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James Bond und unser Verhältnis zum Tod

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Unsere Gesellschaft verdrängt das Thema Tod. Doch man sollte mit dem Sterben offener umgehen.

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"Keine Zeit zu sterben": So lautet der Titel des neuen James Bond Blockbusters. Auch wenn es eigentlich nur ein markiger Filmtitel ist, so sagt er doch viel über unser Verhältnis zum Tod aus. In einer Gesellschaft, die gefühlt immer gesünder und leistungsfähiger wird, hat er nichts mehr zu suchen. Auch zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, denen eine Konfrontation mit diesem Thema angeblich schadet.

In meiner Kindheit habe ich das ganz anders erlebt. Mein Onkel hatte eine Tischlerei. Wie damals üblich, Bestattungen inklusive.

Wir Kinder durften zuschauen, wie der Sarg fertiggemacht wurde oder auch selbst mithelfen, ihn mit Ölpapier auszutackern. Kinderarbeit war ja damals noch kein Thema.

"Beispielhaft für einen würdevollen Abschied ist für mich das Hospiz in Cloppenburg"Elisabeth Schlömer

Oft guckten wir auch durch das große Schlüsselloch der nur wenige Meter von der Tischlerei entfernten Leichenhalle im Krankenhaus, um ihr Geheimnis zu ergründen. In den Dörfern wurden die Verstorbenen vielfach noch zu Hause aufgebahrt. Dort wurde dann in gewohnter Umgebung im Kreise der Familie Abschied genommen. Der Tod gehörte auch für uns Kinder zum Leben und man hatte keine Scheu vor ihm.

Nach der Beerdigung gab es dann den Trauerkaffee. Vielfach wurden auch Bier und Schnaps ausgeschenkt. Dieses sogenannte "Fell versaufen" hat mich früher oft gestört. In Corona-Zeiten habe ich aber gemerkt, wie schade es ist, wenn man nach der Beisetzung nicht mehr zusammen sein kann, um die Trauer besser zu verarbeiten.

Beispielhaft für einen würdevollen Abschied ist für mich das Hospiz in Cloppenburg. Dort hat man keine Eile, wenn jemand stirbt. Der Verstorbene kann solange in seinem Zimmer bleiben, bis sich die Angehörigen von ihm verabschieden konnten. Alles geschieht in Ruhe und Würde. Bevor er das Hospiz verlässt, nehmen ihn Mitarbeiter*innen des Hauses und die Angehörigen nochmals in ihre Mitte. Familiärer kann Abschied nehmen nicht sein. Wenn man das miterlebt, hat man den Eindruck, es ist fast wieder wie früher.

Eine Auseinandersetzung mit dem Tod ist jetzt auch per App möglich

Je älter ich werde, desto häufiger beschäftige ich mich mit meiner Endlichkeit. Gerade im November sind die Totengedenktage ein besonderer Anlass dafür. Früher eine eindeutige Sache der Kirchen. Im digitalen Zeitalter gibt es aber auch Hilfe im Netz. Vor gut einem Monat hat die gemeinnützige Körber Stiftung die kostenlose Web-App "der letzte Tag" online gestellt.

Ohne Anspruch auf tiefgehende Auseinandersetzung sollen Menschen mit Hilfe von 14 persönlichen Fragen dazu gebracht werden, sich auf spielerische Weise mit dem eigenen Lebensende auseinanderzusetzen. "Die große Angst vor Sterben und Tod wird kleiner, wenn man mehr darüber weiß, sich austauscht, Wünsche formulieren und Ängste benennen kann", so die Pressemitteilung.

Egal, ob klassisch oder digital, die Beschäftigung mit dem Thema Tod kann einen großen Mehrwert für unser Leben bedeuten. Daher: "Halt mal wieder inne und denk über dein Leben nach!"


Zur Person:

  • Elisabeth Schlömer (65) wohnt in Cloppenburg. Sie war Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne bis zu ihrem Ruhestand 2019. Momentan ist sie ehrenamtlich tätig bei den „Machern – zu jung um alt zu sein“ und beim SKF Cloppenburg.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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