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James Bond kämpft noch gegen das Virus

Die Kinos im Landkreis Vechta warten auf den Neustart. Trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie glauben die Betriebe an ihre Zukunft.

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Kinobetreiber Gunnar Schäfers hat in 2 von 6 Sälen die Bestuhlung erneuert. Dabei kann der Vechtaer auf erhebliche Zuschüsse bauen. Auch die Kinos in Lohne und Damme investieren in ihre Ausstattung. Foto: Speckmann

Kinobetreiber Gunnar Schäfers hat in 2 von 6 Sälen die Bestuhlung erneuert. Dabei kann der Vechtaer auf erhebliche Zuschüsse bauen. Auch die Kinos in Lohne und Damme investieren in ihre Ausstattung. Foto: Speckmann

James Bond hat in seiner Karriere schon viele böse Mächte besiegt. Aber der Kampf gegen das Coronavirus führt selbst den weltberühmten Geheimagenten an seine Grenzen. Schon zweimal ist der Kinostart des neuen Abenteuers "Keine Zeit zu sterben" wegen der Pandemie verschoben worden. Ob die Veröffentlichung Ende März in Deutschland klappt, das ist fraglich. Es wäre keine Überraschung, wenn sich Daniel Craigs letzter 007-Einsatz weiter verzögert.

In der Schauburg Cineworld in Vechta steht ein großes Werbeplakat mit dem Konterfei von James Bond. Aber der heimische Kinobetreiber ist angesichts der hohen Infektionszahlen in marktrelevanten Ländern äußerst skeptisch, dass der Kassenschlager schon bald über die Leinwand flimmert. "Der Termin im Frühjahr wird nicht zu halten sein", vermutet Kinobetreiber Gunnar Schäfers.

Voraussetzung wäre ohnehin, dass die Kinos wieder zeitnah ihren Betrieb aufnehmen können. Seit dem erneuten Lockdown herrscht gespenstische Ruhe in den großen Sälen in Vechta. Das betrifft auch die Häuser in Lohne und Damme. Wann hier wieder Leben einkehrt, ist aufgrund der angespannten Pandemie-Lage ungewiss. "Wir wissen nicht, wann wir wieder öffnen können", sagt Schäfers.

Blick ins menschenleere Foyer: Ein Transparent für den James-Bond-Film, der Ende März anlaufen soll. Foto: SpeckmannBlick ins menschenleere Foyer: Ein Transparent für den James-Bond-Film, der Ende März anlaufen soll. Foto: Speckmann

Der Vechtaer hofft, dass es nur ein "Winterschlaf" ist und sich die lange Durststrecke aus dem Vorjahr nicht wiederholt. Als im März 2020 der erste Lockdown gekommen sei, habe er nicht damit gerechnet, dass sich die Schließung der Kinos bis Anfang Juli hinziehen und vor dem Jahresende noch einmal die Türen geschlossen würden. Unterm Strich stand der Betrieb 7 Monate still.

Das Ergebnis spiegelt sich jetzt in der Bilanz wider. Normalerweise verzeichne die Schauburg Cineworld etwa 120.000 bis 150.000 Besucher pro Jahr, berichtet Schäfers. Durch die Pandemie seien die Zahlen auf etwa 30 Prozent zurückgegangen. Ähnliches Bild im Capitol-Kino in Lohne: "Mehr haben wir auch nicht geschafft. Das entspricht dem Bundesdurchschnitt", berichtet Inhaber Dieter Strassenburg.

Das Dersa-Kino in Damme ist seit dem ersten Lockdown durchgängig geschlossen. Inhaber Alexander Thye hat sich auf andere Geschäftsfelder konzentriert, etwa die Mitorganisation von Auto- und Open-Air-Kinos in ganz Deutschland. Den heimischen Betrieb habe er in den Monaten aus wirtschaftlichen Gründen ruhen lassen. "Es gibt viel zu verlieren, aber wenig zu gewinnen", so Thye.

"Das war eine Nullnummer. Ohne die Zuschüsse des Staates wäre es wirtschaftlich nicht zu stemmen gewesen."Gunnar Schäfers, Inhaber des Schauburg Cineworld in Vechta

Seine Kollegen in Vechta und Lohne räumen ein, dass sich die Einnahmen in Grenzen hielten. "Das war eine Nullnummer. Ohne die Zuschüsse des Staates wäre es wirtschaftlich nicht zu stemmen gewesen", sagt Schäfers. Aber für ihn seien es ideologische Gründe gewesen, die Türen trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zu öffnen. Er wollte dem Publikum vergnügliche Stunden bereiten und seinen Aushilfen, darunter viele Schüler und Studenten, eine Beschäftigung ermöglichen.

