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Josef Willenborg geht nach 62 Arbeitsjahren in den Ruhestand

Josef Willenborg hat einfach Spaß an der Arbeit als Kfz-Mechaniker. Und hat deshalb auch nach dem Renteneintritt vor 13 Jahren einfach weitergemacht. Jetzt, mit 77, ist Schluss. Oder auch nicht.

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Ruhestand mit 77: Josef Willenborg (5. von links) im Kreise seiner Kollegen am letzten Arbeitstag nach 62 Berufsjahren. Foto: Stix

Ruhestand mit 77: Josef Willenborg (5. von links) im Kreise seiner Kollegen am letzten Arbeitstag nach 62 Berufsjahren. Foto: Stix

Irgendwann muss dann auch für Josef Willenborg mal Schluss sein mit Arbeiten. So nach 62 Berufsjahren etwa. Am 1. April 1960 hatte Willenborg seine Lehrstelle als Kfz-Mechaniker angetreten, in Rente ist er eigentlich seit 2009. Deswegen die Arbeit vollständig einzustellen, kam für ihn allerdings überhaupt nicht infrage. "Die Arbeit, der Beruf, das macht doch Spaß", sagt er. Und hat einfach im Rahmen dessen, was rechtlich möglich war, bei seinem bislang letzten Arbeitgeber weitergemacht. Erst mit 77 haben ihn kürzlich sein Chef Reinhold Janssen und die Kollegen aus Werkstatt und Kfz-Handel in den Ruhestand verabschiedet.

Die Stationen seines Arbeitslebens hat Willenborg fast minutiös im Kopf. Nach der Lehre – 45 Mark monatlich gab es im 1. Lehrjahr, immerhin 75 Mark im 3.  – und der Gesellenprüfung zum Kfz-Mechaniker im Jahr 1963 wechselte er zu einer VW-Vertretung nach Molbergen. "18 Monate war ich dort, 2 Winter lang bin ich mit dem Moped von Bösel nach Molbergen gefahren", erzählt er. "Da bin ich oft steifgefroren angekommen."

Arbeitsamt sieht keine Möglichkeit für neuen Job

Da war die nächste Station, die Firma Tepe in Thüle, schon deutlich näher. 4 Jahre arbeitete er dort, 1969 wechselte er dann zu Brinker in Friesoythe – und blieb für die nächsten 33 Jahre. Es folgten 4 Jahre bei Robert Janssen in der Elbestraße, und dann, als 2007 ein neuer Job her musste, die böse Überraschung. "Da war ich 62 und das Arbeitsamt hat zu mir gesagt, eine neue Stelle könne ich in dem Alter vergessen, da gebe es Jüngere", erzählt Willenborg. 2 Jahre lang hätte er bis zum Rentenbeginn Arbeitslosengeld beziehen sollen, "'Sie bekommen sowieso keinen neuen Job', hat man mir gesagt", erinnert er sich – und die Empörung ist ihm auch 15 Jahre später noch anzumerken.

Einen Job fand er, trotz der Zweifel der Arbeitsvermittler, dann im Kfz-Handel und der Autowerkstatt von Reinhold Janssen. Und beschloss, auch nach dem Renteneintritt 2009 weiterzumachen – zumindest dann, wenn er gebraucht wurde. Denn da war ja noch der Spaß an der Arbeit.

„Ich hab noch richtig am Vergaser gelernt und dann die ganze Entwicklung mitgemacht.“Josef Willenborg

Den fand der Kfz-Mechaniker vor allem, wenn er einen Mercedes auf die Hebebühne bekam. "Die Jungs haben’s echt drauf", sagt er und schwärmt von der guten Verarbeitung und davon, dass man die Autos einfach gut reparieren könne. Obwohl sich im Laufe der Jahre sehr viel geändert habe. "Ich hab noch richtig am Vergaser gelernt und dann die ganze Entwicklung mitgemacht", sagt der 77-Jährige. "Unterbrecherkontakte einstellen, das lernen die jungen Leute heute doch gar nicht mehr", sagt er.

Im Laufe der Zeit sei aus dem Mechaniker der Mechatroniker geworden, habe die Elektronik das Auto erobert. 1975 ging es damit los, erinnert er sich. "Da fing das an, dass man als Erstes den Fehlerspeicher auslesen muss, bevor man was macht." Noch sei er drin im Thema Elektrik, "aber wenn man erst mal 6 Monate raus ist, dann ist man raus", ist er sich sicher. Außerdem sei es im Motorraum immer enger geworden. "Da muss auf wenig Raum immer mehr rein", bedauert er. "Ein paar Zentimeter mehr Luft zum Arbeiten wären für uns schon gut."

Im Laufe seines Arbeitslebens hatte Willenborg so ziemlich jeden Autotyp unter den Händen, und zu jedem kann er Vor- und Nachteile nennen, Anekdoten erzählen. Und natürlich hat er einen Favoriten: "Vom Fahren her geht nichts über Alfa", versichert er. "Das sind keine perfekten Autos, aber fürs Fahren würde ich mir immer wieder einen kaufen."

Jetzt, im Ruhestand, hätte er fürs Fahren genug Zeit. "Wir wollen alles ein wenig locker angehen", sagt Ehefrau Edeltraud. Auf der anderen Seite: Wenn in der Werkstatt wirklich Not am Mann ist, dann – da sind sich Chef und Mitarbeiter einig – kann und will der Vollblutmechaniker Willenborg jederzeit einspringen. Der Spaß an der Arbeit, wie gesagt.

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