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Ist Wasserstoff eine brauchbare Alternative für den Verkehr im Kreis Cloppenburg?

Referenten berichteten auf einer Informationsveranstaltung in Cloppenburg vom Stand der Technik. Noch gibt es keine Wasserstofftankstelle im Kreis – Unternehmen deuten aber an, eine solche zu bauen.

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Wasserstoff-Lkw in Serienproduktion: Maik Groß vom Hersteller Faun präsentiert einen Müllwagen mit Brennstoffzelle. Foto: Niemeyer

Wasserstoff-Lkw in Serienproduktion: Maik Groß vom Hersteller Faun präsentiert einen Müllwagen mit Brennstoffzelle. Foto: Niemeyer

Die stark gestiegenen Spritpreise bereiten auch einigen Unternehmern im Landkreis Cloppenburg Kopfzerbrechen. Walter Lohmann spricht gar von einer Katastrophe. "Das tut schon richtig weh", sagt der Inhaber der Fahrschule Lohmann auf Nachfrage. Wie andere Unternehmer aus dem Kreis Cloppenburg auch, besuchte Lohmann in der vergangenen Woche eine Informationsveranstaltung des Landkreises zum Thema Wasserstoff in der BBS Technik. Lohmann fragt sich, ob Wasserstoff eine brauchbare Alternative ist – und ob es sich lohnt, als Unternehmen im Kreis Cloppenburg auf die Brennstoffzelle zu setzen. Auf der Informationsveranstaltung erklärten Referenten, wie der Stand der Technik ist und wie es in Zukunft in Sachen Wasserstoff weitergeht.

Gerade bei schweren Fahrzeugen und auf langen Fahrstrecken sei die Brennstoffzellen-Technologie vielversprechend, teilte der Landkreis im Vorfeld mit. Lohmann besitzt drei Lkw und zwei Busse – für diese Flotte könnte Wasserstoff also eine echte Alternative sein. Vor Ort konnten sich die Unternehmer ein Bild von einem Linienbus sowie einem Müllsammelfahrzeug mit Brennstoffzellen-Antrieb machen. Maik Groß von der Faun Umwelttechnik GmbH & Co. KG stellte Letzteres vor.

Batterie würde mehrere Tonnen wiegen

Groß spielte zunächst die alternativen Antriebe durch: den Verbrenner- und den batteriebetriebenen Elektromotor. Würde der Müllwagen mit einem Dieselmotor betrieben, verbrauche er 75 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Der Grund für den hohen Verbrauch sei das häufige Bremsen und Anfahren auf den Touren. Dafür sei der Verbrenner einfach nicht gemacht. Würde das Müllsammelfahrzeug mit einer Batterie betrieben, müsste sie bis zu 5 Tonnen wiegen, so Groß. Zu schwer also und auch das  Laden dauere zu lang. "Nicht alltagstauglich", resümiert Groß. Folglich setzte der Fahrzeughersteller aus Osterholz-Scharmbeck auf die Brennstoffzelle. Faun produziere das Fahrzeug mittlerweile in Serie.

Wasserstoff reagiert mit Sauerstoff: Die Brennstoffzelle dient als Stromquelle und treibt einen Elektromotor an. Foto: NiemeyerWasserstoff reagiert mit Sauerstoff: Die Brennstoffzelle dient als Stromquelle und treibt einen Elektromotor an. Foto: Niemeyer

Beim Kaufpreis stutzten die anwesenden Unternehmer zunächst. Das Brennstoffzellenfahrzeug koste das Vierfache eines vergleichbaren Diesel-Müllfahrzeugs. Das große "Aber" folgte jedoch zugleich: Der Bund fördere die Mehrkosten zu 80 Prozent.

Noch keine Wasserstofftankstelle im Kreis geplant

Anreize gibt es für die Unternehmer im Kreis Cloppenburg also durchaus, künftig auf Wasserstoff zu setzen. Zumal der Preis für Wasserstoff perspektivisch sinke, während der Preis für Benzin und Diesel künftig noch weiter steige, sagte André Engbrecht, der für die EWE im Geschäftsfeld Großspeicher und Wasserstoff arbeitet.  Auch Ansgar Meyer, Baudezernent des Landkreises, betonte, dass Wasserstoff ein Zukunftsthema sei – gerade im Kreis Cloppenburg, weil hier viele Logistikunternehmen ansässig seien. "Wir müssen die Weichenstellung vornehmen", sagte Meyer.

Eine Wasserstoff-Tankstelle gibt es im Kreis Cloppenburg aber noch nicht. Die sei von Seiten des Kreises aktuell auch nicht geplant, heißt es auf Nachfrage. Überlegungen, eine solche Tankstelle vor Ort zu bauen, gibt es jedoch aus der Privatwirtschaft: Die EWE könnte eine solche Tankstelle im Kreisgebiet errichten, wenn die Nachfrage da ist, sagte André Engbrecht. Und auch die GS Agri eG mit Sitz in Schneiderkrug schreibt in ihrem Geschäftsbericht 2021/2022, dass man beim Thema Wasserstoff mit "potenziellen Partnern" in Kontakt stehe.

EWE bietet auch mobile Tankstellen an

Wie der Landkreis weiter mitteilt, arbeite man aktuell mit der EWE im Bereich Wasserstoff zusammen, um ein Netzwerk für interessierte Unternehmen aufzubauen und Informationen auszutauschen. Außerdem gebe es privatwirtschaftliche Überlegungen, im Bereich Garrel künftig grünen Wasserstoff herzustellen und über Gasleitungen weiterzutransportieren.

Engbrecht erklärte den anwesenden Unternehmern, dass die EWE auch mobile Wasserstofftankstellen baue. Die seien zwar schnell einsetzbar, allerdings vergleichsweise teuer. Zudem könnten Lkw dort nicht voll betankt werden. Besser seien also feste Tankstellen, für die in den meisten Fällen eine "normale Baugenehmigung" ausreiche.

Walter Lohmann zeigt sich unterdessen von der Brennstoffzelle überzeugt. Er plane, seine Nutzfahrzeugflotte "sukzessive" auf Wasserstoff umzustellen. Der Unternehmer prüfe derzeit mögliche Förderungen und wolle sich Angebote einholen.

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