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Infiziert im Hospital: Arzt sagt Operationen ab

Die Sorge vor Corona ängstigt auch Angehörige. Zwei Todesfälle belasten die Klinik, denn beide Männer waren bei ihrer  Aufnahme virusfrei. Welche Konsequenzen ziehen das Hospital und der Landkreis?

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Sorgen um die Sicherheit: Mindestens ein erst im Hospital infizierter Patient ist an Covid-19 gestorben – ohne belastende Vorerkrankungen. Ein zweites Opfer des Ausbruchs im Haus  ist wahrscheinlich. Foto: Archiv/Kreke

Sorgen um die Sicherheit: Mindestens ein erst im Hospital infizierter Patient ist an Covid-19 gestorben – ohne belastende Vorerkrankungen. Ein zweites Opfer des Ausbruchs im Haus  ist wahrscheinlich. Foto: Archiv/Kreke

Die Corona-Lage im Cloppenburger Krankenhaus besorgt Angehörige und Ärzte. Jetzt ist ein Todesfall hinzugekommen, der Zweifel an der Sicherheit nährt. Am vergangenen Samstag ist ein 91 Jahre alter Mann im Cloppenburger Krankenhaus gestorben, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach im Haus mit dem Coronavirus infiziert hat. Diesen Schluss legen der zeitliche Abstand zwischen seiner Aufnahme und seiner 18 Tage später diagnostizierten Covid-19-Erkrankung nahe.

Der Verstorbene war nach Auskunft seiner Familie am Freitag, 8. Januar, wegen eines Oberschenkelhalsbruchs ins St.-Josefs-Hospital gebracht worden. Der Virus-Test bei seiner Aufnahme fiel negativ aus. Als sich der 91-Jährige bereits mit Physiotherapie auf seine Entlassung vorbereitete, erhielt die Familie am Dienstag, 26. Januar, telefonisch die Nachricht von der Covid-19-Diagnose. Der zunächst milde scheinende Verlauf mit Fieber und Husten wurde am vergangenen Freitag lebensbedrohlich: Die Familie wurde um ihr Einverständnis gebeten, den Vater und Großvater zu intubieren. Am Samstag starb er trotz der Beatmung an Covid-19. „Zu dem Einzelfall kann ich keine Stellung beziehen, da mir nähere Informationen fehlen“, teilte der Geschäftsführer der Klinik, Andreas Krone, auf Anfrage mit. Einzelheiten schildert stattdessen die Familie, die ihren Vater und Großvater am Mittwoch beisetzte.

Nach ihrem Kenntnisstand litt er unter keiner Vorerkrankung, die ein erhöhtes Risiko bedeutet hätte. Weil aus einer früheren Behandlung im Hospital jedoch bekannt war, dass der Patient einen MRSA-Keim in sich trug, jedoch nicht unter einer Infektion litt, wurde er nach Darstellung seiner Kinder von Anfang an isoliert unter besonders strengen Vorsichtsmaßnahmen behandelt, um das Personal und andere Patienten zu schützen.

Landkreis rückt zweimal zu Krisengespräch an

Die Führung des Hospitals beteuerte erneut, wie ausgefeilt und geprüft ihr „gut aufgestelltes“ Hygiene-Programm ist. „Wir müssen dennoch feststellen, dass wir auch mit einem guten Konzept nicht die Sicherheit in dieser Pandemie schaffen können, die wir uns alle wünschen“, meinte Krone. Doch das Hygiene-Konzept ist nach mehrfachen und auffällig großen Ausbrüchen im Krankenhaus in zwei Punkten deutlich nachgebessert worden.

Nach einem Krisengespräch mit dem Gesundheitsamt und der politischen Spitze der Kreisverwaltung wurde die Frequenz der Antigen-Schnelltests für die Mitarbeiter/innen von einem auf zwei pro Woche erhöht. Zudem wird die Unterbringung in Drei-Bett-Zimmern wegen der Ansteckungsgefahr ausgesetzt: Künftig sollen sich nur noch zwei Patienten ein Zimmer teilen. Die Enge war schon einem anderen Patienten aufgefallen, der inzwischen nicht mehr lebt Kurt B. (Name ist der Redaktion bekannt) beklagte in einer Chat-Nachricht an seine Tochter, er liege beengt mit zwei anderen Patienten auf der Normalstation „in der letzten Ecke“.

