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Je später der Abend in Damme, desto närrischer die Gäste

Als Ello Quach am 8. Oktober um 20.33 Uhr die Haustür öffnete, ahnte er noch nicht, dass er einige Wochen später Carnevalsprinz sein würde. Aber zwei Kürväter begehrten Einlass.

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Viermal Helau: Prinz Ello Quach (vorne) regiert mithilfe seiner Hofstaatsmitglieder (hinten, von links) Christian Macke, Christian Komosin und Jan Sutmöller den DCC. Foto: Lammert

Viermal Helau: Prinz Ello Quach (vorne) regiert mithilfe seiner Hofstaatsmitglieder (hinten, von links) Christian Macke, Christian Komosin und Jan Sutmöller den DCC. Foto: Lammert

Je später der Abend, desto interessanter die Gäste. Wenn Allain Quach, den die meisten Ello nennen, das bislang nicht gewusst hat, seit dem 8. Oktober, einem Freitag, kennt er das. Denn am Abend dieses Tages entschied sich, dass der 33-Jährige in dieser Session der Prinz des Dammer Carnevalsclubs (DCC) von 1991 sein wird.

Nicht unmaßgeblich daran beteiligt waren Christoph Schmiesing und Andreas Wehming, Elferräte des DCC und in diesem Jahr auserkoren, sich auf die Suche nach einer geeigneten Tollität zu begeben.

Wenn die Kürväter um 20 Uhr 3 mal 11 klingeln

Ihr Weg führte sie nach Reselage, wo sie sich – es war natürlich bereits dunkel – in aller Heimlichkeit um 20 Uhr 3 mal 11 am Wohnhaus Ello Quachs und seiner Freundin Kerstin „Keks“ Herzogs einfanden. Derweil hatte sich der zukünftige, in dem Moment aber noch nichts von seinem Glück ahnende Prinz auf einen gemütlichen Abend eingerichtet.

Mit dem war es schlagartig vorbei, als die beiden Elferräte im Wohnzimmer saßen. Natürlich, sagt Tollität Ello I., den DCC-Präsident David Pellenwessel bei der DCC-Sitzung am 12. November proklamierte, habe er frühzeitig geahnt, was die Elferräte von ihm wollten.

Doch bis die Prinzenmütze auf dem Tisch lag und der Auserkorene ziemlich schnell, jedenfalls ohne lange überlegen zu müssen, "Ja" sagte, sollte es ein bisschen dauern. Und dann lief es weiter mit "Je später der Abend...".

Hofstaat wurde aus den Betten geklingelt

Denn, wahrscheinlich im Überschwang der Gefühle, bestimmte Ello Quach, dass sein Hofstaat nun umgehend informiert und besucht werden sollte. Zunächst also läutete das Quartett um 11.11 Uhr abends bei Christian Macke, dem einen der beiden Adjutanten. "Dort haben wir Sturm geklingelt", erzählt der Prinz. Von Mackes aus ging es, nun noch später in der Nacht, weiter zum Hofnarren in spe, Christian Komosin, und schließlich zum nächsten Adjutante, Jan Sutmöller, der - so gesehen - am längsten schlafen durfte, ehe eine närrisch höchst erfreuliche Nachricht auch ihn aus den Träumen riss.

Und dann begann die lange Zeit des Wartens. Sechs Wochen mussten die vier und ihre Angehörigen das Geheimnis wahren. "Das war schwer genug", sagt Ello Quach. Denn mancher Nachbar erkundigte sich kurz zum Beispiel kurz vor der DCC-Sitzung neugierig, warum sein Nachbar  eine Halle beim Haus herrichtete. Der konnte allerdings schlecht sagen, dass er eine Prinzenfete vorbereitete. "Letztlich ging alles gut", sagt Ello Quach, der, wenn er nicht gerade die DCC-Narren regiert, in der Landmaschinenfabrik Grimme in der Fertigung in der Logistik arbeitet.

