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Jung und Alt im Dialog: Alles super im JuPa!?

Die Arbeitsgruppe des Projektes "Goldenstedt 2030" hat ein Unterstützungskonzept für das Jugendparlament vorgelegt. Im Fachausschuss ist darüber schon rege diskutiert worden.

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Den Nachwuchs an der Lokalpolitik beteiligen, unter anderem darum geht es in Jugendparlamenten. Foto: Gentsch/dpa

Den Nachwuchs an der Lokalpolitik beteiligen, unter anderem darum geht es in Jugendparlamenten. Foto: Gentsch/dpa

Während in Dinklage die Einrichtung eines Jugendparlamentes (JuPa) für 2021 geplant ist, wurde es in der Gemeinde Goldenstedt bereits mit der Kommunalwahl 2006 erstmals gewählt – um Jugendlichen – jeweils 15 im Alter zwischen 12 und 21 Jahren – die Chance zu geben, "erste Einblicke in die Politik ,vor Ort' zu erhalten und auch selbst erste Schritte in der Kommunalpolitik zu gehen", wie auf der Gemeinde-Homepage nachzulesen ist. Die aktuelle 6. Besetzung unter Vorsitz von Lilly Bramlage und ihren beiden Stellvertretern Hanno Lamping und Maxi Seidel wurde am 25. Mai 2019 bestimmt – parallel zur Bürgermeisterwahl.

Ziel: Verständnis für politische Prozesse wecken

Dass aber auch nach 14 Jahren noch Optimierungspotenzial in der Zusammenarbeit zwischen "kleinen" und "großen" Parlamentariern besteht, wurde in der vergangenen Sitzung des Goldenstedter Ausschusses für Jugend-, Sport- und Marktangelegenheiten deutlich. Dort erläuterte der stellvertretende JuPa-Vorsitzende Hanno Lamping, wo aktuell ein Schuh drückt: "Mitglieder, die wir jedes Jahr anwerben müssen, kommen nicht mehr wirklich von alleine. Da sehen wir auf jeden Fall Unterstützungsbedarf hier im Gemeinderat, ob wir da vielleicht irgendwie anders zusammenarbeiten können, dass wir Ideen von euch bekommen."

Abhilfe schaffen soll ein Konzept (der Tagesordnung zur Sitzung im Kalender auf der Internetseite der Gemeinde angehängt und dort runterzuladen) mit dem Ziel, das Jugendparlament in seinem Bestehen und in seiner Weiterentwicklung zu unterstützen. Aufs Tapet gebracht hat es die Arbeitsgruppe des Nachhaltigkeitsprojektes "Goldenstedt 2030" im Handlungsfeld "Soziales".

Machten Anfang Juni mit einer Anti-Rassismus-Kampagne auf die Aktivitäten des Jugendparlamentes aufmerksam: Die Vorsitzende Lilly Bramlage (rechts) und ihre beiden Stellvertreter Maxi Seidel (links) und Hanno Lamping. Foto: ArchivHeinzel brMachten Anfang Juni mit einer Anti-Rassismus-Kampagne auf die Aktivitäten des Jugendparlamentes aufmerksam: Die Vorsitzende Lilly Bramlage (rechts) und ihre beiden Stellvertreter Maxi Seidel (links) und Hanno Lamping. Foto: Archiv/Heinzel

Maria Buschenhenke, die neue Kilma- und Naturschutzmanagerin der Gemeinde, skizzierte vor der Diskussion die Vorteile eines Jugendparlamentes, etwa die Förderung von Demokratie-Erfahrungen und die Stärkung des Demokratie-Verständnisses. Jugendliche müssten früh die Möglichkeit haben, Verantwortung zu übernehmen, mitentscheiden, mitgestalten zu können. "Das Interesse an politischer Arbeit wird geweckt im Jugendparlament, wenn sich junge Leute dort engagieren und entwickeln können." Zudem, so Buschenhenke, werde dort Verständnis für die Funktionsweise politischer Prozesse und die Verwaltungsarbeit geweckt – für den Weg von der Idee zum Beschluss. "Die jungen Menschen können selbst erleben, wie ihr eigenes Handeln etwas bewirkt."

Zu den Bausteinen der JuPa-Förderungen – vor allem für neu gewählte und jüngere Mitglieder –, erläuterte Maria Buschenhenke weiter, zähle ein unterstützendes, beratendes Mentorenprogramm. "Der Gemeinderat entsendet mindestens einen Vertreter aus jeder Fraktion, der als Mentor das Jugendparlament beraten will: Wie gestalte ich eine Sitzung? Wie formuliere ich Themen, die ich einbringen möchte?" Aus diesem Grund soll den Mitgliedern des neu gewählten JuPas auch die Teilnahme an einem Rhetorik-Seminar ermöglicht werden.

"Das Jugendparlament zu stärken heißt die Demokratie zu stärken."Maria Buschenhenke, Gemeinde Goldenstedt

Ein weiterer Aspekt: Schulung. Hier geht es laut Konzept darum, "dass in Abstimmung mit der Schulleitung der Marienschule und den zuständigen Lehrkräften folgende Informationen über das ,politische' Goldenstedt mit in den Lehrplan integriert werden müssen: Aufgaben einer Gemeinde und Aufbau der Gemeindeverwaltung (...), Übersicht über Fachausschüsse, Gremien, Beratungsabläufe (...) und Übersicht über die in Goldenstedt vertretenen Parteien (...)". Es wäre schön, wenn ein bisschen besserer Bezug zu der Politik hier vor Ort in diesem Hause entstünde, sagte Maria Buschenhenke. Marienschullehrerin Christiane Lehmkuhl (IGG-Fraktion) ergänzte im weiteren Verlauf, man habe sich im Kollegium für dieses Schuljahr vorgenommen, "im Fach Politik an diesem Konzept mitzuwirken mit den 8. Jahrgängen". "Das Jugendparlament zu stärken heißt die Demokratie zu stärken", resümierte Klima- und Naturschutzmanagerin Buschenhenke.

