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Innenstadt passé?

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Ein Innenstadtbesuch spricht alle Sinne an, ist mehr als bloßes Einkaufen. Doch um weiter zu bestehen, sind Veränderungen nötig – zum Beispiel in Cloppenburg.

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Innenstadt passé? – Eine geradezu grauenhafte Vorstellung für mich! Innenstädte haben doch so einiges zu bieten. Dabei geht es mir nicht nur um die Präsentation und den Verkauf von Waren. Es zählt auch das Flair, in Fußgängerzonen an den Schaufenstern vorbeizuflanieren. Ich treffe Leute und kann mit ihnen einen Klönschnack halten. Cafés und Restaurants runden das Einkaufserlebnis ab und laden zu einer Verschnaufpause ein. Kurzum: Lebendigkeit mit Ansprache! Der Innenstadtbesuch spricht alle Sinne an und macht den Einkauf zu einem Event.

Darauf hat meine Großmutter schon vor 100 Jahren gesetzt. Sie war Hutmacherin und hatte ihr Geschäft in Vechta. Ihren Schilderungen nach, machte sie ihre besten Geschäfte sonntags nach dem Hochamt. Zur heiligen Messe waren auch viele aus den umliegenden Dörfern nach Vechta gekommen. Während die Männer nach dem Kirchenbesuch häufig noch ein Wirtshaus aufsuchten, hatten ihre Kundinnen Muße, sich in modischen Fragen ausgiebig beraten zu lassen.

Internethandel verändert die Situation drastisch

Es war ja Sonntag und die meist von schwerer Arbeit geprägte Woche lag hinter ihnen. Zeit, auch mal zu genießen. Zur Verbesserung der Verkaufsatmosphäre wurden oft auch Kaffee und kleine Naschereien gereicht. In dieser aufgelockerten Atmosphäre endeten die Beratungsgespräche meist auch mit Verkaufsabschlüssen. Über die Frage "Innenstadt passé?" hätte meine Oma wahrscheinlich nur herzlich gelacht. Innenstadt und Fachgewerbe keine Einheit mehr? Unvorstellbar!

Die von ihr angebotene Form eines Einkaufsevents ist nicht zuletzt auch wegen der immer strengeren rechtlichen Regelungen unter die Räder geraten. Trotzdem haben sich die Innenstädte über viele Jahre erfolgreich gegen die Konkurrenz des Versandhandels und die Einkaufszentren auf der grünen Wiese behaupten können. Mit dem Aufkommen des Internethandels hat sich die Situation aber drastisch verschlechtert. Der Onlinehandel ist in Deutschland auch im zweiten Jahr der Pandemie kräftig gewachsen. "E-Commerce wird immer mehr als das Normale und Übliche empfunden", sagte der Präsident des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandels Deutschlandes Gero Furchheim, in einer Meldung der Tagesschau vor gut 1 Monat.

„Die Innenstädte müssen sich als Sozialraum mit Begegnung, Austausch und Eventcharakter neu erfinden."Elisabeth Schlömer, Kolumnistin

Allein der Verkauf von Waren wird keine funktionierende Innenstadt garantieren. Er wird bei der heute vielfach üblichen "Geiz ist geil"-Mentalität dort nicht zuletzt wegen der hohen Mieten kaum noch möglich sein. Bereits jetzt gibt es in Cloppenburg 10 Prozent Leerstand, wie OM-Medien berichtete. Ein alarmierendes Zeichen! Die Innenstädte müssen sich als Sozialraum mit Begegnung, Austausch und Eventcharakter neu erfinden.

Klug wäre es dabei sicherlich auch, das bundesweit bekannte Museumsdorf mit in die Überlegungen einer Neuorientierung für Cloppenburg einzubinden. Beispielsweise durch eine Auflockerung des Stadtbildes mit Gebäudeminiaturen des Museumsdorfes und einer Verbesserung von dessen Anbindung an die Innenstadt. Bringen Sie sich in diesen Prozess ein! Unsere Innenstädte dürfen nicht sterben.


Zur Person:

  • Elisabeth Schlömer wohnt in Cloppenburg.
  • Sie war Leiterin des Ludgerus-Werkes Lohne bis zu ihrem Ruhestand 2019. Momentan ist sie ehrenamtlich tätig bei den "Machern – zu jung um alt zu sein" und beim SKF Cloppenburg.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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