Gut gehen musste es auch, schließlich hat er im Hüten närrischer Geheimnisse durchaus Erfahrung. Denn er kennt sich mit der Mitgliedschaft in einem Hofstaat sehr wohl aus, war er doch  1999 Hofnarr im Hofstaat des damaligen Kinderprinzen Christoph Grimme. Christoph Schmiesing, dieses Mal Kürvater, und Jan Bahlmann waren seinerzeit die Adjutanten.

Grimmes brachten Ello Quach den Carneval nahe

Überhaupt die Familie Grimme. Sie nahm den jungen Ello Quach mit in ihre Carnevalsgruppe, sodass er schon als Kind den Dammer Carneval intensiv kennenlernte und sich mit dem Carnevalsvirus infizierte.

1996 war er mit seinen Eltern von Nordenham nach Damme gekommen, wo sein Vater und seine Mutter anschließend 17 Jahre lang das Chinarestaurant Mandarin an der Ecke Große Straße/Donaustraße betrieben. Dann zogen sie nach Lübeck, wo sie vor etwa vier Wochen die Nachricht ereilte, demnächst einen leibhaftigen Prinzen als Sohn zu haben.

Die Verwandten wussten vier Wochen vor der Sitzung Bescheid

"Ich habe damals auch noch einigen anderen Verwandten, darunter meiner Schwester, Bescheid gesagt, sie aber auch inständig gebeten, das auf keinen Fall in den sozialen Netzwerken zu erwähnen", berichtet Ello Quach.

Taten sie auch nicht, aber sie fanden sich sehr zu seiner großen Freude zur zweiten Galasitzung am 13. November ein und verfolgten stolz den Einzug ihres Sohnes samt des Hofstaates in die festlich geschmückte Sporthalle der Hauptschule mit dem grandiosen Bühnenbild zum Sitzungsmotto "Zurück in die Zukunft!". Was Wunder, dass sie "die Sitzung überragend fanden".

Und das auch, weil Ello Quach sich ausgerechnet in seinem Prinzenjahr erstmals in die Bütt wagte, zusammen mit seinem guten Freund Daniel Kleyböcker, der ihn zu „Schluck und China“ überredet hatte. "Es war fein, so etwas zu machen."

"Schauen wir mal, ob es weitergeht."Ello Quach, DCC-Prinz

Während heute schon sicher ist, dass die Prinzenrolle für Ello Quach eine einmalige Sache ist, könnte der Auftritt in der Bütt der erste von vielen folgenden sein. "Schauen wir mal, ob es weitergeht", sagt er dazu. Zunächst aber hofft er, dass die Carnevalssession wegen der Corona-Pandemie nun nicht kurz nach dem Start wieder beendet wird.

Auch deswegen, weil er bei einem "normalen" Verlauf zwei Premieren vor sich hat: Er kann sich am Dammer Rosenmontag erstmals einen Umzug anschauen. "Bisher habe ich noch nie an der Straße gestanden, ich war immer im Umzug aktiv dabei", sagt dass Mitglied der Gruppe "Seven Souls". Als DCC-Prinz aber wird er zunächst am Rosenmontagsempfang im Rathaus teilnehmen und anschließend den Wagenbauern und Gruppen zuschauen.

"Wir wollen den Carneval genießen und freuen uns auf ihn."Ello Quach, DCC-Prinz

Und die zweite Premiere: Ello Quach war noch niemals beim Gänsemarsch dabei, jener Veranstaltung der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 am Tag nach dem Dammer Rosenmontag, an der sich die ganz hartgesottenen Narren die Tage des Straßencarnevals noch einmal durch den Kopf gehen lassen. Und schließlich, sagt Ello Quach, haben er und sein Hofstaat sich eines fest vorgenommen: "Wir wollen den Carneval genießen und freuen uns auf ihn." Wenn er denn weiter stattfindet.

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