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Johanna ist Missionarin auf Zeit mitten in Afrika

Im August hat die Ermkerin ihr Abenteuer Ruanda angetreten. Die 19-Jährige berichtet von ihren ersten Erfahrungen und wie sie in dem Land aufgenommen wurde.

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Unterricht: Bis zu 40 Kinder gehen in Ruanda in eine Klasse. Foto: Rump

Unterricht: Bis zu 40 Kinder gehen in Ruanda in eine Klasse. Foto: Rump

Vieles würde anders sein. Darüber war sich Johanna Rump aus Ermke im Klaren, als sie vor wenigen Wochen ihren Flug nach Afrika antrat, um als Missionarin auf Zeit in Ruanda zu leben und zu arbeiten. Andere Sitten und Gebräuche, andere Essen und andere Kleidung. Der Applaus und der Jubel während der Wandlung in der sonntäglichen Messe war dann aber auch für sie ein überraschender Unterschied. "Abgesehen vom Vater Unser verstehe ich leider auch noch nicht so viel, da die Messe auf Kinyarwanda gehalten wird. Durch den bekannten Ablauf ist es trotzdem gut möglich zu folgen."

In einem Rundbrief informiert sie ihren Freundes- und Bekanntenkreis, wie es ihr in den vergangenen Wochen ergangen ist, nachdem sie am 20. August das erste Mal in ihrem Leben überhaupt ein Flugzeug bestiegen hat. Ganz alleine war sie dabei nicht, denn weitere Missionare auf Zeit hatten sich mit ihr auf den Weg gemacht. In der Landeshauptstadt Kigali war erst einmal ein PCR-Test fällig. Bis das Ergebnis vorlag, wurde ein Quarantäne-Hotel bezogen und dank eines negativen Bescheids wartete schon am nächsten Morgen eine Schwester auf sie, um sie zur Einsatzstelle nach Masaka zu fahren.   Das eigentliche Ziel ist Kibeho, doch für das Visum galt es noch Formalitäten zu klären.

Auf der Straße angebettelt worden

"Leider ist es so, dass wir als Muzungus (Weiße) oft auf dem Markt bedrängt wurden, etwas zu kaufen. Wir wurden teilweise von Stand zu Stand gezerrt", berichtet die begeisterte Musikerin und Fußballerin von unschönen Erlebnissen. "Auch auf der Straße bettelten uns des Öfteren Kinder oder aber auch Erwachsene an und fragten nach Geld. Häufig werden wir auch angestarrt." Teilweise ist dies vermutlich auch reine Neugierde. "Die Menschen hier vor Ort sind in der großen Gruppe keine weißen Menschen gewöhnt. Ich hoffe, dass es in einer kleineren Gruppe nicht mehr so ausgeprägt sein wird."

Der Empfang durch die Schwestern ist allerorts mehr als herzlich, beschreibt die junge Ermkerin. "Es wurde wegen unserer Ankunft ein Festessen zubereitet", schwärmt sie. Allgemein beschreibt sie die Speisen als lecker, wenngleich auch Reis, Bohnen, Kohl, Möhren und  Süßkartoffeln zurückhaltend gewürzt werden. Doch der Südoldenburger Magen muss sich daran erst einmal gewöhnen, was Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen zur Folge hatte und einen Arztbesuch erforderlich machte. "Die Lebensmittel müssen gut gewaschen werden. Wenn möglich, werden sie geschält und gekocht. Für mich ist es immer noch sehr ungewohnt, Tomaten zu schälen." Salate aus ungekochtem Obst und Gemüse sucht man vergebens.  

Ankunft: Nach dem negativen PCR-Test wurden die Missionarinnen auf Zeit von einer Schwester abgeholt. Foto: RumpAnkunft: Nach dem negativen PCR-Test wurden die Missionarinnen auf Zeit von einer Schwester abgeholt. Foto: Rump

Wie luxuriös Wasch- und Spülmaschinen sind, das weiß man erst zu schätzen, wenn man sie nicht zur Verfügung hat. Beides von Hand zu erledigen, nimmt viel Zeit in Anspruch und führte bei Johanna zu wund gescheuerten Händen. Angehende Schwestern zeigten ihr, wie man dies schonender erledigt. Andererseits ist diese Arbeit auch ein kommunikativer Prozess, meint die 19-Jährige. 

Die Kinderbetreuung ist eine der Aufgaben, die den Missionaren auf Zeit zufällt. "Bei der Schule in Ruhango handelt es sich um eine Nursery School, in der Kinder von 3 bis 5 Jahren in drei Sprachen (Kinyarwanda, Englisch und Französisch), Sport, Kunst, Musik und Mathe unterrichtet werden. 40 Kinder gehen in eine Klasse." Die Kommunikation klappt prima und wenn nicht gerade Schulstoff unterrichtet wird, wird gesungen und getanzt. 

Von 21 bis 4 Uhr gilt eine landesweite Ausgangssperre

Corona wird in Ruanda ernst genommen, auch wenn nicht überall, wo es angeordnet ist, eine Maske getragen wird. Auch die erst dreijährigen Kinder sollen eine Bedeckung für Mund und Nase tragen, "aber sie sehen sie eher als Spielzeug." Von 21 bis 4 Uhr gilt eine landesweite nächtliche Ausgangssperre und für viele touristische Aktivitäten ist ein negativer PCR-, Schnell- oder Selbsttest erforderlich. Was sie dort alles gesehen hat und wie gefeiert wird, das erzählt sie demnächst in einem weiteren Bericht.  


Fakten:

  • „MaZ“ steht für „Missionarin auf Zeit“ und ist ein internationaler Freiwilligendienst, der vom Orden der Pallottinerinnen angeboten wird.
  • Dieses Programm ermöglicht den Freiwilligen, sich in einem Projekt einer Ordensgemeinschaft im Einsatzland zu engagieren.
  • Weitere Infos auf www.pallotti-maz.de und www.maz-freiwilligendienst.de.

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