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Jugendtreff erwacht aus dem Dornröschenschlaf

Für junge Lastruper ist die Einrichtung ein wichtiger Anziehungspunkt. Seit der Wiederöffnung steigen die Besucherzahlen. Täglich mittendrin ist die neue Leiterin Johanna Friese.

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Leitet den Jugendtreff: Johanna Friese fühlt sich in Lastrup wohl. Foto: Meyer

Leitet den Jugendtreff: Johanna Friese fühlt sich in Lastrup wohl. Foto: Meyer

Mittwoch, 15 Uhr. Im Jugendtreff ist noch nicht viel los. Nur ein Mädchen ist schon da. Die 13-Jährige wohnt erst seit einiger Zeit in Lastrup. Im Treff fühle sie sich wohl, sagt sie. "Sie hilft gern mit", ergänzt Johanna Friese und lächelt.

Die Diplom-Sozialarbeiterin ist ebenfalls ein neues Gesicht im Ort. Erst im Juli übernahm sie die Leitung als Ersatz für Franziska Evers, die in den Mutterschutz wechselte. Unterstützt wird Friese von Neele Koop. "Darüber bin ich sehr froh, denn ich kenne mich in Lastrup noch nicht so gut aus", sagt die Dinklagerin. Neben der Arbeit im Treff ist sie auch Ansprechpartnerin für Asylsuchende und Flüchtlinge. Berufserfahrung hat die 57-Jährige mehr als genug. Im Auftrag der Kreishandwerkerschaft Vechta begleitete sie zuletzt junge Erwachsene. Im Landkreis Cloppenburg hat sie ihr Arbeitgeber, das Caritas-Sozialwerk, zum ersten Mal eingesetzt. 

Ihr Alter spiele im Alltag eigentlich keine Rolle, sagt sie. "Aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen sind Erwachsene ja immer alt, egal ob sie 30 oder 60 sind." Der Umgang mit ihnen mache ihr aber nach wie vor Spaß. Und das hätten auch die Treffbesucher schnell gemerkt.

Die trudeln jetzt langsam ein. "Die Jüngeren kommen meistens zuerst", sagt Friese, die jedes Kind freundlich mit seinem Vornamen begrüßt. Sie selbst werde ganz unterschiedlich angesprochen.  "Mal siezen sie mich, mal heißt es du, Frau Friese. Es geht alles durcheinander", berichtet sie belustigt. Die Anrede sei ihr egal. "Wichtig ist mir aber, dass wir uns mit Höflichkeit und auf Augenhöhe begegnen." Und das klappe im Allgemeinen gut.

Nach dem Lockdown kamen viele Jüngere

Monatelang war der Jugendtreff während der Pandemie geschlossen. Als er wieder öffnen durfte, blieben viele der früheren Besucher weg. "Sie waren uns inzwischen entwachsen", sagt Friese.  Dafür schauten gleich zu Beginn zahlreiche Jüngere zur Tür herein. Der Treff hatte mit Erfolg um sie geworben. Besucht werden darf die Einrichtung von Schülern ab der 5. Klasse. Neben "Stammkunden" tauchen jetzt immer wieder neue Gesichter auf. Rund 50 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene hat Friese inzwischen kennengelernt. 12 bis 15 sind es täglich im Schnitt. "Und ich habe das Gefühl, da kommen bald noch mehr."

Der Jugendtreff besteht im Wesentlichen aus einem großen Raum. In der Mitte steht ein schwerer Billardtisch. Friese würden ihn gern durch einen neuen ersetzen. Rollbar müsste er sein, sagt sie, denn der alte sei zwar ein oft genutztes Spielgerät, nehme aber auch viel Platz weg. Mindestens genauso beliebt sei die Daddelecke. Auf dem großen Flachbildschirm treten gerade Elfmeterschützen zum Showdown an. Das W-Lan sei ganz o.k., heißt es lobend. Gegen Computerspiele hat Johanna Friese nichts, solange sie gewaltfrei bleiben. "Auf diese Dinge muss ich natürlich achten."

Spielen mit Maske: Die Coronaregeln werden im Treff akribisch eingehalten. Foto: MeyerSpielen mit Maske: Die Coronaregeln werden im Treff akribisch eingehalten. Foto: Meyer

Der Umgang mit sozialen Medien und dem Internet im Allgemeinen sei im Treff ein Dauerthema. Die Wissenslücken seien groß, bestätigt die Leiterin. Dass man in Deutschland  mindestens 16 Jahre alt sein muss, um sich bei Facebook, Instagram und Co. anzumelden, sei den meisten nicht klar. Das Smartphone sei allgegenwärtig. "Die Jugendlichen kommunizieren ständig über Dritte, die gar nicht im Raum sind", erzählt Friese. Schulthemen spielten aber kaum eine Rolle. "Es geht vor allem um Beziehungen." Manchmal tragen die Ankommenden auch ihre Konflikte im Treff aus. Schnelles Handeln sei dann gefragt.

Friese versucht es mit Ablenkung. Bei den meisten Streithähnen funktioniere die Methode. "Sie kennen unsere Spielregeln, haben aber nicht immer Lust, sich an sie zu halten." Mit erzieherischer Strenge komme man da nicht weiter, ist sie überzeugt. Letztlich müssten die Jugendlichen selbst zwischen Falsch und Richtig unterscheiden. Sie selbst könne diesen Prozess nur begleiten. "Verhalten sie sich dann trotzdem anders, als ich es erhofft habe, darf ich das nicht persönlich nehmen." Der Satz, "du hast mich enttäuscht", käme Johanna Friese so jedenfalls nie über die Lippen.

Mehr Workshops und Kreativangebote geplant

Wie lange die Dinklagerin den Treff leiten wird, steht zurzeit nicht fest. Gemeinsam mit Neele Koop schmiedet sie aber bereits Pläne für die Zukunft. Die Einrichtung solle nicht nur Anlaufpunkt sein, sondern die jungen Besucher mit Workshops auch kreativ ansprechen. Um die unterschiedlichen Gruppen parallel zu bedienen, wären bauliche Änderungen ebenfalls nicht schlecht. Bald wird im Rathaus ein neuer Jugendausschuss gebildet. Die Leiterin würde ihm den Treff gern einmal zeigen. "Es ist einiges in Bewegung", sagt sie. Ob Lastrup ein guter Ort zum Aufwachsen ist? "Ich finde, dass das Land dafür grundsätzlich gut geeignet ist", sagt Johanna Friese.

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