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Initiative will in Vechta über den Tod im Mittelmeer sprechen

Ein Theaterstück auf der Bühne des Vechtaer Kolleg St. Thomas soll für reichlich Diskussionsstoff sorgen. Immer neue Krisen überlagern ungelöste Probleme.

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Rücken vergessene Flüchtlinge in den Mittelpunkt: (von links) Elisabeth Vodde-Börgerding, Johannes Lamping und Nicola Niehaus. Foto: Chowanietz

Rücken vergessene Flüchtlinge in den Mittelpunkt: (von links) Elisabeth Vodde-Börgerding, Johannes Lamping und Nicola Niehaus. Foto: Chowanietz

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Energiekrise beherrschen die Nachrichtenlage. Viele Menschen sind deshalb besorgt. Johannes Lamping weiß das. Er will trotzdem darüber reden, dass immer noch jeden Tag Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer sterben, weil auch in ihren Ländern Krieg, Gewalt und Hunger an der Tagesordnung sind. Lamping will aufrütteln, das Thema wieder auf die Tagesordnung bringen. Und er will in seinem Heimatlandkreis Vechta einen gesellschaftlichen Konsens erreichen: "Dass jeder Mensch das Recht hat, nicht zu ersaufen."

Weil das Thema für viele Menschen dennoch so weit weg ist, gibt es in Vechta jetzt Theater zur Belebung der Debatte. Lamping und seine Mitstreiterin Elisabeth Vodde-Börgerding – beide arbeiten beim Caritas-Sozialwerk – holen am Montagabend (5. Dezember) um 19 Uhr das Stück "Die Mittelmeer-Monologe" auf die Bühne in der Aula des Kolleg St. Thomas. Das Gymnasium der Dominikaner unterstützt die Initiative. Lehrerin Nicola Niehaus, an der Schule zuständig für das darstellende Spiel, übernimmt die Organisation.

Das aufs Wesentliche reduzierte Stück bringt die zentralen Themen und Debatten rund um das Thema auf die Bühne: Die Mittelmeer-Monologe erzählen von der politisch widerständigen Naomie und Yassin aus Kamerun, die sich auf ihrer Flucht auf einem Boot nach Europa wiederfinden. Sie erleben brutale Küstenwachen, zweifelhafte Seenotrettungsstellen und Aktivisten, die das Sterben auf dem Mittelmeer verhindern wollen.

Das Publikum soll diskutieren

Der Eintritt zur Aufführung des – laut Kritikern berührenden und wirkmächtigen – Stücks in der Aula ist für die Besucher kostenlos. Der Landes-Caritasverband übernimmt die Kosten des Ensembles "Wort und Herzschlag". Die Organisatoren haben außer der Schulgemeinschaft und der breiten Öffentlichkeit auch direkt die Entscheidungsträger in den Städten, Gemeinden, Institutionen und der Kirche vor Ort eingeladen.

"Wir wollen über das Thema diskutieren", sagt Elisabeth Vodde-Börgerding. Aus ihrer Arbeit in der Flüchtlingshilfe hat die Holdorferin Kontakte zu Aktivisten der ehrenamtlichen Seenotretter, die auch mit eigenen Schiffen Menschen aus dem Mittelmeer holen. Einer der Helfer soll sich an dem Abend in das moderierte Gespräch mit dem Publikum einbringen.

Das Sterben ist noch nicht vorbei

In Lampings Wahrnehmung waren die Themen Flucht und Seenotrettung vor dem Ausbruch der Pandemie gerade sehr präsent. Mit einem Mal verschwand die Diskussion aus der Öffentlichkeit. "Die Menschen hatten andere Sorgen", sagt der Goldenstedter. Das könne er verstehen. Das Sterben auf dem Mittelmeer sei aber nicht vorbei. Es sei nur aus dem Blick geraten.

Vodde-Börgerding sagt: Der Strom der Menschen, der sich über verschiedene Routen aus Ländern in Afrika und Vorderasien nach Europa aufmacht, sei ungebrochen. Oftmals seien es noch Kinder, die losgeschickt werden, um Jahre später ihre Familien nachzuholen. Das Meer sei dabei nur eines der Gefahren. Aber eine wesentliche: Allein in diesem Jahr seien hier schon mehr als 1900 Menschen ertrunken. Jedes verlorene Leben sei eines zu viel.

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