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Jahresrückblick Friesoythe: Abschied von alten Gewohnheiten

Dreimal endet 2021 eine Ära in Friesoythe: Das Krankenhaus schließt die Geburtsstation, die CDU verliert die Mehrheit im Stadtrat und die Burgschänke wird geschlossen.

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Die folgenreichste Meldung des Jahres kam Mitte September wie aus heiterem Himmel: Das Friesoyther Krankenhaus schließt zum 31. Oktober die Geburtshilfe. Seitdem können im St.-Marien-Hospital keine Neugeborenen mehr entbunden werden. Wut und Trauer, hier und da aber auch Verständnis begleiten das Aus. Hebamme Roswitha Funke schließt am 31. Oktober zum letzten Mal die Tür zum Kreißsaal und beendet eine Ära.

Begründet wird der einschneidende Schritt mit dem Fachkräftemangel. "Sicherheit geht vor", begründete Geschäftsführer Bernd Wessels auf einer Mitarbeiterversammlung. Es sei schlicht nicht möglich, qualifizierte Fachkräfte zu finden und für Friesoythe zu gewinnen. Ein ständiger und chronisch gewordener Kampf, der bereits zehn Jahre andauere und den das Hospital nicht mehr gewinnen könne. Die drei praktizierenden Gynäkologen seien älter als 56 Jahre und teilten sich die Bereitschaftsdienste rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr ohne ausreichende Erholungsphasen. Darüber hinaus, so Wessels, "bräuchten wir sieben Hebammen, fünf haben wir".

Bei der Bevölkerung und in der Lokalpolitik kam der Schritt nicht gut an. "Traurig und sehr schade", "nicht zu fassen", "das geht doch nicht" waren nur einige von zahlreichen Reaktionen in den sozialen Medien und auf der Straße. Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann hält die Schließung für "einen absoluten Fehler insbesondere in der Außenwirkung des Krankenhauses". Auch die Hebammen, die am Krankenhaus Dienst taten, hadern mit der Entscheidung. Sie werfen Geschäftsführung und Aufsichtsgremien mangelnde Transparenz und Plausibilität vor.

Friesoyther SPD wird erstmals stärkste Kraft im Rat

Fast so überraschend wie das Aus der Geburtshilfe am Krankenhaus war auch das Ergebnis der Kommunalwahl in Friesoythe. Erstmals in der Geschichte der Stadt geht die SPD als stärkste Kraft aus dem Urnengang hervor. Die Partei gewinnt 16 der 32 Ratssitze, die CDU, bislang stets unangefochtene Mehrheitsfraktion, muss sich mit 14 Mandaten begnügen. Je 1 Sitz gehen an die FDP und die Grünen. Die vor der ersten Ratssitzung neugebildete rot-grüne Stadtratsfraktion kommt auf 17 Ratsmitglieder und hat damit zwei Stimmen mehr als die CDU/FDP-Fraktion.

Geschichte: Auch den Storchenparkplatz für werdende Eltern gibt es am Friesoyther Krankenhaus nicht mehr. Foto: WimbergGeschichte: Auch den Storchenparkplatz für werdende Eltern gibt es am Friesoyther Krankenhaus nicht mehr. Foto: Wimberg

Großen Anteil am Erfolg der Genossinnen und Genossen hat der wiedergewählte Bürgermeister Sven Stratmann. Er trägt allein über 5000 Stimmen zum SPD-Wahlergebnis bei und setzt sich auch bei der Direktwahl zum Bürgermeister klar durch. Fast 75 Prozent der abgegebenen Stimmen entfallen auf den Amtsinhaber. Herausforderer Bernd Wichmann (CDU) muss sich mit 25,17 Prozent der Stimmen zufrieden geben. 

In der Burgschänke gehen die Lichter aus

Das dritte viel diskutierte Thema in Friesoythe war 2021 die Zukunft der Traditionsgaststätte Burgschänke. Das Bildungswerk hatte bereits zum Jahreswechsel 2017/2018 das Gebäude an der Kirchstraße gekauft, um den wachsenden Raumbedarf abdecken zu können. Zunächst sah es so als, als könnte der Saal- und Lokalbetrieb weitergehen. Im Februar dann das endgültige Aus für die Burgschänke. Da der bis Ende 2022 laufende Pachtvertrag nicht verlängert wird, zieht Wirtin Anne Burrichter die Konsequenzen und gibt auf. 

Im Dezember stellt das Bildungswerk dann seine konkreten Planungen vor. Aus dem Burghotel soll – nicht zuletzt durch einen Neubau anstelle des bisherigen Saales –  ein "Haus der Bildung und Begegnung" werden. Inwieweit das realisierbar ist, steht allerdings bereits wieder in den Sternen: Der Rat verweigert dem Burghotel das für eine Förderung erforderliche Unterstützungsschreiben.

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