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Infektion trotz Impfung: Warum das Serum trotzdem hilft

Schon nach der ersten Dosis baut sich die Schutzwirkung auf, sagt Prof. Joachim Schrader. Nach einer Woche wachsen Antikörper im Blut . Selbst Corona-Infizierten kann der Impfstoff nützen.

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Schutz setzt früh ein: Eine Woche nach der ersten Impfung sind Antikörper im Blut nachweisbar. Die Chancen steigen damit, eine Infektion heil zu überstehen. Foto: Michael Reichel/dpa

Schutz setzt früh ein: Eine Woche nach der ersten Impfung sind Antikörper im Blut nachweisbar. Die Chancen steigen damit, eine Infektion heil zu überstehen. Foto: Michael Reichel/dpa

Gerade geimpft, trotzdem an Covid-19 erkrankt: Schadet das Serum, wenn es „aus Versehen“ unentdeckt infizierten Menschen gespritzt wird? „Nein“, sagt der Chef des Impfzentrums im Landkreis Cloppenburg. Mit jedem Tag nach der Injektion wachse die Wahrscheinlichkeit, besser mit dem Virus fertig zu werden, betont Prof. Joachim Schrader.

Denn das Serum rege den Körper schon nach der ersten Dosis zur Produktion der „passenden“ Antikörper an, erklärt der Internist. Bereits eine Woche später sei eine erste Immunwirkung messbar. Der Schutz ist damit zwar noch nicht komplett, aber er beginnt.

Impfungen könnten Zahl der schweren Verläufe mindern

Zwei Wochen nach der ersten Impfung liegt die Rate der Geschützten bereits bei 50 bis 80 Prozent, hat der Hersteller Biontech in seinen Massenversuchen ermittelt. Die zweite Impfung sei notwendig, weil eine Immunität von im schlechtesten Fall 50 Prozent „einer Lotterie“ gleichkäme, die keine Zuverlässigkeit gebe, erklärte Schrader.

„Auf jeden Fall schadet die Impfung nicht, sie hilft“Prof. Joachim Schrader

Ängste und Irritationen hat der neuerliche Ausbruch von Covid-19 in den Alten- und Pflegeheimen ausgelöst. Schwerpunkte sind nach Angaben der Kreisverwaltung das Seniorenzentrum St. Margaretha in Emstek (3 Bewohner infiziert), die Alloheim Senioren-Residenz Cloppenburg (ein Bewohner und ein Mitarbeiter) sowie Einrichtungen in Lindern und Löningen. Zum Teil fehle den Betroffenen noch die zweite Impfung, so der Landkreis.

Wahrscheinlich würden schwere Verläufe durch die erste Dosis abgeschwächt, vermutet Schrader vorsichtig. Auf jeden Fall „schadet die Impfung nicht, sie hilft“. „Aus Versehen“ haben die mobilen Teams im Landkreis schon betagte Menschen geimpft, die am nächsten Tag positiv getestet wurden. Für die wenigen Betroffenen bedeute dies keine zusätzliche Belastung, sagt der Chef des Impfzentrums. Denn es wird keine Viruslast, sondern ein „Bauplan“ zur Produktion von Antikörpern verabreicht.

Schwere Nebenwirkungen sind nach 5750 Impfungen im Landkreis bisher ausgeblieben Nach Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts berichten lediglich 7 von 10.000 Teilnehmern überhaupt von spürbaren Reaktionen.

Nur 7 von 10.000 spüren überhaupt Impf-Nachwirkung

Am häufigsten sind das Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfweh und Gliederreißen sowie Fieber und Müdigkeit. Lediglich ein Patient von 10.000 zeigte schwere Nebenwirkungen. Der volle Schutz entwickelt sich laut Schrader zwei Wochen nach der zweiten Dosis. Die Immunsierungsrate des deutschen Biontech-Serums liegt dann bei 94 Prozent. Der amerikanische Hersteller Moderna errechnet sogar 95 Prozent.

Prof. Joachim Schrader. Foto: KrekeProf. Joachim Schrader. Foto: Kreke

Der Zusammenbruch der landesweiten Hotline zur Impf-Anmeldung ist für Schrader eine Bestätigung, mit dem Modellprojekt der lokalen Impfzentren den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Der direkte Kontakt mit den über 80-Jährigen in den Gemeinden und auf den Dörfern habe ein Gemeinschaftsgefühl ausgelöst, das die Impfbereitschaft deutlich erhöht habe, sagte Schrader: „Da herrschte fast Volksfeststimmung“, meinte er zu dem gelungenen Auftakt in Lastrup. Dass die Versorgung jetzt wegen der Lieferschwierigkeiten für mindestens zwei Wochen stockt, bedauert der Mediziner zwar, bleibt jedoch nicht untätig. Über Nachschub werde mit dem Land ständig verhandelt, betonte er. Die nächsten Impfungen würden zudem organisatorisch vorbereitet: Für jeden, der die erste Dosis erhalten hat, ist eine zweite eingelagert worden.

Sonder-Impfung für „Promis“? Nicht mit Prof. Schrader!

Angesichts der Knappheit des Serums wird laut Schrader sorgfältig mit überzähligen Portionen umgegangen ­– etwa, wenn ein angemeldeter Patient plötzlich fehlt. Dann würden bevorzugt Rettungssanitäter geimpft, erklärte der ehemalige Chefmediziner des Cloppenburger Krankenhauses. Einen Fall wie in Osnabrück, wo sich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (63) bei einem PR-Termin „zufällig“ mit einer übriggebliebenen Dosis bedienen ließ, werde es im Kreis Cloppenburg nicht geben, betonte Schrader. „Wir impfen nur berechtigte Personen“, sagte er. Das DRK sei für die Überwachung der Reserven verantwortlich und nehme dies sehr ernst.

Zudem bleiben weniger Dosen übrig, seit die Impf-Teams die Warteschlange durchzählen: Nur wenn tatsächlich sechs Kandidaten anwesend sind, wird eine Sechser-Ampulle angebrochen. Wie auch in anderen Landkreisen üblich, sind die rund 40 Ärzte, die freiwillig in den Teams mitarbeiten, zu ihrem eigenen Schutz geimpft worden. „Wir haben aber auch alle anderen, die direkt Hand anlegen, geimpft“, betonte Schrader: „Sie arbeiten genauso im Risiko und müssen gleichbehandelt werden.“ Dieses Vorgehen habe zur Solidarität im Team beigetragen, meinte der Leiter.

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