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Jäger schießen scharf im Stadtpark

Das Areal rund um den Mühlenteich in Lohne ist ein "befriedeter Bereich". Im Ausnahmefall darf dort aber durchaus gejagt werden. Jüngst hatten Enten vermehrt Schäden auf dem Gelände angerichtet.

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Der Stadtpark Lohne: Die Stadt hat das etwa 8 Hektar große Areal mit seinen zahlreichen Wasserflächen und vielen Kunstwerken von der Kirchengemeinde St. Gertrud gepachtet. Foto: Timphaus

Der Stadtpark Lohne: Die Stadt hat das etwa 8 Hektar große Areal mit seinen zahlreichen Wasserflächen und vielen Kunstwerken von der Kirchengemeinde St. Gertrud gepachtet. Foto: Timphaus

Im ersten Moment klingt es beunruhigend – und etwas gefährlich: Im Stadtpark Lohne haben Jäger eine Entenjagd durchgeführt. Einem Leser waren jüngst 2 Waidmänner mit einer erlegten Ente begegnet. Der Mann, den der Anblick sehr verstörte, kontaktierte daraufhin diese Redaktion.

Entwarnung nach einer Recherche: Es geht alles mit rechten Dingen zu. Das Areal rund um den Mühlenteich ist zwar befriedeter Bereich – aber auch dort darf in Ausnahmefällen gejagt werden.

Nach Aussage des Lesers war er am 8. Januar zwischen 13 und 14 Uhr im Stadtpark Lohne unterwegs. Dort begegnete er zwei Jägern in voller Montur, die mit ihren Gewehren durch den Park gingen und eine erlegte Ente bei sich trugen. Der Anblick irritierte und beunruhigte den Mann laut eigener Aussage, da er keine Hinweise auf Jagdbetrieb oder Absperrungen bemerkt hatte.

Nach Angaben der Vechtaer Kreisbehörde war es durch die Enten vermehrt zu Schäden in den Anlagen des Mühlenteichgeländes gekommen. Foto: TimphausNach Angaben der Vechtaer Kreisbehörde war es durch die Enten "vermehrt zu Schäden in den Anlagen des Mühlenteichgeländes gekommen". Foto: Timphaus

Die Stadt und der Landkreis hatten Kenntnis von der Aktion. Der Jogger habe sich telefonisch beim Ordnungsamt darüber beschwert, dass eine Ente im Stadtpark geschossen worden sei, teilt Stadtsprecher Christian Tombrägel mit. Der Mann habe auch die Polizei und die untere Jagdbehörde des Landkreises Vechta über den Vorfall informiert.

Doch was steckt überhaupt dahinter? Schließlich ist der Stadtpark ein öffentlicher Park in einem Wohngebiet. Das Gelände wird regelmäßig von Spaziergängern und auch Kindern und Jugendlichen frequentiert.

Landkreis hat mehreren Jägern die Erlaubnis erteilt

Nach Angaben es Landkreises Vechta handelt es sich bei dem Areal rund um den Mühlenteich gemäß Paragraf 9 des Niedersächsischen Jagdgesetzes um einen "befriedeten Bereich". Dort ruht die Jagd. Die untere Jagdbehörde kann für diese Bereiche jedoch Ausnahmen genehmigen, heißt es auf Anfrage.

Dies war laut Auskunft der Vechtaer Kreisbehörde auch bei der Aktion im Stadtpark Lohne der Fall. "Ja, der Landkreis Vechta hat für die Bejagung der Enten auf dem Mühlenteichgelände verschiedenen Jagdausübungsberechtigten eine Erlaubnis erteilt", teil Kreissprecherin Eva-Maria Dorgelo mit.

Auch Schalldämpfer sind zugelassen

Aber warum wurde eine Jagd auf die Wasservögel im Park durchgeführt? Nach Angaben der Kreisbehörde war es durch die Enten "vermehrt zu Schäden in den Anlagen des Mühlenteichgeländes gekommen".

Aus dem Lohner Rathaus gibt es weitere Details. So haben 3 ausgebildete und erfahrene Jäger aus Lohne vom Landkreis eine Schießerlaubnis für die Bejagung von Wildenten, Wildkaninchen, wildlebenden Tauben und Nutrias auf verschiedenen städtischen Grundstücken – unter anderem auch dem Mühlenteichgelände und der Fläche hinter der Feuerwehr – und den Friedhöfen erhalten. "Die Verwendung von Schalldämpfern ist zugelassen", sagt Tombr��gel.

Auflagen bei Kalibergröße und Sichtbedingungen

Das Gelände des Lohner Stadtparks ist in Eigentum der Kirchengemeinde St. Gertrud. Die Stadt hat das etwa 8 Hektar große Areal mit seinen zahlreichen Wasserflächen und vielen Kunstwerken gepachtet.

Aber welche Rahmenbedingungen müssen für eine Jagd im Stadtpark überhaupt vorliegen? Kreissprecherin Dorgelo sagt, dass verschiedene Auflagen erteilt worden seien, "so zum Beispiel die vorgegebene Kalibergröße oder die Sicherstellung von ausreichenden Sichtbedingungen für die Jagd".

Andere Jagdformen haben sich nicht bewährt

Wie häufig die Flinte im Stadtpark Lohne tatsächlich zum Einsatz kommt, dazu liegen dem Landkreis indes keine genauen Zahlen vor. "Die Jagdausübung muss jedoch gegenüber der unteren Jagd- und Waffenbehörde des Landkreises Vechta dokumentiert werden", heißt es.

Aber warum muss es eine Jagd mit dem Gewehr sein? Gibt es keine weniger risikoreichen Bejagungsformen – zum Beispiel mit Raubvögeln oder Blasrohr? Laut Jagdbehörde hätten sich anderweitige Jagdformen bislang nicht bewährt oder seien jagdrechtlich verboten, wie zum Beispiel das Jagen mit einem Blasrohr.

Hegering hatte mit der Aktion nichts zu tun

Die Stadtverwaltung teilt mit, dass im Stadtpark Lohne auch Nutrias mit Lebendfallen bejagt werden. "Zurzeit sind aber keine aufgestellt."

Der Hegering Lohne war übrigens laut Alois Dumstorff an der Aktion im Stadtpark nicht beteiligt. "Der Hegering Lohne jagt gar nicht im Stadtpark", teilt der Hegeringsleiter mit.

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