Wie andere Kinobetreiber haben auch Schäfers und Strassenburg die ersten Soforthilfen der Bundesregierung in Anspruch genommen. Für den vorübergehenden Betrieb im Sommer wurden 80 Prozent der Fixkosten erstattet, also für Strom, Gas, Wasser und Darlehenszinsen. Nun warten die Antragsteller auf die November-Hilfe. Das wären 75 Prozent des Umsatzes aus dem Vorjahresmonat.

Die Geschäftsinhaber könnten gut damit leben, wenn die umsatzorientierte Entschädigung für November und eventuell auch Dezember fließt. "Das sind die fetten Monate in unserer Branche", sagt Schäfers. Aktuell wisse er jedoch nicht genau, welche Zuschüsse am Ende gezahlt und verrechnet werden. Im besten Fall befinde sich sein Kontostand wieder auf dem Niveau des Frühjahrs 2020. Allerdings habe er in der Krise keine Darlehen für das 2011 eröffnete Kino bedienen können.

Zusätzliche Fördermittel helfen bei Invesitionen

Die Kinobetreiber im Landkreis Vechta bedienen sich zudem aus einem Topf der Filmförderungsanstalt. Hier sind aufgrund der Krise zusätzliche Mittel verfügbar. So werden bestimmte Investitionen in die Kinos mit 80 statt 40 Prozent bezuschusst. Schäfers hat bereits die Bestuhlung in mehreren Sälen in der Schauburg Cineworld erneuert und will auch Teile des Mobiliars in seinem Central Cineworld in Diepholz austauschen. "Die Gesamtkosten belaufen sich auf 270.000 Euro."

Strassenburg hat eigenen Angaben zufolge ein Investitionspaket in Höhe von etwa 60.000 Euro für das Capitol geschnürt. Mit den Fördermitteln wurden die Bestuhlung im großen Saal ausgetauscht und eine Klimaanlage installiert. Das Kino in Damme nutzt die hohen Zuschüsse für Maßnahmen in Projektionstechnik, Hardware, Thekenbereich und Sanitäranlagen. Laut Thye belaufen sich die Kosten auf etwa 100.000 Euro. In dieser Größenordnung könnten noch weitere Investitionen folgen, sofern auch die Folgeanträge bewilligt würden.

Stellt sich nur die Frage, wann die Besucher in den Genuss der Modernisierungen kommen und die Häuser wieder öffnen. Die Inhaber gehen davon aus, dass der Betrieb zunächst langsam anlaufen wird. Es werde einige Wochen dauern, bis die Verleiher die neue Ware zur Verfügung stellten, sagt Schäfers. Was ihm Hoffnung macht, sind die Erfahrungen aus dem Neustart im letzten Sommer: "Für die Branche war es wichtig zu sehen, dass es funktioniert."

"Die Kinos im Kreis Vechta werden es überleben."Alexander Thye, Inhaber des Dersa-Kino ins Damme

"Ich glaube an die Zukunft des Kinos", gibt sich der Vechtaer trotz der schwierigen Zeiten optimistisch. Aber er gehe auch davon aus, dass der Markt härter werde. Dafür sorge nicht nur die Konkurrenz der Streaming-Dienste, die im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie weiter zugelegt hätten. Neben der fortschreitenden Digitalisierung spiele auch das veränderte Freizeitverhalten eine Rolle. Umso wichtiger sei für die Kinos, dass die Inhalte und das Drumherum stimmten.

Thye glaubt, dass es schwierig wird, in naher Zukunft zu den gewohnten Zahlen zurückzukehren. Es werde seine Zeit brauchen, bis sich die Menschen wieder an den Gang ins Kino gewöhnten, zumal der Besuch auch mit der Gastronomie eng verbunden sei. Gleichwohl ist der Inhaber des Dersa-Kinos davon überzeugt, dass es in Damme, Lohne und Vechta nicht zuletzt aufgrund der staatlichen Hilfe weitergeht: "Die Kinos im Kreis Vechta werden es überleben."

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