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Ist mein Kind mediensüchtig? "Projekt Connect" bietet Orientierung

Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention sowie die Erziehungsberatungsstelle Stiftung Edith Stein bieten Betroffenen in Cloppenburg Beratungsgespräche an. Das gilt auch für Erwachsene.

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Wollen auch Schüler vor Mediensucht schützen: Sebastian Handke (links), Johannes Bockhorst (Schulleiter OBS Pingel Anton) und Hiltraud Weyel (Sozialpädagogin OBS Pingel Anton). Foto: Niemeyer

Wollen auch Schüler vor Mediensucht schützen: Sebastian Handke (links), Johannes Bockhorst (Schulleiter OBS Pingel Anton) und Hiltraud Weyel (Sozialpädagogin OBS Pingel Anton). Foto: Niemeyer

Das Leben spielt sich zunehmend vor dem Bildschirm ab – auch und gerade während der Corona-Pandemie. Videokonferenzen, WhatsApp-Nachrichten, Computerspiele: Schnell kommen viele Stunden am Tag zusammen. Wo aber liegt die Grenze zwischen normalem und auffälligem, vielleicht sogar krankhaftem Medienkonsum? Das "Projekt Connect" von der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention sowie der Erziehungsberatungsstelle Stiftung Edith Stein möchte Betroffenen und Angehörigen in Cloppenburg eine erste Anlaufstelle bieten. Es ist im September gestartet.

"Wir möchten vor allem Orientierung bieten", sagt Sebastian Handke, Diplom-Sozialarbeiter bei der Erziehungsberatungsstelle. Meist wenden sich Hilfe suchende Eltern an die Beratungsstelle. Vielen sei die Medienwelt ihrer Kinder vollkommen unbekannt. Sie fragen sich, ob das Verhalten ihrer Kinder noch normal ist. Zum Teil wollen sie die Medienwelt ihrer Kinder auch einfach nur kennenlernen. In einem ersten Gespräch kann die Beratungsstelle eine Einordnung geben. 

Problematische Internetnutzung gestiegen

Laut aktueller Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verbringen 12- bis 17-Jährige privat – also außerhalb von Schule, Ausbildung, Studium oder Arbeit – 22,8 Stunden pro Woche mit Computerspielen und der Nutzung des Internets (die Situation während der Pandemie wurde in der Studie noch nicht mit einbezogen). Bei den 18- bis 25-Jährigen lag der Wert bei 23,6 Stunden. Neben der Unterhaltung nutzen sie das Internet insbesondere für die Kommunikation. Laut Studie ist die problematische Computerspiel- und Internetnutzung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit 2015 gestiegen.

Inwiefern Medienkonsum problematisch ist, richtet sich nicht allein nach der Dauer des Konsums. Entscheidend ist vielmehr, wie häufig die Betroffenen die Kontrolle über die Nutzung verlieren, ob sie sich sozial isolieren oder ihr Verhalten ändern und zum Beispiel ihre Alltagsverpflichtungen wie Schule oder Arbeit vernachlässigen. 

Sollte sich in einem ersten Beratungsgespräch die Vermutung einer problematischen Mediennutzung erhärten, sei es für weitergehende Gespräche wichtig, den Betroffenen mit einzubeziehen, erklärt Handke. Nur wenn der einer Beratung zustimmt, sei diese auch Erfolg versprechend. Die Beratung ist kostenlos und findet in einem vertraulichen Rahmen statt. Sie sei ausdrücklich keine Behandlung, wie Handke betont. 

Schulleiter: Corona verstärkt Problem

Für die Schulen sei eine solche Anlaufstelle für Medienberatung wichtig, erklärt Johannes Bockhorst, Leiter der Oberschule Pingel Anton. Vermuten die Lehrer einen auffälligen Medienkonsum bei einem Schüler, können sie ihm eine Beratung bei "Connect" vorschlagen. 

In seinen Beratungsgesprächen beobachtet Sebastian Handke zwei Extreme: Zum einen gibt es Eltern, die den Medienkonsum ihrer Kinder verteufeln, obwohl dieser gar nicht auffällig sei. Zum anderen trifft er auf Eltern, die den Kindern einen problematischen Medienkonsum vorleben. Und auch Schulleiter Bockhorst beobachtet teilweise eine "mediale Verwahrlosung in Familien". Corona verstärke dieses Problem noch. 

  • Info: Ansprechpartner sind Melanie Schleusner-Abeltah (Diplom-Sozialarbeiterin/-pädagogin in der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention) und Sebastian Handke, Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge in der Erziehungsberatungsstelle. Erreicht werden können sie unter Telefon 0170/9292676 oder 0151/72920402 sowie per Mail an info@projekt-connect.de.

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