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Internationale (Rad-)Wanderung rund um Dinklage profitiert vom E-Bike-Boom

Die Strecke führt in eine bislang noch nie angesteuerte Richtung. Dort gibt es natürlich auch wieder Tee-Stationen. Welche Bedeutung haben diese Treffpunkte?

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Pause an der Tee-Station: An diesen Treffpunkten kommen die Radler und Wanderer ins Gespräch. Foto: Wandergruppe Dinklage / Paul Kröger

Pause an der Tee-Station: An diesen Treffpunkten kommen die Radler und Wanderer ins Gespräch. Foto: Wandergruppe Dinklage / Paul Kröger

Wer in den vergangenen Tagen in Dinklage, in den Bauerschaften und in den umliegenden Orten etwas genauer auf die Straßen, die Feldwege und Wanderstrecken geguckt hat, dem werden dort vielleicht wieder kleine weiße Pfeile aufgefallen sein. Nein, es sind keine Verkehrszeichen oder gar neue Fahrradpiktogramme. Es sind die Vorboten für eine Traditionsveranstaltung in Dinklage.

Denn am Samstag und Sonntag (5. und 6. August) findet die mittlerweile 52. "Internationale Wanderung und Radwanderung rund um Dinklage" statt. Ausrichter ist die Wandergruppe  des Heimatvereins Dinklage. Die Veranstaltung startet am Samstag um 8 Uhr beim Alten Gesellenhaus. Sie klingt am Sonntag ab 15 Uhr mit dem  Mühlenfest bei der Schweger Mühle, wo alle Touren enden, aus. Dort hält der Freundeskreis Schweger Mühle das Organisationszepter in der Hand.

Paul Kröger ist seit 1985 der Wanderwart der Veranstaltung. Er sprüht in diesen Tagen auf einer Strecke von insgesamt 140 Kilometern die weißen Pfeile auf die Straßen, Wege oder Bäume, damit die (Rad-)Wanderer wissen, welche Route sie ansteuern müssen. Für jeden Starttag gibt es drei verschiedene Routen (siehe Fakten).

"Ich dachte, ich bekomme Haue, weil es im Südkreis ja doch schon hügeliger wird."Paul Kröger

In der Zeit von Paul Kröger als Wanderwart gab es trotz des verhältnismäßig relativ kleinen Radius für Wanderer und Radler – die Teilnehmer müssen ja auch wieder zurück nach Dinklage finden –, noch nie die exakt gleiche Streckenführung. Immer hat der 77-Jährige noch einen neuen Schlenker gefunden. Weil er sich in der Region perfekt auskennt ("Wandern ist auch Heimatkunde"). Und auch deshalb, weil er Landwirte fragt, ob die Teilnehmer über deren Hof und Privatwege (rad-)wandern dürfen.

In diesem Jahr steuern die Radfahrer am Samstag zum ersten Mal eine Route an, die bislang ausgelassen wurde. Es geht nämlich in Richtung der Dammer Berge. "Daran habe ich mich jahrzehntelang nicht getraut", sagt Paul Kröger und lacht: "Ich dachte, ich bekomme Haue, weil es im Südkreis ja doch schon hügeliger wird." Doch jetzt geht es tatsächlich in diese Richtung. Und das hat einen triftigen Grund.

Denn mittlerweile besitzen 90 Prozent der teilnehmenden Radler ein E-Bike, schätzt Paul Kröger. "Und die, die kein E-Bike haben, haben die Kräfte, auch etwas anspruchsvollere Routen zu fahren." Wenn man so will, profitiert die Wandergruppe Dinklage vom E-Bike-Boom in Südoldenburg. Dinklager Vereine hätten sich deshalb jetzt auch verstärkt angekündigt.

Früher reisten die Gruppen mit Musikkapellen an

Überhaupt, ohne die Radler würde es die Internationale Wanderung rund um Dinklage gar nicht mehr geben, ist sich Paul Kröger sicher. In den ersten Jahrzehnten wurde nämlich tatsächlich nur gewandert – und das zunächst sogar an allen 3 Wochenendtagen.

Aus den Niederlanden, Belgien und Frankreich reisten die Wandergruppen mit ihren Musikkapellen an. Startpunkt war die Gaststätte Waldesruh an der Autobahnbrücke. Von dort aus gab der damalige Heimatverein-Vorsitzende Josef Hürkamp, begleitet vom Kolpingorchester Dinklage, dann das Startsignal zur Wanderung. Auch Fernsehsender berichteten von dem Event.

