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IT-Pionier liefert Kontrastprogramm zum Start des akademischen Jahres in Vechta

Die Universität Vechta hatte sich einen IT-Unternehmer als Gastredner eingeladen. Der ruft zu mehr unternehmerischem Denken auf. Passend: Auch die Vechtaer Hochschule steht vor Herausforderungen.

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Charismatischer Gründer und Wissenschaftler: Professor August-Wilhelm Scheer war Gastredner beim Auftakt des akademischen Jahres. Foto: Chowanietz

Charismatischer Gründer und Wissenschaftler: Professor August-Wilhelm Scheer war Gastredner beim Auftakt des akademischen Jahres. Foto: Chowanietz

Viele deutsche Universitäten stehen angesichts immer neuer Krisen vor einem Umbruch. Das gilt auch für die Uni Vechta. Als Moderator beim traditionellen Festakt zur Eröffnung des akademischen Jahres am Donnerstagabend (24. November) fasste  Timo Fuchs die komplexe Aufgabenstellung zusammen: "Wie schaffen wir es, die Uni auf Kurs zu halten, sie weiterzudenken und uns den aktuellen Herausforderungen anzupassen?"

Antworten lieferte die Uni mit Kontrastprogramm: mit der Begrüßung der neuen Präsidentin, Professorin Verena Pietzner, und dem Gastredner des IT-Pioniers, Unternehmers und Wissenschaftlers Professor August-Wilhelm Scheer.

Pietzner schwor die Zuhörer – Uni-Angehörige und Vertreter aus Politik und Gesellschaft – auf die Gemeinschaft an der Hochschule ein. Und sie rief zum kritischen Denken im traditionellsten wissenschaftlichen Sinne auf: "Zweifel ist aller Weisheit Anfang", zitierte sie den französischen Wissenschaftler und Philosophen René Descartes.

Wissenschaftler war Chef von 3500 Mitarbeitern

Daran konnte Gastredner Scheer anknüpfen. Ansonsten ging der Unternehmer auf Distanz zu akademischen Traditionen. Der Unternehmer hält wenig von klassischen Strukturen an den Universitäten, obwohl er lange selbst über Jahrzehnte an Unis gearbeitet und geforscht hat. Noch lange nach der Gründung seines ersten Unternehmens hatte er selbst eine Professur an der Uni des Saarlands.

Scheer ruft die deutschen Unis auf, unternehmerischer zu denken und sich von alten Strukturen mit ihren Hierarchien und kleinen Zuständigkeiten zu verabschieden. In diesen Strukturen könnten sich Wissenschaftler nur kleinen Problemen widmen. Aber Wissenschaft müsse anders denken und immer über die kleinen Fächer hinaus, um voranzukommen und etwas zu bewegen.

Der Wirtschaftsinformatiker selbst hatte 1984 aus seinem Uni-Institut heraus ein zunächst kleines IT-Unternehmen gegründet. Die Firma wuchs massiv. 2009 verkaufte er seine inzwischen im TecDax gelistete Firma IDS Scheer an die Software AG. Da hatte er bereits 3500 Mitarbeiter. Einen Teil der Firma kaufte er später wieder zurück und beteiligte sich zuletzt mit seiner Holding immer wieder an Startups.

Unternehmergeist statt 9-to-5-Mentalität an Unis

In Startups sieht Scheer Innovationstreiber. Wenn ihre Idee keinen Erfolg bringt, scheitern sie schnell – weil ihnen das Geld ausgeht. Anders seien große Konzerne, die immer wieder auch an eigentlich gescheiterten Projekten lange weiterarbeiteten, weil sie weiter Geld nachschieben könnten. Das führe aber oft zu nichts.

In Scheers Augen brauchen Unis dringend mehr Unternehmergeist statt 9-to-5-Mentalität. Hochschulen müssten sich heute selber helfen, um voranzukommen, statt auf Forschungsmittel oder Fördergelder zu warten. Wissenschaftler dürften sich nicht zu schade sein, Drittmittel einzusammeln, um ihre Ideen voranzubringen. Ohnehin sei es eine Frage des Menschenbildes: Wolle man Angestellte ausbilden oder selbstbewusste Menschen, die in der Lage seien, Ziele zu verwirklichen. Gerade bei der Lehrerausbildung müsse man dies mit Blick auf künftige Schüler im Hinterkopf behalten.

Auch die Studierenden bekamen ihren Platz bei dem Festakt: Die Vertreter des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), Marvin Koch und Wiebke Böhrmann, appellierten auch in diesem Jahr, das Kirchturmdenken innerhalb der Uni hinter sich zu lassen. Sie sicherten konstruktive Mitarbeit bei der künftigen Entwicklung der Uni zu.

Beeindruckend war der musikalische Beitrag der angehenden Grundschullehrerin Sarah Focken. Sie sang und spielte am Klavier solo das schwedische Volkslied "Vem kan segla". Lisa Pahl (Querflöte) und Katharina Gärtner (Klavier) spielten den Song "Elite Syncopations" von Scott Joplin.

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