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Integrationsarbeit setzt schon bei der Kindererziehung an

Das Projekt "Efi" hat sich in der Stadt Vechta fest etabliert. Als wichtiger Faktor erweist sich ein direkter Draht zu den Müttern.

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Im ständigen Austausch: Yurdagül Erdogdu (links) und Indira Ejupi leiten das städtische Integrationsprojekt "Efi". Im Laufe der 10-jährigen Tätigkeit ist es ihnen gelungen, ein Netzwerk unter den Migrantenfamilien aufzubauen.   Foto: Speckmann

Im ständigen Austausch: Yurdagül Erdogdu (links) und Indira Ejupi leiten das städtische Integrationsprojekt "Efi". Im Laufe der 10-jährigen Tätigkeit ist es ihnen gelungen, ein Netzwerk unter den Migrantenfamilien aufzubauen.   Foto: Speckmann

Integrationsarbeit ist eine immense gesellschaftliche Herausforderung. Diese Erfahrungen machen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden in der Stadt Vechta nicht erst seit der Flüchtlingskrise. Die Corona-Pandemie hat die Kontaktaufnahme zusätzlich erschwert. Entmutigen lassen sich die Beteiligten davon aber nicht. Sie bemühen sich nach Kräften, um den Migranten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Im Rahmen des Integrationsprojektes „Efi“ ist in diesem Jahr ein Corona-Buch entstanden. Eltern und Kinder haben in malerischer Form ihre Gefühle zum Ausdruck gebracht und damit auch etwas über ihre Situation als Migranten erzählt. „Bilder sagen mehr als tausend Worte“, erläutern die beiden Projektleiterinnen Yurdagül Erdogdu und Indira Ejupi die künstlerische Gestaltung des Werkes.

Kontakt zu Menschen aus 23 Herkunftsländern

Erdogdu und Ejupi kümmern sich federführend um das Projekt, das seit zehn Jahren mit großem Erfolg in der Kreisstadt läuft. Sie haben Kontakt zu Menschen aus 23 Herkunftsländern, kennen deren Lebensverhältnisse und Migrationshintergründe. Im Ausschuss für Familie, Gesundheit und Soziales haben die hauptamtlichen Leiterinnen nun aufgezeigt, was sich hinter der Abkürzung für „Elternarbeit, Frühe Hilfe, Migrantenfamilien“ verbirgt.

Im Mittelpunkt der Förderung stehen Sprache und Bildung, Erziehung und Gesundheit sowie das familiäre und gesellschaftliche Zusammenleben. Durch die Einrichtung von Mutter-Kind-Gruppen ist es in einem ersten Schritt gelungen, Zugang zu den ausländischen Familien zu bekommen. Im Laufe der Zeit haben sich ein umfassendes Netzwerk sowie vielfältige Aktivitäten für Alt und Jung ergeben.

Bei Sprachkursen ist Überzeugungsarbeit nötig

Der Schlüssel zur Integration ist bekanntlich die Sprache. Allerdings haben die Betreuerinnen die Erfahrung gemacht, dass es häufig viel Überzeugungsarbeit braucht, um Mütter zu Kursen zu bewegen. „Die Hemmschwelle ist sehr groß, aber wir lassen da nicht locker“, sagt Erdogdu. Wohlwissend um die große Bedeutung der Deutschkenntnisse, etwa wenn es um Informationen über Kinderbetreuung oder Gesundheitsvorsorge geht.

Der direkte Draht zu den Müttern scheint ein ganz entscheidender Faktor in der Integrationsarbeit zu sein. Hier versuchen die Integrationshelfer eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen und darüber auch die Angehörigen zu erreichen. Erdogdu nennt ein ganz praktisches Beispiel: „Wenn Mütter schwimmen können, dann können wir auch die Väter dazu bringen, dass es auch die Töchter dürfen.“

Kollegin Ejupi geht in dem Vortrag auf weitere Bereiche aus dem Erziehungsalltag ein, in denen Eltern ein Stück weit an die Hand genommen werden müssen. Hier geht es unter anderem um die Kontaktaufnahme zu Kindertagesstätten, Schulen und Beratungsstellen. Familien mit Migrationshintergrund werden mit Förderangeboten für Kinder vertraut gemacht, um etwaige Defizite möglichst frühzeitig zu beheben.

Viele Möglichkeiten zum interkulturellen Austausch

Aber das städtische Integrationsprojekt geht über die Stärkung der Elternkompetenzen weit hinaus. Neben den Informations- und Beratungsangeboten ergeben sich diverse Möglichkeiten zum interkulturellen Austausch. Das Spektrum reicht vom Lesetag über den Kochkursus bis hin zum Tanzabend, bei dem mehr als ein Dutzend Nationalitäten vertreten sind und sich ungezwungen kennenlernen können.

Die Projektleiterinnen geben offen zu, dass sie schon beim Start im Jahr 2011 davon ausgegangen seien, dass es harte Arbeit werden würde, die Migranten zu erreichen. Doch es sei ihnen gelungen, eine Gemeinschaft aufzubauen. Unter den Beteiligten habe sich ein reger Austausch entwickelt. Die Aktionen seien mit Spaß verbunden. Die Gruppe habe sich vergrößert, dazu würden auch Freundschaften mit Nachbarn geschlossen.

Projekt soll unbefristet fortgesetzt werden

Um die erfolgreiche Arbeit mit den Migranten fortzusetzen und auch Familiennachzüge aus Osteuropa und anderen Regionen einzubinden, können die hauptamtlichen Leiterinnen auch künftig auf die Unterstützung der Stadt Vechta bauen. Nach dem einmütigen Willen des Fachausschusses soll das „Efi“-Projekt in bisheriger Form unbefristet fortgesetzt und als Konstante in der Vechtaer Integrationsarbeit verstetigt werden.

Die Personalkosten von rund 60.000 Euro pro Jahr werden bisher größtenteils durch das Land Niedersachsen und den Landkreis Vechta gedeckt. Nach Angaben der Stadtverwaltung ist nach derzeitigem Stand davon auszugehen, dass es weiterhin eine landesweite Förderung geben wird. Ein entsprechendes Signal erhoffen sich die Verantwortlichen auch vom Kreistag, dessen Mittelbewilligung zunächst bis Ende 2022 befristet ist.

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