Doch die Zeiten haben sich geändert, erinnert sich auch Paul Krögers Frau Mechthild. Erst nahm die Zahl der Wanderer aus dem Ausland ab ("Die sind einfach nach und nach verstorben."), dann auch aus Dinklage und Umgebung. Bis Paul Kröger gegen die Widerstände aus dem Heimatverein und der Stadt Dinklage, so erzählt er es, seine Idee umsetzte, auch Radtouren anzubieten. Mit Erfolg.

Bei den jüngsten Veranstaltungen waren von den rund 600 Teilnehmern nur noch rund 30 bis 50 Wanderer. Aus den Niederlanden startete zuletzt nur noch ein halbes Dutzend Wanderfreunde. "Die Zeiten haben sich geändert. Wir müssen uns deshalb auf die geänderten Interessen einstellen", sagt Paul Kröger und erzählt noch von einem weiteren Wandel.

Ein Bild aus alten Zeiten: Im Elternhaus von Paul Kröger (hinten links) in Mühlen pausierten in 1990er Jahren diese Wanderfreunde aus den Niederlanden. Mit auf dem Bild sind auch Paul Krögers Ehefrau Mechthild (vor ihm sitzend) und der frühere Wanderwart-Chef Fritz Brinkmann. Foto: KrögerEin Bild aus alten Zeiten: Im Elternhaus von Paul Kröger (hinten links) in Mühlen pausierten in 1990er Jahren diese Wanderfreunde aus den Niederlanden. Mit auf dem Bild sind auch Paul Krögers Ehefrau Mechthild (vor ihm sitzend) und der frühere Wanderwart-Chef Fritz Brinkmann. Foto: Kröger

Früher habe es gar keine expliziten Stopps für Pausen geben müssen. Wanderer hätten ihre feste und flüssige Nahrung in einen Rucksack gepackt und seien losmarschiert. Das machten die Radler eher nicht, sagt der 77-Jährige. Deshalb sei es wichtig, die Routen so zu planen, dass es Einkehrmöglichkeiten gibt. Was angesichts des Kneipen- und Gaststättensterbens auch nicht unbedingt leichter werde.

Bei der 52. Internationalen (Rad-)Wanderung werde es auf jeder Route samstags und sonntags je zwei Tee-Stationen geben. Dort schenken Mechthild Kröger und Co. verschiedene Getränke aus. "Die Leute wollen sich ausruhen, sehen und miteinander ins Gespräch kommen", erzählt die 73-Jährige. "Das ist den Teilnehmern ganz wichtig." Für Paul Kröger ist es dann gleichzeitig die Herausforderung, die drei unterschiedlichen langen Routen für Wanderer und Radler zu den Tee-Stellen zusammenzuführen – ehe sie sich wieder auseinanderziehen.

Und welche Tipps haben die Krögers für alle Teilnehmer? Erstens: Zeit lassen. Der Deutsche wandere und radle immer so gehetzt. "Da sind die Niederländer viel entspannter", sagt Paul Kröger und ergänzt mit einem Schmunzeln: "Achtet auf die Pfeile. Wenn irgendwo ein umgefallener Baum im Weg liegt, dann ist die Strecke wahrscheinlich falsch."


Fakten zur (Rad)-Wanderung und zum Mühlenfest:

  • Start ist samstags und sonntags zwischen 8 und 13 Uhr am Alten Gesellenhaus.  Die offizielle Eröffnung ist am Samstag um 8.30 Uhr. Das Startgeld beträgt für Erwachsene für beide Tage 3 Euro.
  • Die Routen am Samstag sind 10, 20 und 38 Kilometer lang. Die längeren Strecken führen Richtung Dammer Berge.
  • Die Routen am Sonntag sind 34, 20 und 10 Kilometer lang. Die längeren Routen führen Richtung Bakum.
  • Es gibt an beiden Tagen jeweils Einkehrmöglichkeiten und Tee-Stationen. Die Routen sind auch in der App Komoot einsehbar.
  • Das vom Freundeskreis Schweger Mühle veranstaltete Mühlenfest beginnt am Sonntag um 15 Uhr.
  • Das Kolpingorchester Dinklage spielt Musik. Im alten Backhaus wird Brot gebacken.
  • Die Mühle ist für die Besucher geöffnet, inklusive Handmühlen für die Kinder.
  • Der Getreidegarten ist ebenfalls geöffnet. Dort blüht vor allem der Buchweizen prächtig.

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