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Jochen Freese will Dinge wachsen sehen

Der Brückenbauer schafft viele Verbindungen. Das galt für seine Arbeit als Ingenieur ebenso wie für sein Engagement in Vereinen.

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Wahre Worte: Den Wandel in der Natur erlebt Jochen Freese gleich hinter seinem Haus. Foto: Thomas Vorwerk

Wahre Worte: Den Wandel in der Natur erlebt Jochen Freese gleich hinter seinem Haus. Foto: Thomas Vorwerk

Jochen Freese ist ein Brückenbauer. Als Ingenieur hat er so manche Querung im Umkreis von 100 Kilometern kon­s­truiert, doch seine Qualitäten als Verbinder sind auch an anderen Stellen gefragt. So hat er die Handballabteilung des SV Cappeln aus der Taufe gehoben, engagiert sich seit der Gründung im Heimatverein und berät sich im Arbeitskreis Dorfentwicklung mit den weiteren Mitgliedern.

Dass es ihn überhaupt nach Cappeln verschlagen hat, ist ein kleines Wunder. Der waschechte Friese entstammt einer äußerst heimattreuen Familie und „ich war der Erste, der den Landkreis verlassen hat“, berichtet der 73-Jährige mit einem Lachen. Bereut hat er diesen Schritt nicht.

Jobangebot hing am schwarzen Brett

„Schuld“ war die Cappelner Firma Bock. Nach seiner Lehre als „Maurer und Betonbauer“ und seinem Studium „Ingenieurbau mit Schwerpunkt Brückenbau“ in Oldenburg fand er am schwarzen Brett ein Stellenangebot. Zusammen mit einem Studienkollegen machte er sich auf den Weg nach Cappeln. „Ein eigenes Auto hatte ich damals nicht.“ Nach dem Bewerbungsgespräch sollte sich dies sofort ändern, denn der Dienstwagen gehörte für den Berufsstarter dazu. Und mit dem ging es nach Rastede, wo Bock seinerzeit eine Außenstelle unterhielt – heimatnah . Ganz lange sollte er den kurzen Arbeitsweg aber nicht genießen. 1972 wurde er zur Zentrale bestellt, um eine Krankheitsvertretung zu übernehmen.

Pendeln wurde auf Dauer zu anstrengend

„Die Famila-Brücke und die Bürgermeister-Heukamp-Straße in Cloppenburg waren meine ersten Projekte.“ Zurück nach Rastede? Da hatte der Chef andere Pläne mit ihm. Pendeln, zu einer Zeit, als es die Autobahn Richtung Wilhelmshaven noch nicht gab, war aber auf Dauer anstrengend. Also wurde zunächst eine Wohnung bezogen und später an der Amselstraße das Eigenheim errichtet. Vieles mit den eigenen Händen, unter anderem hat er die Eichenbalken bearbeitet, die bei einem Brückenrückbau in der Nähe von Osnabrück übrig geblieben waren und seither das Kaminzimmer stützen.

Der Brückenbau war da gerade erst seit ein paar Jahren im Portfolio von Bock, nachdem eine Firma aus Brokstreek übernommen wurde. Freese wurde mit der Leitung beauftragt, „obwohl ich in der Praxis noch nie eine Brücke gebaut hatte“. Das Geschäft florierte und noch heute fährt er auf den Autobahnen 28, 29 und 1 regelmäßig über seine eigenen Konstruktionen.

Liebt den Garten: Im Winter ist nicht so viel zu tun, aber die Wildvögel behält Jochen Freese im Blick und füttert sie. Foto: VorwerkLiebt den Garten: Im Winter ist nicht so viel zu tun, aber die Wildvögel behält Jochen Freese im Blick und füttert sie. Foto: Vorwerk

1986 gab es für den zweifachen Familienvater aber eine einschneidende Veränderung: Das Cappelner Straßenbauunternehmen Bock meldete Konkurs an. Angebote von anderen Firmen gab es wohl, doch dafür hätte er seine neue Heimat verlassen müssen. Zusammen mit seinem Emsteker Kollegen Josef Kolbeck wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit. Einige Leute nahmen die beiden mit und hoben sodann mit Freko ein bis heute angesehenes Unternehmen aus der Taufe. Auch wenn er mittlerweile seit ein paar Jahren offiziell im Ruhestand ist, unterhält er immer noch ein kleines Beratungsbüro und ist für Firmen sowie Kommunen in Sachen Brückenbau tätig.

Für Hobbys blieb trotzdem Zeit

Zehn Stunden Arbeit am Tag, das war in den 70er Jahren und zu Beginn der 80er die Norm. Auch samstags war auf den Baustellen Betrieb und dennoch blieb Jochen Freese Zeit für Hobbys. Neben der Kegelgruppe war dies der Vereinssport. „Der Fußball dominierte den SV Cappeln und ich habe auf einer Generalversammlung gefragt, warum das so ist?“ „Mach doch selber was“, bekam er als Antwort zu hören. „Da hatte ich mich wohl etwas weit aus dem Fenster gelehnt, aber da ich aus dem Handball komme, wollte ich das auch wohl.“ Zum Schnupper-Termin kamen 40 Kinder und davon blieben 36 bei der Stange. Irgendwann gab es den Liga-Betrieb und Turniere in Spanien und Dänemark wurden besucht. „Da kann man die Jungs, die heute um die 50 Jahre alt sind, immer noch nach fragen. Das waren tolle Fahrten.“

Heute noch sichtbar ist auch das Engagement im Heimatverein. Entlang der Cloppenburger Straße wurden auf Initiative der Gruppe in den 80er Jahren Bäume gepflanzt, die immer noch den Straßenverlauf markieren. Der Dorfpark wurde nebst Teich gestaltet und die Grillhütte kam hinzu. „Wenn man was tun will und sieht, dass es wächst, ist das eine große Befriedigung.“ Dafür mussten aber auch manche Klinken geputzt werden, denn die Finanzierung war nicht immer gesichert. Viele Obstbäume wurden angepflanzt und in der gesamten Gemeinde machen vom Heimatverein errichtete Tafeln auf besondere Plätze aufmerksam.

Jugend mit einbezogen

In der Dorfentwicklung mitzuarbeiten, ist ihm eine Herzensangelegenheit und dabei hat der ehemalige Handballtrainer wiederum den Nachwuchs im Auge. „Wir haben bei der Neugestaltung des Dorfplatzes die Jugend mit einbezogen und sind zusammen mit den Fachplanern auf einen Nenner gekommen“, freut sich Freese.

In der Ortsmitte zeichnet sich mit den Abrissarbeiten derweil ab, dass die Dorfentwicklung im Zentrum sichtbare Formen annimmt. „Ich habe die Hoffnung, in ein paar Jahren auf alles zu blicken und festzustellen: Das haben wir Cappelner gut hinbekommen.“

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