Ämtern zurückziehen. So wie er, der Schatzkanzler im elferrätlichen Unruhestand.

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