„Zum Glück hab‘ ich ihn noch einmal auf der Intensivstation sehen können.“Karin B., Tochter eines Todesopfers

Wie die Frau berichtet, war ihr Vater, der unter schwerer Osteoporose litt, am 13. Januar in der Notaufnahme des Hospitals mit heftigen Schmerzen stationär eingewiesen worden. Er hatte sich zwei Brustwirbel gebrochen. Sein Corona-Test war jedoch negativ. 8 Tage später, am Donnerstag, 21. Januar, wurde bei ihm die tückische Infektion diagnostiziert. „Ich hatte an dem Tag gerade eine Pflegerin für die Zeit zu Hause eingestellt“, erinnert sich die Tochter: „Ich war entsetzt.“ „Halt durch“, schrieb sie ihrem Vater: „Das bedeutet ja noch gar nichts.“ Am Tag danach erhielt er Sauerstoff per Maske, einen Tag später antwortete er nicht mehr auf Smartphone-Nachrichten. Am Samstag, 23. Januar, morgens um 5 Uhr setzten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt, um ihn zu beatmen. „Zum Glück hab‘ ich ihn noch einmal auf der Intensivstation sehen können“, erzählt Karin B. am Telefon. Seine kleinen Nachrichten hat sie aufbewahrt

Im Nachhinein erinnert sich Karin. B. an  scheinbare Nebensächlichkeiten, die ihr jetzt merkwürdig vorkommen. „Bei der Besucheranmeldung lag nur ein Stift“, erzählt sie. In anderen öffentlichen Einrichtungen hat die Frau am Empfang zwei Gläser gesehen – eines mit desinfizierten Kugelschreibern, das zweite für benutzte. So sollen Schmierinfektionen durch Kontakt unter Besuchern ausgeschlossen werden. Einen Vorwurf macht die junge Frau dem Hospital nicht: „Niemand will ja jemanden anstecken.“

Anderen Besuchern waren draußen Patienten aufgefallen, die ohne Maske dicht nebeneinander im Raucher-Pavillon an ihren Zigaretten zogen. Dass die Personenzahl dort begrenzt ist, stehe auf einem Hinweisschild, bemerkte die Klinikleitung dazu. Kontrolliert wird das offenbar nicht systematisch. Obwohl inzwischen die noch gefährlichere Corona-Mutation B 1.1.7. im Hospital ausgeschlossen worden ist, hat zumindest ein niedergelassener Arzt vorerst seine bereits geplanten OPs in der Klinik abgesagt.

Orthopäde ist Infektionslage nicht mehr geheuer

Dem Orthopäden war die Infektionslage offensichtlich nicht geheuer, wie er Patienten, die er vertröstet hat, erklärte. Der Arzt aus Cloppenburg habe dem Haus aber „keine generelle Absage“ erteilt, betonte der Geschäftsführer. Bisher sind das die einzigen geplanten Eingriffe, die wegen der Pandemie gestrichen worden sind. Aber es könnten mehr werden. Wegen der reduzierten Belegung der bisherigen Drei-Bett-Zimmer müsse jetzt kurzfristig geprüft werden, ob „in Einzelfällen“ planbare Operationen abgesagt werden müssten, falls nicht mehr genügend Betten zur Verfügung stehen, erklärte Andreas Krone.

Schweigt zu Todesfällen, weil er keine Informationen hat: Klinik-Geschäftsführer Andreas Krone. Foto: Timo LutzWerbefotografieSchweigt zu Todesfällen, weil er keine Informationen hat: Klinik-Geschäftsführer Andreas Krone. Foto: Timo Lutz/Werbefotografie

Am Mittwoch traf sich die Klinikleitung erneut mit der Kreisspitze. Landrat Johann Wimberg, Erster Kreisrat Ludger Frische und Vertreter des Gesundheitsamtes wollten mit den Verantwortlichen des St.-Josefs-Hospitals über den Corona-Ausbruch von letzter Woche beraten, teilte Pressesprecher Frank Beumker mit. Dabei solle aufgearbeitet werden, was bisher an Hygienemaßnahmen umgesetzt wurde und „ob noch weitere Maßnahmen angepasst werden müssen“.

Zugleich gab der Landkreis eine Art „Ehrenerklärung“ für das Krankenhaus ab. Das Hospital befolge „aus hygienischer Sicht zahlreiche Sicherheitsmaßnahmen, um einen Ausbruch zu vermeiden“, erklärte die Behörde schriftlich. An der strikten Einhaltung der geltenden Regeln führe „kein Weg vorbei“. „Nichtsdestotrotz ist das Risiko einer Infektion nicht auszuschließen“, teilte Beumker mit. Ob noch mehr Vorsorge betrieben werden kann, soll das Spitzengespräch ermitteln.

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