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Josef Blömer ist seit 40 Jahren Wetterfrosch

Am 12. August 1981 nahm Josef Blömer seine erste Wetterstation in Betrieb. Heute hat er seine eigene Wetter-Homepage. Aus den Aufzeichnungen der letzten 40 Jahre zieht er bittere Erkenntnisse.

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Mehr als nur ein Hobby: Josef Blömer checkt die Messungen seiner Wetterstation. Foto: Bernhardt

Mehr als nur ein Hobby: Josef Blömer checkt die Messungen seiner Wetterstation. Foto: Bernhardt

Ein besonderer Tag für Josef Blömer: Am Donnerstag vor 40 Jahren, hat der Dinklager mit seinen privaten Wetteraufzeichnungen begonnen. In dieser Zeit ist er von einem interessierten Teenager mit selbst gebauter Wetterstation zu einem Experten mit hochmodernen Messstationen herangewachsen – eine Geschichte, die sowohl den Geist der Zeit als auch die aktuellen Probleme abbildet. 

12. August 1981: Der 14-jährige Josef leiht sich aus der Bücherei das Buch "Wie wird das Wetter?" aus. Daraufhin baut er sich im Garten eine Wetterstation in einer Apfelsinenkiste. Aus Flasche, Ballon und Strohhalm wird fix ein Barometer gemacht. Er beginnt, in einem kleinen DIN-A5-Heft seine Messungen und Beobachtungen zu dokumentieren. Die Windstärke schätzt er. 

Das Hobby entwickelte sich mehr und mehr zu einer Leidenschaft. Zu Weihnachten 1981 bekam er eine analoge Wetterstation mit Barometer, Hygrometer und Thermometer geschenkt. Jahrelang maß er 3-mal pro Tag Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag - 7 Uhr, 14 Uhr und 19 Uhr.

Digitaler Wandel: Vom DIN-A5-Heft zur eigenen Homepage im World Wide Web. Foto: BernhardtDigitaler Wandel: Vom DIN-A5-Heft zur eigenen Homepage im World Wide Web. Foto: Bernhardt

Im Januar 1988 schließlich machte der Dinklager sein Hobby zum Beruf: Er begann die Wetterdienstausbildung beim geophysikalischen Beratungsdienst der Bundeswehr in Fürstenfeldbruck. 1991 folgte die Schließung der Station. Aus diesem Grund begann er noch im selben Jahr ein Studium im Vermessungswesen an der Fachhochschule in Oldenburg. Seinem Hobby ging der Wetterfrosch in dieser Zeit weiterhin zielstrebig nach. Heute ist er Angestellter des Landkreises Diepholz.

Ab 2000 begann nicht nur bei der Zeitrechnung ein neues Zeitalter - auch das digitale Zeitalter war gekommen. Ab diesem Zeitpunkt wurden alle Parameter digital aufgenommen und ausgewertet. Die handgeschriebenen Heftchen waren Geschichte, Excel war jetzt die moderne Form der Dokumentation. Am 1. Januar 2001 dann der vorläufige Höhepunkt: Josef Blömer geht mit seiner eigenen Wetterhomepage online. Von hier schickt er stündlich die Wetterdaten aus Dinklage in die weite Welt. Vom heimischen Garten aus werden die Daten mittels Sensoren automatisch übertragen und zur Empfangseinheit ins Büro geschickt. 

Klimawandel ist nicht nur global zu beobachten

Eine Erkenntnis, die der Wetterexperte aus seinen Aufzeichnung der vergangenen 40 Jahre ziehen kann: Der Klimawandel ist nicht nur global allgegenwärtig, sondern auch im Oldenburger Münsterland zu belegen. Nach einst vereinzelten kalten Wintern und heißen Sommern häuften sich die Wetterextreme besonders in den vergangenen 5 Jahren. 

Im September 2016 konnte Blömer beispielsweise heiße Sommertage mit Temperaturen von bis zu 30 Grad aufzeichnen, der Sommer 2018 hingegen gelte laut der Daten schon als ein Jahrhundertsommer. Das Thermometer kletterte auf bis zu 36,2 Grad. Extreme Dürre und Hitze prägten die Monate. Der Sommer 2019 war ebenfalls ein Jahrhundertsommer. Der Allzeithitzerekord, den der Wetter-Fan je in Dinklage aufgezeichnet hat, lag damals bei 38,7 Grad.

Weitere Erkenntnis: Der April 2020 war laut Blömers Aufzeichnungen der 2.-trockenste Monat in diesem Jahrtausend - der Winter 2021 hingegen von starken Gegensätzen geprägt. Bis zum 14. Februar gab es starken Schneefall, eine Woche später bereits frühlingshafte Temperaturen mit 18,5 Grad. Das aktuelle Jahr zeige sich gleichzeitig als deutlich kühler, betrachte man zum Vergleich die Vorjahre.

Wetterbeobachtungen zeigen einen bitteren Trend auf

Josef Blömer betont: "Der Temperaturanstieg knickt zwar vereinzelt zwischen den Jahren mal ab, doch über längere Zeiträume betrachtet, werden die Sommer immer heißer und trockener. Lange Dürreperioden und Starkregen werden ebenfalls immer häufiger." Sein Fazit: Die Beständigkeit fehlt. Der Mensch könne sich nicht mehr in gewohnter Weise auf Wetter und Jahreszeiten verlassen, wie es vor wenigen Jahrzehnten noch der Fall war. 

"Die Verbindung mit dem Wetter ist auch immer etwas Emotionales. Oft sprechen die Großeltern davon, dass sie noch richtige Winter miterlebt haben. Man verbindet das Wetter eben mit bestimmten Ereignissen", erklärt der Dinklager. Für ihn steht fest: Egal, welche Ereignisse das Wetter in Zukunft für die Menschheit bereithält - für Dinklage wird Josef Blömer sie allesamt dokumentieren. 

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