Bei der Werbung von Interessierten, die sich zur (Wieder-) Wahl stellen, helfe nicht nur die Gemeinde, sondern hier komme überdies auch den Vereinen eine wichtige, unterstützende Funktion zu. Die zentrale Rolle von Vereinen und anderen organisierten Gruppen betonte auch Elisabeth Wübbeler (CDU-Fraktion). "Jeder Verein ist bei den Erwachsenen sehr bemüht, seine Vertreter in die Parlamente zu bekommen, weil hier abgestimmt wird über einen Zuschuss." Die CDU-Vorsitzende regte ebenfalls an, im Jugendparlament eine verlängerte Amtszeit zu diskutieren.

Auf JuPa-Sitzungen geht es locker und spontan zu

Lilly Bramlage, seit einigen Jahren Vorsitzende des Goldenstedter Jugendparlamentes, erklärte, sie finde die Unterstützung "super gut" – betonte aber auch, man solle es nicht übertreiben. Bei JuPa-Sitzungen gehe es "relativ locker und spontan" zu. Sie könne sich vorstellen, dass sich Jugendliche von zu strikten Regeln ein bisschen abschrecken ließen, "wenn so viel auf einen zukommt, 1.000 Sachen und Pläne". Oft seien ohnehin die gleichen drei, vier, fünf Leute eingespannt und die anderen blieben außen vor.

Auf die Frage, wo konkret er sich Unterstützung wünsche, entgegnete Stellvertreter Hanno Lamping: "Ich persönlich weiß nicht, wie ich meine Ideen tatsächlich so in Worte packen kann, dass es auch bei jedem verständlich ankommt. Das fällt mir auf jeden Fall schwer. Und wie wir davon wegkommen, dass immer nur wir drei, vier Leute was machen. Dass wir alle mit einbinden und sich jeder so angesprochen und frei fühlt, so aktiv mitmacht wie die üblichen drei, vier Leute."

"Wenn da ein 12- oder 13-jähriges Mädchen oder ein Junge in dem Gremium sitzt, die oder der muss erst mal ein Jahr haben, um sich einzugewöhnen, um den Mund überhaupt aufzumachen."Martin Meyer, CDU-Fraktion

Martin Meyer (CDU-Fraktion) erklärte, das JuPa sei "die kleinste kommunale Ebene hier im Dorf". Seiner Meinung nach seien die Themen mitentscheidend, die sich die Jugendlichen vornehmen – ein "wildes" sei vormals der Zaun am Hartensbergsee gewesen. Vielleicht, so Meyer, sollte man überlegen, dass sich die künftigen JuPa-Mitglieder für die nächsten Jahre ein Thema auf Flyer schreiben. "Dann hat man auch Leute, die dahinter stehen." Dass immer nur die gleichen im JuPa mitmachen, führte Martin Meyer aus, liege auch ein bisschen am Alter. "Ab 12 können die gewählt werden. Wenn da ein 12- oder 13-jähriges Mädchen oder ein Junge in dem Gremium sitzt, die oder der muss erst mal ein Jahr haben, um sich einzugewöhnen, um den Mund überhaupt aufzumachen."

Eine Art Wahlprogramm, entgegnete Eva-Maria Meyer von der Gemeinde auf den Vorschlag ihres Vaters, sei eine gute Idee – aber schwierig umzusetzen, "weil jeder Kandidat praktisch nur für sich selbst kandiert. Er hat keine Gruppe hinter sich, die lernen sich erst kennen, wenn sie gewählt sind." Anne Scheele, wie Eva-Maria Meyer Ex-JuPa-Mitglied, und heute Ausschussvorsitzende, erinnerte an ihre eigene Zeit im Jugendparlament. Das sei rückblickend "großes Kino" gewesen. Das Konzept könne das JuPa unterstützen und bekräftigen, das "wild und locker Sein" solle gar nicht verschwinden. Es gehe eher darum, den Jugendlichen einen Fahrplan/Leitfaden an die Hand zu geben.

Mentor als Bezugs- und Vertrauensperson

Ausschussmitglied Johannes Böging (CDU) berichtete von der Erfahrung, dass man bei der ersten Jugendparlament-Sitzung "uns da gar nicht sehen wollte, weil wir die ganze Diskussion gehemmt haben. Keiner wollte was sagen." Die Jugendlichen bräuchten einen Ansprechpartner, der ihnen weiterhelfe – der könne in der Schule, in der Verwaltung oder im Rat sein. Es müssten sich Mentoren finden, "die aktiv drauf zugehen, aber natürlich nicht immer dabei sitzen und Händchen halten", verdeutlichte Maria Buschenhenke. Einer müsse sich zuständig fühlen. Ein Mentor sei eher eine Bezugs-, eine Vertrauensperson, ergänzte die IGG-Vorsitzende Christiane Lehmkuhl.
Die Mitglieder des Goldenstedter Jugendausschusses haben sich einstimmig für die Umsetzung des Unterstützungskonzeptes ausgesprochen. Rat und Verwaltungsausschuss befassen sich noch mit dem Thema.

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