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Jugendliche und Corona: "Mir fehlt die Freiheit"

Mehr Zeit für Hobbys, fürs Spazierengehen und Tee trinken: Vier Jugendliche erzählen, wie Corona ihr Freizeitverhalten verändert hat und was sie am meisten vermissen.

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Spazieren gehen statt Fußball: Theresa Tegenkamp (von links), Timo Koopmann, Ziema Brand und Luca Benten, hier in der Aula der Realschule, haben sich zwar mit Corona arrangiert, vermissen aber dennoch ihre Freiheit. Foto: Stix

Spazieren gehen statt Fußball: Theresa Tegenkamp (von links), Timo Koopmann, Ziema Brand und Luca Benten, hier in der Aula der Realschule, haben sich zwar mit Corona arrangiert, vermissen aber dennoch ihre Freiheit. Foto: Stix

Corona hat das Schulleben bekanntermaßen gehörig durcheinandergewirbelt. Doch auch vor der Freizeit der Kinder und Jugendlichen hat das Virus nicht Halt gemacht. Die Realschülerinnen und -schüler Luca Benten, Ziema Brand, Timo Koopmann und Theresa Tegenkamp haben deshalb, wie vermutlich die meisten ihrer Altersgenossen auch, ihr Freizeitverhalten im vergangenen Jahr ganz pragmatisch den Verhältnissen angepasst. Manches ist auch einfach gleich geblieben, anderes wird schmerzlich vermisst.

"Ich mache jetzt mehr mit meiner Familie und gehe beispielsweise mit meiner Mutter spazieren", sagt etwa der 16-jährige Timo Koopmann. "Das hätte man früher nicht gemacht, aber jetzt hat man ja viel mehr Zeit", erläutert er. Zeit, die er durchaus auch genieße. Außerdem habe er das Krafttraining mit Gewichten jetzt wieder angefangen und nicht zuletzt treffe er sich gelegentlich mit Luca zum Teetrinken. "Wir sind gute Kumpels."

"Es hilft, einen guten Kumpel zu haben. Da ist man nicht den ganzen Tag allein."Luca Benten, Schüler

Luca Benten gibt den Ball sofort zurück. "Es hilft, einen guten Kumpel zu haben", sagt er. "Da ist man nicht den ganzen Tag allein." Seine Corona-Freizeit verbringe er ansonsten noch häufiger als sonst als Helfer auf dem Hof des Vaters im Emsland oder abends vor der Playstation. "Da spiele ich dann mit Kumpels zusammen und wir machen Party", erzählt er. "Das haben wir aber auch vor Corona schon gemacht, jetzt machen wir es halt einfach etwas häufiger."

Letztlich haben die sozialen Medien keinen bedeutend größeren Anteil am Freizeitverhalten der vier bekommen als vorher. "Im Netz spielen hat man vor Corona ja auch gemacht", sagt Timo, und auch Theresa Tegenkamp lässt erkennen, dass WhatsApp oder andere Kommunikations-Apps dann eben doch kein Ersatz für das persönliche Treffen seien. Nur Ziema Brand hat mit der Videotelefonie-Software Zoom eine neue Plattform entdeckt. "Ich mache gerade Führerschein und wir hatten kürzlich unsere erste Theoriestunde über Zoom", erzählt sie. "Das machen wir jetzt zweimal in der Woche."

"Ich hatte vor 14 Tagen Geburtstag, da habe ich halt dreimal mit jeweils einer Person gefeiert."Luca Benten, Schüler

Ansonsten aber nehmen bei ihr und bei Theresa die Hobbys, die sie vor Corona schon hatten, jetzt einfach mehr Raum ein. "Und wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, dann gehe ich raus an die frische Luft", sagt Ziema. "Sehr viel anderes kann man ja momentan nicht machen."

Das andere, das sind die Sachen, die sie vermissen. Das Reiten ist es bei Theresa und Ziema, das Fußballspielen beim SV Altenoythe bei Timo, und Luca fehlt die Spontaneität, die Möglichkeit, sich mit mehreren Freunden zu treffen. "Ich hatte vor 14 Tagen Geburtstag, da habe ich halt dreimal mit jeweils einer Person gefeiert", erzählt er.

"Mir fehlt die Freiheit, mal Eis essen zu gehen, was mit Freunden zu machen, ins Schwimmbad zu gehen."Theresa Tegenkamp, Schülerin

Und auf einmal taucht er auf, der Begriff, der wie ein Gegenteil zu Corona wirkt. "Man vermisst die Freiheit", konstatiert Timo. "Mir fehlt die Freiheit, mal Eis essen zu gehen, was mit Freunden zu machen, ins Schwimmbad zu gehen", bricht es aus Theresa heraus. "Es gab mal einen Punkt, wo alles zu viel war", erzählt sie. "Da wollte ich vor all dem weglaufen, einfach frei sein."

Trotzdem können die Jugendlichen die Einschränkungen, die mit Corona einhergehen, verstehen und akzeptieren. "Das ist schon sinnvoll mit den Masken und den geschlossenen Läden", sagt etwa Timo. "Man schützt sich damit ja selbst und eben auch andere. Ich denke da auch an Oma und Opa, die wollen ja auch noch ein paar Jahre leben."

Dem stimmen auch Theresa und Ziema zu, auch wenn ihnen es ihnen schwerfällt, das Reitverbot zu verstehen. "Man sitzt doch nicht zu zweit auf einem Pferd", sagt Ziema. "Andererseits, wenn was passiert und man ins Krankenhaus muss, dann ist das ja auch doof, wenn die Plätze doch für Coronapatienten gebraucht werden."

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