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Ist Osterfeine eigentlich älter als Damme?

Ausgrabungsleiter Dr. Georg Eggenstein zeigt die Erkenntnisse in den Baugebieten "Hölter Kapelle" und "Kirchesch". Gefunden wurden die ersten direkten Hinweise auf eine Besiedlung des Dammer Raums.

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Es nahm Gestalt an: Profil des unterirdischen Teils eines mit Abfällen ausgefüllten Grubenhauses in Holte.  Foto: Eggenstein

Es nahm Gestalt an: Profil des unterirdischen Teils eines mit Abfällen ausgefüllten Grubenhauses in Holte.  Foto: Eggenstein

Die meisten der zahlreichen Zuschauer waren gespannt, welche Ergebnisse Dr. Georg Eggenstein als Leiter der Ausgrabungen in den Baugebieten „Hölter Kapelle“ und „Kirchesch“ in Osterfeine vorzutragen hatte, zumal die Ankündigungen viel zu versprechen schienen. Der Grabungsexperte erläuterte seine Arbeit anhand zahlreicher Abbildungen im Rahmen der „Redezeit“ des Heimat- und Verschönerungsvereins „Oldenburgische Schweiz“ am Dienstagabend in der Scheune Leiber.

Die Befunde in Holte seien höchst bemerkenswert: Große Gebäude vom Typ Fachwerk-Langhaus zeichneten sich circa 50 bis 60 Zentimeter unter der heutigen Oberfläche als Rechteck ab, das von Pfosten begrenzt wurde. Da diese Häuser nur aus organischem dunklen Material bestanden, ließen sie sich im hellen Sandboden gut erkennen. Allerdings ergaben sich an anderen Stellen auch rötlich-braune Verfärbungen sowie Eisenschlacke-Konkretionen. Das erkannte das Ausgrabungsteam schnell als Rest eines Rennofens, eines rund 2 Meter hohen Lehmzylinders, in dem Raseneisenerz mithilfe von Holzkohle bis zu 1100 Grad Celsius erhitzt und geschmolzen wurde. Also hätte hier schon früh eine Eisenverhüttung und Eisenproduktion stattgefunden. Werkzeuge und Waffen konnten die frühen Hölter Siedler bereits herstellen, unter ihnen folglich Köhler und Schmiede.

Frühe Hölter Siedlung stammt aus dem ersten Jahrhundert nach Christus

Doch damit nicht genug: Wie wohl alle Bewohner Landwirtschaft betrieben, so ergaben sich im Laufe der Bodenuntersuchungen noch weitere handwerkliche Tätigkeiten. Denn neben den Langhäusern zur Unterbringung von Vieh und Mensch fanden sich Grubenhäuser, die sich teils als Vertiefung im Boden befanden, teils oberirdische Aufbauten besaßen. Das waren die Arbeitsstätten der Handwerker: Spinnwirtel-Funde wiesen auf Textilverarbeitung hin, viel Keramik auf das Töpferhandwerk, Mahlsteine auf Müller und Bäcker. Gerade die Ton-Artefakte erwiesen sich in ihrer Qualität und Form als zeitlich gut bestimmbar, so dass die frühe Hölter Siedlung in das 1. Jahrhundert nach Christus eingeordnet werden konnte. Alle Hinweise sprachen allerdings dafür, dass sich nur eine Generation hier niedergelassen hat und die Holte-Siedler weiterzogen, mitunter nur wenige 100 Meter, wo sie günstigere Lebensbedingungen sahen.

Die Eingangsfrage zum Alter der beiden Siedlungen beantwortete Dr. Eggenstein erst ganz am Schluss, denn so weit wie in Holte ist die Ausgrabung im „Kirchesch“ noch nicht vorangeschritten. Auch dort seien entsprechende Grundrisse von Lang- und Grubenhäusern festgestellt worden, zumal es sich ebenfalls um ein von Handwerkern und Landwirten besiedeltes Dorf handelte. Insbesondere die zahlreichen Keramikfunde ließen eine Datierung in die Zeit des 4. und 5. Jahrhunderts vor Christus, also in die vorrömische Eisenzeit zu, wiewohl Rennöfen und Hinweise auf Eisenverarbeitung in Osterfeine fehlten. Immerhin handelt es sich bei beiden vorgeschichtlichen Siedlungen um die ersten direkten Hinweise auf eine Besiedlung des Dammer Raums. Erst weitere Ausgrabungen an anderer Stelle könnten die Frage endgültig beantworten.

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