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Jugendkriminalität: Wenn das Gehirn Vollgas gibt, aber keine Bremsen hat

Vertreter der Jugendhilfe im Strafverfahren, der Bewährungshilfe des Amtsgerichts sowie der Suchtberatungs- und weiterer Stellen haben sich zum Thema "Jugendkriminalität" ausgetauscht.

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Symbolfoto: dpa

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Auf Einladung des Landkreises Cloppenburg haben sich nun Vertreterinnen und Vertreter der Jugendhilfe im Strafverfahren, der Bewährungshilfe, des Amtsgerichts sowie der Suchtberatungsstellen, der Polizei und des Caritas-Sozialwerkes zum Thema Jugendkriminalität ausgetauscht.

Unisono konstatierten die beteiligten Fachkräfte laut einer Mitteilung eine positive Entwicklung im Bereich der Kriminalitätsentwicklung. Einigkeit herrschte bei den Vertretern der Sozialen Arbeit, Justiz und Polizei darüber, dass seit 2010 eine deutlich abnehmende Zahl der Verbrechenstatbestände im Jugendbereich zu verzeichnen sei.

Sorge bereitet allerdings der in dieser Altersklasse weit verbreitete Konsum illegaler Suchtmittel, insbesondere von Cannabis und Amphetaminen. „Das ist weiter verbreitet, als auf den ersten Blick ersichtlich“, resümierte Landkreis-Mitarbeiterin und Organisatorin des Treffens, Rita Kessing. Nach einem intensiven Austausch und einer differenzierten Erörterung der Entwicklung in den 13 Städten und Gemeinden des Landkreises waren sich die Fachvertreterinnen und Fachvertreter einig, dass die Kooperation der verschiedenen Verfahrensbeteiligten positiv zu bewerten und ein erneuter Austausch am „Runden Tisch“ im kommenden Jahr sinnvoll sei.

Tauschten sich im Kreishaus aus: Die mit Jugendkriminalität befassten Expertinnen und Experten aus dem Landkreis Cloppenburg. Foto: Landkreis Cloppenburg  RühlTauschten sich im Kreishaus aus: Die mit Jugendkriminalität befassten Expertinnen und Experten aus dem Landkreis Cloppenburg. Foto: Landkreis Cloppenburg / Rühl

Seit 2015 treffen sich die Experten jährlich

Rita Kessing vom Landkreis Cloppenburg freute sich, heißt es weiter in der Mitteilung aus dem Kreishaus, das Treffen nach 2-jähriger Corona-Zwangspause wieder organisieren zu können. „Seit 2015 treffen wir uns jährlich in dieser Aufstellung. Wir wollen gemeinsam auf die aktuelle Situation schauen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. In dieser Runde besprechen wir neue Gesetzgebungen und Probleme vor Ort“, sagt Kessing. Die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Fachstellen liefe auch durch diesen Austausch sehr unproblematisch.

Neben dem Austausch der Experten untereinander gab es einen Fachvortrag: Dr. Angela Wenzel, Chefärztin der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn, betonte in ihrem Eingangsreferat, dass sich das Gehirn von Pubertierenden in der Entwicklung befindet. In diesem Übergang vom Kind zum Erwachsenen verlaufen die Reifungsprozesse der verschiedenen Gehirnregionen verschieden schnell. Impulsivität, Stimmungsschwankungen und Spontantaten seien unter anderem das Ergebnis dieses Prozesses. „Vergleichen Sie die Hirnreifung eines Jugendlichen mit einem Pkw, so funktioniert das Gaspedal schon zu 100 Prozent, die Bremsen sind aber noch nicht voll funktionsfähig“, so die Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Straftaten im Jugendalter kommen vor diesem Hintergrund in allen Bevölkerungsschichten vor. Sie verbleiben in der Mehrzahl der Fälle im Bagatellbereich und verlieren sich mit zunehmendem Alter und der Übernahme von erwachseneren Rollen von allein. Ausschließlich ein Prozentsatz von 10 bis 15 Prozent liefert Anlass zur Sorge aufgrund ihrer Mehrfachauffälligkeit.

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