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Integrationsarbeit beginnt an der Haustür

Vereine und Institutionen starten eine wohl einmalige Begrüßungsaktion im Vechtaer Stadtteil Oythe. Bei den persönlichen Besuchen soll es nicht bleiben.

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Testlauf vor der großen Aktion: Sabrina Beckermann (3. von links) und ihr Sohn Jakob (5) freuen sich über das Begrüßungspaket. Verantwortlich sind Maria Windhaus, Birgit Witte, Jette Bünger, Alfons Menke und Heinrich Windhaus (von links). Zum Arbeitskreis gehören ferner Georg Böske, Jutta Hellmann, Ulrike Böske, Reinhard Ellert und Hans-Georg Schnabel. Foto: Speckmann

Testlauf vor der großen Aktion: Sabrina Beckermann (3. von links) und ihr Sohn Jakob (5) freuen sich über das Begrüßungspaket. Verantwortlich sind Maria Windhaus, Birgit Witte, Jette Bünger, Alfons Menke und Heinrich Windhaus (von links). Zum Arbeitskreis gehören ferner Georg Böske, Jutta Hellmann, Ulrike Böske, Reinhard Ellert und Hans-Georg Schnabel. Foto: Speckmann

Das Brot ist bestellt, an Salz mangelt es ebenfalls nicht, und die Flyer sind gerade frisch aus der Druckerei gekommen: Die Vereine und Institutionen sind für die große Begrüßungsaktion in Oythe gerüstet. Am Donnerstag (12. Mai) ab 16.30 Uhr wollen mehr als 25 Teams im Baugebiet "Telbraker Esch" von Haus zu Haus gehen, um den Neubürgern des Vechtaer Stadtteils ihre Aufwartung zu machen.

Die Initiatoren des hierzulande wohl einmaligen Projektes stehen vor einer Herausforderung. Sie haben etwa 400 Haushalte auf ihrem Zettel. Es sind Bewohner, die sich in den vergangenen Jahren im Neubaugebiet angesiedelt haben. Sei es durch den Bau eines Eigenheims oder den Bezug einer Mietwohnung. Ihnen soll nun gezeigt werden, dass sie in der Dorfgemeinschaft willkommen sind.

"Die Idee für das Projekt ist schon im Herbst 2020 entstanden", berichtet Heinrich Windhaus, der sich als Vorsitzender des Musikvereins Oythe in einem 10-köpfigen Arbeitskreis einbringt. Vereine, Gruppen und Organisationen hätten damals gemeinsam überlegt, wie sich die zugezogenen Bürger, darunter auch viele Menschen mit Migrationshintergrund, in dem Ortsteil integrieren lassen könnten.

Nach der coronabedingten Verzögerung sollen die Ideen nun in die Tat umgesetzt werden. Zur persönlichen Ansprache dient ein uraltes Brauchtum mit Symbolkraft. Wer Salz und Brot verschenkt, wünscht den neuen Nachbarn, dass die beiden Grundnahrungsmittel im neuen Heim immer ausreichend vorhanden sind. Das Geschenk gilt als Segen für die neuen vier Wände. Es sorgt für Wohlstand, Sesshaftigkeit und Gemeinschaft.

Neue Broschüre wird in sechs Sprachen verteilt

Welche Bedeutung die Gemeinschaft auch und gerade in Oythe hat, verdeutlicht eine neue Broschüre. Darin stellen sich die örtlichen Vereine und Institutionen mit Aktivitäten und Ansprechpartnern vor. Und weil Sprache der Schlüssel zur Integration ist, haben ehrenamtliche Helfer den Inhalt auf Türkisch, Russisch, Kosovarisch, Arabisch und Englisch übersetzt. Somit kann die Broschüre in sechs Versionen verteilt werden.

Für die Akteure ist es wichtig, die Neubürger in die örtlichen Strukturen einzubinden, anstatt nebeneinanderher zu leben. Damit könne auch der Gefahr begegnet werden, dass sich im Zuge der rasanten Wohnbauentwicklung Parallelstrukturen bildeten. "Wir versuchen den Dorfcharakter zu erhalten. Wenn wir mit unserer Aktion einige Menschen erreichen, ist schon viel gewonnen", sagt Heinrich Windhaus.

Zugezogene Bürger können die Vereine beleben

Seine Schwester Maria Windhaus, Vorstandsmitglied des Pfarreirates der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt, sieht hier auch eine "Win-win-Situation". Zugezogene könnten zur Belebung der örtlichen Gemeinschaften beitragen. In der Corona-Pandemie seien viele Aktivitäten auf Eis gelegt worden. Vereine müssten nun mehr darum kämpfen, neue Mitglieder zu gewinnen. Im Neubaugebiet würden Potenziale schlummern.

Unter Kindern und Jugendlichen fällt die Kontaktaufnahme häufig noch relativ leicht. Sie begegnen sich automatisch in Kitas und Schulen. Hier sieht Jette Bünger eine gute Möglichkeit, die jungen Menschen abzuholen. Sie engagiert sich als Messdienerin in der Kirchengemeinde und wirbt für vielfältige Aktionen, die über das kirchliche Leben hinaus gingen, auch unabhängig von Glaubensrichtungen.

Bei Senioren gestaltet sich die Situation schon etwas schwieriger. Ein erstes Kennenlernen findet oft in Nachbarschaften statt, wie Alfons Menke beobachtet. Aber der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Oythe stellt auch fest: "Viele wollen wohl, trauen sich aber nicht richtig." Dabei gibt es durchaus gute Gelegenheiten zum Austausch, wie jüngst das Osterfeuer, ergänzt Birgit Witte, die sich im Frauenchor Oythe federführend engagiert.

Nun geht der Arbeitskreis in die Offensive. Ein Dank gilt schon jetzt allen Helfern und Sponsoren der Begrüßungsaktion. Neben der Stadt Vechta haben sich die Bürgerstiftung Vechta und die "Partnerschaft für Demokratie" beteiligt. Die Bäckerei Grieshop gewährt einen Sonderpreis beim Brot, die Agentur Freiwald Kommunikation zeichnet sich für den Inhalt der Broschüre verantwortlich und die Volksbank stellt Malhefte mit den "Müsen van Aite" zur Verfügung.

Weitere Aktionen in der Wohnsiedlung

Bei der Übergabe der gut gefüllten Stoffbeutel, versehen mit dem Oyther Logo, soll es übrigens nicht bleiben. Das könne nur ein Anfang der Integrationsarbeit sein, erklärt Heinrich Windhaus. Neubürger kämen nicht von allein auf den Dorfplatz. Es müssten weitere Schritte folgen, um die Menschen dort abzuholen, wo sie wohnten. Dies könne durch Chorauftritte oder andere Aktionen in der Siedlung erfolgen.

Dass der Arbeitskreis auf dem richtigen Weg ist, zeigt ein Probebesuch bei Familie Beckermann, die aus dem Nachbarkreis Cloppenburg stammt und schon vor Jahren an der Meinard-Fortmann-Straße gebaut hat. Durch Arbeit, Schule, Kita und Kirche hätten sie viele Kontakte geknüpft, aber ohne Kinder wäre das Kennenlernen vermutlich schwieriger, meint Sabrina Beckermann. "Ich finde die Begrüßungsaktion super", sagt die Oytherin.

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